Atem…

Atem…

Letzte Woche war ich, wie jede Woche, bei meiner Atemtherapeutin. Das klingt im ersten Moment enorm nach Hokus-Pokus… aber es ist viel mehr so, dass ich da normaler weise auf einer Liege liege und versuche, mich wieder wahr zu nehmen. In der Zeit versucht die Therapeutin dann, Verspannungen zu lösen oder hilft mir, Emotionen zu erkennen und, viel wichtiger noch, diese zu akzeptieren, was auch immer für eine Emotion sich gerade zeigt.

Oft, wenn Emotionen im Anmarsch sind, dissoziiere ich, halte mich fern von ihnen und fliehe in mein eigenes kleines Reich und warte ab, bis alles vorbei ist. Es gibt einige wenige Ausnahmen, wo ich für kurze Zeiten anwesend bleiben kann, wirklich etwas von der Therapie mit kriege und Emotionen kurz ins Auge sehen kann, meinen Körper wirklich mal versuche, wahr zu nehmen. Meist sind das aber kurze Episoden von 5 Minuten oder so.

Letzte Woche hatte ich einen speziellen Durchbruch: ich konnte eine ganze Stunde am Stück achtsam sein und aktiv dabei sein, sogar geniessen. Ich fühlte mich getragen, leicht, irgendwie war ich einfach absolut ruhig.

Der Wehrmutstropfen dabei: ich habe die ganze Stunde in Erinnerungen geschwelgt an Etienne. Nicht bewusst. Es war eher so, dass die Bilder mich heimsuchten, als dass ich die Bilder beschwor. Ich fühlte mich ihm so unglaublich verbunden und so nahe wie nie zuvor, seit dem ich nichts mehr von ihm höre.

Seit dem Zeitpunkt allerdings, zerreisst es mich, nichts von ihm zu hören und dass er nicht mehr Antwort gibt. Ich verzehre mich so unglaublich nach seiner Nähe. Nicht mal unbedingt die körperliche, eher die emotionale: von ihm hören, wissen wie es ihm geht, Anteil nehmen an seinem Leben, da sein für ihn… plötzlich kommen wieder so viele Gedanken an ihn, Erinnerungen brechen aus mir heraus, an Dinge, die er sagte, an einen Blick, ein Lachen, eine Annektote. 

Und ich wünschte, er könnte wieder Kontakt mit mir aufnehmen. Es ist so schwierig seit dem Abend, in jener unglaublich tollen Therapiestunde, NICHT an Etienne zu denken.

Ein Glück, dass der Stress im Studium mich zumindest zu grossen Teilen der Zeit absolviert und ich also wenig Möglichkeit habe, diesem Schmerz Raum zu geben. Dennoch ist es mir so fremd, jemanden so lange zu vermissen, ihn eher immer mehr zu vermissen, als dass ich vorwärts gehen könnte. Was auch immer er in mir ausgelöst hat, ich muss etwas ganz besonderes gefunden haben in ihm.

Bitte hinterlasse eine Antwort