Oft werde ich gefragt, was ich denn mit all der vielen Zeit tue, die mir nun zur Verfügung steht… Es ist wahr: ich habe echt unmengen von Zeit! 24 Stunden, 7 Tage die Woche… Gerade zu Anfang konnte ich jedoch überhaupt nichts anderes tun, als manchmal den ganzen Tag in meinem Bett zu liegen oder vielleicht mal umzusatteln auf die Couch. Jeder Schritt war träge, ich war kraftlos und matt. Ich sah oft auch einfach keinen Sinn mehr darin, irgendwas zu tun, denn ich fühlte mich, als hätte ich ohnehin schon komplett versagt. Manchmal war und ist es auch so, dass ich, um auf Toilette zu gehen, 3 Stunden benötige, von dem Zeitpunkt, wo ich das Bett verlasse, bis ich da wieder drin liege: Ich schaffe es, aus dem Bett aufzustehen und einige Schritte zu gehen, bevor ich  mich total ko wieder hinlegen muss (auf den Boden) um einige Minuten zu schlafen, bevor ich die nächsten paar Schritte in Angriff nehmen kann… In den Zeiten, wo es mir gut geht, ist es mir ein Rätsel, wie das überhaupt ging.

Enorm Kräftezehrend sind auch die Stimmungsschwankungen: eine Minute fühle ich mich einigermassen gut, glaube, wieder Fuss fassen zu können, die nächste Minute passiert irgendetwas noch so kleines, und ich fühlte mich belanglos, klein, nutzlos und wertlos. Ich traf und treffe regelmässig Freunde, das habe ich nie vernachlässigt, denn ich weiss, wie wichtig es ist, sich mit Menschen zu umgeben, das gibt mir auch enorm viel. Zuhause angekommen bin ich aber dann manchmal so ko, dass ich einfach nur auf mein Sofa falle und einnicke oder im extremfall sitze ich da, starrte die Wand an und kann mich nicht aufraffen, irgendwas an diesem Zustand zu ändern. Ich versuchte eine Zeit lang, wieder etwas zu basteln, merkte aber schnell, dass mich das nicht wirklich erfüllte, denn ich tat es nur um anderen zu gefallen, ihnen etwas zu schenken… Wenn dann jemand nicht absolut euphorisch reagierte, glaubte ich, versagt zu haben, wenn jemand euphorisch reagierte, glaubte ich, die Person wollte mir bloss das Gefühl geben, dass ich etwas tolles gemacht hätte, und fühlte mich ebenfalls mies… wie man es machte, man machte es verkehrt…

In letzter Zeit ist nun allerdings interessanterweise etwas geschehen, was umso lustiger ist, wenn man bedenkt, dass ich ja eben eigentlich 24Stunden, 7 Tage die Woche Zeit habe: Ich habe keine Zeit! Es fühlt sich ungewohnt an, plötzlich so viele Dinge zu haben, die man machen möchte und nicht mehr zu wissen, wann man diese überhaupt mal angehen soll.

Da wäre das Programmieren: auch wenn ich kläglich versagt habe beim Studium (Aber mal ganz ehrlich, wer geht schon völlig ohne Vorwissen studieren? ^^) lässt mich das Coden trotzdem nicht los und ich habe mich somit für einige Onlinekurse angemeldet, die ich nun iiiirgendwann machen möchte.

Weiter geht es mit diversen anderen Online Kursen in den Bereichen Digital-Marketing, Netzwerksicherheit und Umgang mit Illustrator von Adobe, damit ich irgendwann tolle Logos zeichnen, Webseiten vermarkten und diese auch sicher gestalten kann.

Ja, und dann wären da die konkreten Projekte: Eine Webseite erstellen für einen Kumpel, dem ich nicht nur die Webseite erstelle sondern auch noch gleich Bilder schoss und bearbeitete, Ein Logo zeichnete und eine Facebookseite half, aufzubauen. Zudem half ich beim Lektoring und der Textegestaltung im Allgemeinen. Es macht viel Spass, sowas zu tun, aber das kostete mich nun bestimmt 4 Wochen Arbeit.

Auf ähnliche Weise kamen so auch noch zwei weitere Webseiten zu Stande, Logos und Bilder inklusive.

Es ist echt toll, etwas zu tun, das man kann und in dem man gut ist und das eigentlich echt zielführend ist. Dennoch merke ich, wie mich das zeitenweise auch echt auslaugen kann, da ich die Projekte immer gerne gleich abschliessen würde aber das halt manchmal einfach nicht geht. Hürden und Stolpersteine stellen sich in den Weg, die Motivation geht spazieren und scheint sich dabei verlaufen zu haben, das nächste Tief kommt auf mich zu und zieht mich wieder in den Abgrund.

Erst da merke ich dann wieder, wie viel ich mir wieder mal aufgebürdet habe (nebst dem ich ja noch meinen Instagram Account pflege, der mich ca 2-3 Stunden Zeit pro Tag kostet) und wie wenig Ruhephasen ich mir gönne. Abschalten? Fehlanzeige. So lebe ich in einem stetigen Auf und Ab der Gefühle, der Kraft und der Motivation, des Selbstwertes und der Selbstachtung.

Fazit: man schafft es locker, 24 Stunden rum zu kriegen, ohne dass man arbeiten geht. Sich zu entspannen, nichts zu tun, zu sich zu finden und zu genesen ist deutlich herausfordernder als nen Tag zu füllen mit Programm. 😉