„bitte haben Sie noch ein wenig Geduld…“

„bitte haben Sie noch ein wenig Geduld…“

eingetragen in: Nachdenkliches, Telenovela | 2

Ein ganzes Wochenende habe ich damit verbracht, mein verletztes Herz in den Hintergrund zu stellen, zu schreiben und immer wieder neu zu formulieren. Meine ganzen Ressourcen gingen drauf, die richtigen Worte für Eindrücke, Emotionen und Erlebnisse zu finden, ohne Etienne (um den es hier die ganze Zeit schon geht) zu sehr in Bedrängnis zu bringen, ihn zu nerven oder ihm etwas auf zu erlegen, was er nicht hören kann/will. Ich hatte zu tun, war abgelenkt, hatte einen „Kampf“ zu führen, den Kampf um Worte und den Kampf mit Wörtern.

Eine letzte Reinschrift, ein Umschlag und eine Adresse, und die Verantwortung war aus den Händen gegeben. Plötzlich entscheide ich nicht mehr, was passiert, denn alles was ich tun konnte, war getan. Nun heisst es Abwarten. Abwarten, bis die Post ihm den Brief zustellt, abwarten, bis er ihn liest, abwarten, bis er sich seine Gedanken gemacht hat und hoffen, dass er überhaupt reagieren wird.

Seit dem Tag, an dem ich den Brief aufgab, bin ich von einer Leere heim gesucht, die mich langsam auffrisst. Es scheint ganz so, als hätte die Aktivität übers Wochenende dazu geführt, dass ich in der Zeit wenigstens abgelenkt war, etwas tun konnte und das Gefühl hatte, Einfluss auf die Situation zu nehmen.

Und jetzt? Ja, jetzt heisst es, abwarten. Und hoffen. Und dieses Gefühl, nichts mehr tun zu können, als einfach nur warten… es frisst mich auf. Es lässt mich irgendwie total leblos werden, hilflos und klein. Vorbei ist es mit der quirrligen, aufgestellten Frau, die lebensfroh über die Stränge shoppt oder mit Kollegen und Freunden lustige Tage verbringt… Ich sitze daheim, ich hasse Kochen leider nach wie vor, sorry an den Verfasser von Schmankerlblog – so sehr deine Gerichte total lecker aussehen und ich sie sofort essen würde, wenn sie vor mir stünden, ich krieg mich nicht dazu, das gerade selber zu probieren.

Denn ich befinde mich gerade in der Warteschleife: „Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld, unsere Leitungen sind zur Zeit alle Besetzt, wir bedienen Sie so bald als möglich. … Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld…“ Baaaah, echt jetzt? Ich bin die Ungeduld in Person, macht doch sowas nicht mit mir!

Nun komme ich mir erst recht vor wie in einem Hollywoodstreifen: die Hauptdarstellerin sitzt nun weinend und Eis-fressend (sorry, aber von gesittetem und gediegenem Essen kann hier nicht die Rede sein) auf der Couch, bewegt sich nur, wenn sie muss, kriegt ihren Tag-Nacht-Rhythmus total durcheinander, baut einen Berg aus Taschentüchern und über kurz oder lang wird sie entweder in dieser Taschentuchlawine ersticken oder der heldenhafte Retter mit seinem scheiss Gaul, oder eben seinem Hund, kommt ihr zu Hilfe und rettet sie in letzter Sekunde, grosse Filmmusik, tiefe Blicke, Happy Ever After… Jaja, Hollywood forever… Richtiger Kitsch hier, den so langsam aber sicher keiner meiner Freunde mehr nachvollziehen kann, denn eigentlich leide ich schon viel zu lange unter dieser Beziehung/Affäre/Ex-Beziehung/Freundschaft/flüchtigen Bekanntschaft… wie auch immer der Status gerade ist. Wir nennen es mal passend „es ist kompliziert“ und belassen es dabei.

Blöder weise kann ich einfach nichts an meinen Gefühlen für diesen Mann tun, denn er hat mein Herz erobert, obschon ich eigentlich von Anfang an wusste, dass es schwierig würde und vermutlich genau so enden würde. Aber ich kann es einfach noch nicht aufgeben. Nicht, solange noch ein kleiner Funke der Hoffnung besteht, nicht, solange ich alles, was ich sehe mit ihm in Verbindung bringe und immerzu an ihn denke. Nicht, solange ich immer, wenn eine neue Nachricht auf meinem Handy erscheint erst einmal hoffe, es wäre eine Nachricht von ihm, nur um darauf hin zu merken, dass er mich ja gesperrt hat, und ich somit sicher nichts von ihm hören würde, dann etwas deprimiert sehe, dass es eine Freundin oder so ist, oder gar einfach nur die Benachrichtigung, dass eine Mail rein kam (die dann aber natürlich auch nicht von einer Person stammt, sondern eher von Herrn Spam) und ich mein Handy langsam verfluche. Vielleicht, zu dem Zeitpunkt, wo ich meine SIM Karte endlich wieder erhalte (was ja eine Horrorstory in 3 Akten für sich ist), sehe ich gar keinen Verwendungszweck mehr dafür.

Ja, wie ihr seht, ich suhle mich gerade sehr gerne darin, dass es mir einfach gerade miserabel geht und ich Etienne einfach endlos vermisse. Wenn jemand den Schalter gefunden hat, mit dem man auf einen Schlag diese Probleme los ist, bitte melden, ich hätte den glaube ich gerade gerne …

Bis dahin, hoffen, warten, und mich von euren Blogs ablenken lassen. Vielen Dank für eure tollen Beiträge 🙂

2 Antworten

  1. Patrick H.
    | Antworten

    Halte durch liebe Lyren 😉 Nach Regen kommt Sonne ☀️

    • LyrenOrva
      | Antworten

      Danke, ich geb mir mühe… 🙂

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