Beziehung

Beziehung

eingetragen in: Nachdenkliches, Telenovela | 8

Aus aktuellem Anlass könnt ihr euch vermutlich denken, dass sich bei mir eine Frage wirklich langsam aufdrängt: was zum Henker macht eine gute Beziehung aus, beziehungsweise (haha, Wortspiel) was braucht ein Partner, damit ich ihn überhaupt in Betracht ziehen sollte?

Ich wurde letzthin durch jemanden darauf hin gewiesen, dass man eine Beziehung / einen Partner nicht sucht, sondern der irgendwann einfach plötzlich da ist. Ich glaube, das stimmt vermutlich. Dennoch glaube ich, es hilft, wenn man sich mich sich selbst befasst hat, weiss, was man will und braucht und was man auf keinen Fall braucht / will.

Im Verlaufe meiner Date-Disaster, habe ich mir einmal eine Art Liste gemacht, in der ich aufgeführt habe, welche Punkte mir wichtig sind, und auf Grund meiner Erfahrungen der vorangehenden Zeit. In der Hoffnung, dass mir das ganze nicht noch einmal passiert. (Wie sich herausstellen wird, war ich nicht gründlich genug im prüfen meiner liste wenn ich jemand neues in Betracht zog, oder meine Liste war nicht lang und ausführlich genug…)

Jedenfalls, die Punkte, mit denen ich aufkam, waren folgende:

  • Mein Partner braucht eine stabile Persönlichkeit, denn wenn ich instabil bin, so brauche ich wen, der mich tragen kann und keinen, der selbst Halt braucht – sonst wird das ein Perpetum Mobile. Stabil sein heisst für mich: mit Altlastern so gut es geht abgeschlossen haben, einen Job mit halbwegs sicherem Einkommen, geregelte Wohnsituation, keine argen Komplexe und Probleme psychischer Natur…
  • Zudem muss Mr. Right eine sehr hohe Dosis Einfühlsamkeit besitzen, denn ich bin nicht einfach und ich weiss das. Ich versuche, an mir zu arbeiten, aber es bedingt dennoch einen Partner, der Verständnis aufbringen kann für meine teilweise vielleicht nicht ganz adäquaten Handlungen und Gefühlsregungen, der nicht als erstes reagiert mit „ach das macht garkeinen Sinn dass du nun so reagierst“ (weil, auch wenn es rational keinen Sinn macht, emotional ist es für mich in dem Moment nicht anders lösbar, als genau so zu agieren, denn sonst würde ich ja nicht so handeln – ich bin ja eigentlich nicht sonderlich freiwillig masochistisch veranlagt 😉 )
  • Darin fliesst dann auch mit ein, dass er meine Probleme nicht nur rational akzeptiert, sondern auch in gewisser Weise verstehen und nachfühlen kann, denn ich vermute mal, sonst wirds schwierig… Ich weiss, dass ich an meinen Problemen arbeiten muss, und das tue ich auch. Aber ich weiss auch, dass mich die Probleme vermutlich noch eine Weile begleiten werden, und ich somit nicht einfach auf „Reset“ klicken kann, und alles wird super.
  • Was ich auch fest stellen musste ist, dass ich Schwierigkeiten habe damit, wenn ein Mann alles in sich hinein frisst, oder wenn er generell nicht fähig ist, über Gefühle (im Guten wie im Schlechten) zu reden. Ich muss manchmal hören können, dass man mich schätzt, ich brauche jemanden, der seine Probleme artikulieren kann und ich mag es, zu hören/lesen wie sich mein gegenüber gerade fühlt. Vielleicht ist das eine sehr weibliche Eigenschaft, die im Normalfall schwer zu finden ist in der Männerwelt, aber… Ich brauche das zur Zeit irgendwie… (lasst uns hoffen, dass es den Märchenprinzen gibt, der dies kann…)
  • Leider neige ich dazu, sehr lethargisch zu sein, introvertiert und vor allen Dingen ein Couch-Potato… Keine gute Voraussetzung für eine Beziehung. Ich bin aber auch begeisterungsfähig – somit brauche ich jemanden, der mich ab und an mal aus der Reserve locken kann, denn ich glaube, eine Beziehung kann langfristig nur funktionieren, wenn gemeinsame Hobbies oder Erlebnisse existieren, die wie ein Kit zwischen den beiden sind, und auf die man gemeinsam zurück blicken kann.
  • Ich bin ein ziemlich toleranter Mensch auch wenn das hier vielleicht manchmal ganz schön untergeht bei so viel Lästerei. Ich glaube, man kann eine Person nicht ändern, sondern sollte mit ihr so leben können, wie sie ist. Wenn die Person dann Schritte auf einen zu macht, umso besser. Wenn man diese allerdings einfordert, glaube ich nicht, dass dies klappt. Somit hoffe ich, einen Partner zu finden, der mich genauso stehen lassen kann und akzeptiert wie ich ihn auch versuche genau so hin zu nehmen wie er ist.
  • Als letztes, mir sehr wichtiges Kriterium sollte der Mann keine Kinder (mehr) wollen. Denn leider habe ich s so garnicht mit Kindern. Ich habe oft zu wenig Geduld für sie, bin vielfach überfordert mit denen, die ich als Lehrerin habe und es gibt einen guten Grund, warum ich mir die Teenager ausgesucht habe, statt den kleineren: Ich kann einfach nicht mit den Kleinen umgehen ^^ Somit wäre es nicht sehr geschickt von mir, Kinder in die Welt zu stellen, denn die ersten ca 12 Jahre sollten die dann besser von meinem Partner erzogen werden und mich garnicht erst kennen lernen ^^ Spass bei Seite: ich möchte einfach die Verantwortung über eigene Kinder nicht wahrnehmen müssen.

