Beziehungsunfähig!?

Beziehungsunfähig!?

eingetragen in: Borderline Akzente, Nachdenkliches | 6

So, nun hat mir meine Therapeutin unmissverständlich klar gemacht, dass ich beziehungsunfähig bin. Grund? Meine momentane Beziehung.

Da bin ich nun also in einer Beziehung mit einem Menschen, der mir so viel gibt wie noch nie zuvor jemand gab. Nur leider happert es an der Zeit, die wir zusammen verbringen können. Ich kann mich glücklich schätzen, diese Person einmal pro Woche für ein paar Stunden zu sehen. Da es mir zur Zeit nicht wahnsinnig gut geht, wünschte ich mir öfters, dass wir etwas mehr Zeit hätten, die wir gemeinsam verbringen könnten und habe deshalb angefangen, Überlegungen anzustellen, wie dies gehen könnte.
Erzählte ich dies meiner Therapeutin, sprang diese beinahe in die Luft und wollte mir direkt und sooofoort davon abraten, diese Überlegungen weiter zu verfolgen. Denn, ich würde nie zufrieden sein mit der Häufigkeit, wie oft ich ihn sehen würde. Ich würde mich zusehr auf ihm abstützen und ich würde mein Glück von ihm abhängig machen. Ja, vielleicht hat dies teilweise etwas Wahres an sich. Ich denke, dass ich lernen muss, mir selbst meinen Halt zu geben, statt diesen zu externalisieren. Aber dennoch: ist was einzuwenden dagegen, dass ich meinen Freund öfters sehen möchte und darum versuche, Mittel und Wege zu finden, dies zu ermöglichen?? Vielleicht eine Projektion ihrer Vergangenheit und Erfahrung in mein Leben? Naja, ich werde es vielleicht sehen, ob sie Recht behielt… vielleicht auch nicht, wer weiss…?

Um das Ganze jedoch perfekt zu machen, hat sie noch einen oben drauf gesetzt: sie meint, dass mein Selbsthass mich dazu bringen würde, dass ich nie eine Beziehung halten könne, denn solange ich abhängig sei von anderen, würden diese so sehr unter Druck stehen, dass ich diese immer überfordern würde und sie mich über kurz oder lang im Stich liessen. Möglich. Kann sein. Aber warum sagt man sowas so direkt? Und warum sagt man sowas so direkt, genau in dem Moment, wo ich erkläre, dass ich Möglichkeiten suche, die Person mehr als einmal wöchentlich zu treffen? Ist das echt so schlimm? Ich bin verwirrt.

Ich habe weder vor, die Person täglich zu drangsalieren und wo möglich auf Arbeit zu besuchen, meine Zahnbürste bei ihm wohnen zu lassen und am besten meine eigene Wohnung gleich zu kündigen und bei ihm einzuziehen, noch habe ich vor, ihn zu bedrängen… aber vielleicht tue ich das bereits dadurch und ich schnall das nicht? Ich bin ja beziehungsunfähig.

Und dann laufe ich aus der Therapie und sehe Paare, die sich streiten, weil sie sich einen Abend nicht gesehen haben, und sie einen gaaaaanzen Abend auf ihren Partner verzichten mussten (das Schicksal ist ja so hart, echt)… Bei der Tanke angekommen war eine am Telefon und beschwerte sich, dass ihr Freund nun doch ne Stunde später erst heim komme. Bah, echt? Eine Stunde warten und dann hast du ihn dafür den ganzen Abend? … aber ja, ich bin Beziehungsunfähig, ich will ja meinen Freund drangsalieren, in die Enge treiben und am besten Verschäuchen, weil ich mich selber hasse und ihn mehr als einmal pro Woche sehen will, weil mir das ein paar Stunden gibt, in denen ich mich mal lieben kann, mich mag wie ich bin…

Hach ja, ist das Leben nicht wunderbar? Ich liebe es, wenn Therapeutinnen von sich auf andere schliessen und mir einen Stempel aufdrücken, bevor sie mich ausreden liessen. -.-

6 Antworten

  1. Sólveig
    | Antworten

    Deine Therapeutin ist komisch. Was sie tut wirkt wenig lösungsorientiert. :-/

    • lyrenorva
      | Antworten

      Normal ist sie ganz anders. Mitlerweile haben wir das auch geklärt: sie meinte nicht, dass ich beziehungsunfähig bin, sondern dass es wohl schwierig ist für mich, beziehungen einzugehen ohne mich komplett zu verlieren und die identität meines gegenübers anzunehmen..

      • Sólveig
        | Antworten

        Na ja, aber das ist ja ein klassisches Borderline-Problem, nicht? 🙂 Es freut mich, dass es nur ein Missverständnis war. Ich glaube, es ist ja gerade die Kunst eine Balance in der Beziehung zu finden, bei der man den anderen zwar Zuwendung gibt, sich selbst aber trotzdem behält. Ganz besonders in der Anfangsphase.

        • lyrenorva
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          Ja das stimmt… Wenn man da aber sein ganzes wesen an eine person knüpft, von anfang an und absolut, dann tut es umso mehr weh, wenn man merken muss, dass es nach 3wochen in die brüche geht… Es wäre also durchaus sinnvoll, das regulieren zu können, mit momenten der Einsamkeit umzugehen und eben nicht komplett abhängig zu sein von anderen

          • Sólveig
            |

            Da stimme ich dir absolut zu. Ich glaube, gerade in der Idealisierungsphase ist man sehr geneigt sich zu übernehmen und zu übergehen. Inzwischen, wenn ich merke, dass ich jemanden idealisiere, mache ich einen Schritt zurück, aus der Verbindung heraus, egal ob Freundschaft oder Liebesbeziehung. Ich weiß genau, dass es nur enttäuscht werden kann. Geht nicht immer gut aber hilft gegen allzu große Abstürze.

          • lyrenorva
            |

            Es ist ein prozess… Ich arbeite dran, mal mehr mal weniger, je nach ressourcen… Aber ich hoffe, den punkt auch immer mehr zu erreichen, dass ich merke, wenn ich idealisiere. Ich glaube ich bin da auch schon deurlich weiter als vor 2 jahren…

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