Sooo… meine Liste ist, wie anzunehmen war, ganz schön lang und meiner Meinung nach auch recht ausführlich. Es ist auch eine sehr anspruchsvolle Liste. Nur irgendwie glaube ich, dass ich ein Mensch bin, der wirklich einiges abverlangt von meinem Gegenüber, und das bedingt vermutlich eine ziemlich spezielle Persönlichkeit, die vermutlich auch schon einiges gesehen und erlebt hat in ihrem Leben…

Ob ich die finden werde? Wer weiss… ich hoffe…

8 Antworten

  1. Patrick H.
    | Antworten

    Ich finde es großartig, wie Du Dich damit auseinandersetzt. Wenn Du weist wo Du stehst und was Dir wichtig ist, macht es die Sache natürlich einfacher.
    Leider sind Männer, wenn sie dann plötzlich da sind in der Regel weder 100& ehrlich, noch ist da eine Betriebsanleitung dabei (habe ich im Übrigen bei Frauen auch immer vermisst) 😉
    Ach und dann war da noch das Ding mit der Realität, die dann doch wieder ganz anders aussieht (im Nachhinein betrachtet)…

    Eine Weisheit sagt: „Nur wenn Du weisst, wo Du stehst, kannst Du Dein Ziel erreichen“.
    Also: Startschuss 🙂

    Liebe Grüße aus Hamburg
    Patrick

    https://issoundnichtanders.wordpress.com

    • lyrenorva
      | Antworten

      Jaaa leider hat das was… Die Bedienungsanleitung für Frauen und Männer wäre toll… Da gibts ja aber schon sooo viele Versuche von: „So wirst du erkennen was er will“ über „Die perfekte Liebhaberin“ bis hin zu „7Dinge an denen du erkennst…“ (das selbe natürlich auch für männer…) aber irgendwie scheint das alles wenig zu bringen, denn offenbar tickt da jeder anders… 😉
      Ich vermute mal, wenn ich iiirgendwann mal selbst verstanden habe, wie ich funktioniere, werde ich mal einen Versuch einer Bedienungsanleitung von mir selbst wagen 😉 😉

  2. Sólveig
    | Antworten

    Himmel! Deine Liste könnte von dir sein. Ich finde mich in so einigem wieder das du schreibst.
    Ich weiß, dass ich mit Kindern total überfordert wäre. Es gibt Borderliner die unbedingt Kinder wollen, ich halte das allerdings für sehr riskant (für Mutter und Kind). Ich würde meine Muster nicht weiter geben wollen.

    • lyrenorva
      | Antworten

      Nicht nur die muster… Auch das egoistische, dass ich es ja nur hätte, damit ich eine person in meinem leben wüsste, die mich immer und ohne mich zu hinterfragen, anbeten würde… Um dann heraus zu finden, dass dies maximal die ersten 3jahre zutrifft. Sobald es eine eigene persönlichkeit entwickelt betet es mich ja nicht mehr an… Also fail… 😉 darum besser keine kinder

      • Sólveig
        | Antworten

        Ich kenne leider einen Fall wo genau dsa was du beschreibst passiert ist. :-/ Mir tut das Kind leid.

        • lyrenorva
          | Antworten

          Ich war selbst so ein kind. Und meine mutter versteht immernoch nicht, dass vieles von dem, was ich nun durchlebe, auf grund von ihr (und meinem vater) passierte… Sie weist schuld von sich, will nicht sehen und kann es vermutlich auch nicht (schutzmechanismus ftw…) aber es machts mir nicht ganz leicht, mit ihr im kontakt zu bleiben. Vorläufig hilft bloss meiden.

          • Sólveig
            |

            Willkommen in meiner Welt 😉
            Nur dass es bei mir auch noch meine Großmutter war (bei ihr bin ich aufgewachsen). Sie hat ihre Klatsche an meine Mutter weiter gegeben und diese dann auf gewisse Art an mich. Mit zwei so Menschen zusammen zu sein war extrem toxisch für mich. Ich finde es schade, dass sie nicht in der Lage ist zu sehen was da passiert ist. Es liegt ja noch nicht mal ein echter Vorwurf darin. Menschen handeln oft weil sie es einfach nicht besser wissen und können. :-/ Ich glaube aber, würden sich unsere Mütter damit befassen und es „sehen“, dann hätten sie sehr schlimme Schuldgefühle. Und die können manche Menschen kaum aushalten.

          • lyrenorva
            |

            Ich dachte mir, dass du da wohl „Schwester im Geiste“ bist auf die eine oder andere Art… Ja toxisch ist ein gutes Wort.. Leider sehe ich das auch so… Ich kenne zur Zeit keinen besseren Weg, als dass ich halt leider den Kontakt zu meiner Mutter komplett abbrach. Vielleicht kann ich ihr ja eines Tages wieder ohne „Probleme“ begegnen.. wer weiss… Ich hoffe, bei dir geht das auch irgendwann. Wie du sagst: eigentlich können die nichts dafür, es war für sie genau so ein Schutzreflex wie für uns auch. Dennoch muss ich gestehen, dass ich manchmal ganzschön wütend bin auf sie und ihre Ignoranz (dass sie glaubt, dass sie eine super Mutter war und alles richtig gemacht hätte…) aber das ist ein anderes Thema 😉

Bitte hinterlasse eine Antwort