Datingdisaster oder: wie man es NICHT tun sollte…

Die Leere, nachdem ich den Kontaktabbruch vollzog war überwältigend und so ist es nicht verwunderlich, dass ich einmal mehr versuchte, darüber hinweg zu täuschen, wie es mir geht, indem ich mir für fast jeden Abend Dates suchte. Hauptsache Ablenkung, Hauptsache nicht allein sein, Hauptsache irgendwie Beachtung erhalten, egal was ich für einen Preis bezahlen musste.

Es war Sonntag Abend, und es regnete in Strömen. Ich richtete mich im Nu her, denn lediglich 2 Minuten vorher habe ich erfahren, dass ich ein Date am Start hatte – in 45 Minuten. Da mein Anfahrtsweg 40Minuten dauerte, hatte ich also im Eiltempo zu schaffen, mich von nicht präsentierbarem Neandertaler in einen Menschen zu verwandeln, der es wenigstens halbwegs verdient hat, dass man ihm einen Abend seiner Zeit schenkt. Nunja, ich brauchte 10 Minuten für alles, aber das war immernoch sehr wenig Zeit ^^

Durch den Regen watend bewegte ich mich von meinem Parkplatz zum Verabredungsort, und hoffte, da den Mann zu finden. Da alles so schnell gehen musste voerhin, wusste ich ehrlich gesagt gerade mal noch seinen Namen aber hatte keine Ahnung mehr, wie er aussah, was er für Hobbies hatte oder sonstiges. Eigentlich hatte ich ja gehofft, gut durch den Verkehr zu kommen und etwas frühzeitiger dran zu sein, damit ich eben die Zeit noch gehabt hätte, um das alles nochmals zu überprüfen. Leider weit gefehlt – ich war ja bereits 5 Minuten zu spät. Kurz vor dem vereinbarten Treffpunkt traf ich dann auf den Mann: er stand allein da, schaute sich um, starrte ab und an gelangweilt auf sein Handy… Ich ging auf ihn zu, schaute ihn an und bemerkte, wie er sich von seinem Handy löste – begrüsste ihn also mit den in der Schweiz obligaten drei Küsschen. „Hey, na wollen wir los? Ganz schön regnerisch…“. Nun grinste er mich an und meinte: „Ja, das stimmt. Der Regen ist echt ätzend. Allerdings, sorry, ich gehe gleich los… aber nicht mit dir, da drüben kommt meine Freundin…“

Welch eine Blamage!! Ich wäre am liebsten in Grund und Boden versunken. Wow, die Zeit hätte ich mir wohl doch besser noch nehmen sollen, um zu prüfen, wie mein Date aussieht ^^ Ich entschuldigte mich stammelnd bei ihm und lief gesenkten und hoch roten Kopfes weiter, und hoffte, dass er mich so schnell wie möglich wieder vergass und ich ihn ebenfalls bald vergessen würde (natürlich geschieht das nicht so einfach – peinliche Situationen brennen sich bei mir ein und ich werde sie nie mehr los ) ^^ Wenigstens regnete es, und es war dunkel – es hat also vermutlich keine Zeugen gegeben für diese furchtbar peinliche Situation.

Das Handy in der Hand und am vereinbarten Treffpunkt angelangt nahm ich mir die Zeit (da ich niemanden sah, der aussah als wäre er allein und würde auf mich warten) um nochmals kurz die Eckdaten zu checken: Ben, aus der Umgebung wo wir uns trafen, war Autofan und Banker von Beruf. Ok, das konnte ich mir merken. Ein Blick auf das Bild erhascht, schaute ich mich nochmals um, und sah ihn dann, in einer Ecke stehend und vor sich auf seine Füsse schauend im Regen stehen. Das Bild und das Original nochmals überprüfend lief ich zu ihm und war sehr erleichtert, als ich erkannte, dass ich diesmal den Richtigen vor mir hatte.

Der Abend war geprägt durch viele Pausen, die ich aber nicht aushielt. Gesprächspausen veranlassen mich dazu, selbst einfach vor mich hin zu brabbeln, Hauptsache es gab da keine Stille. So liess ich ihn den ganzen Abend über selten zu Wort kommen und wusste wenig mehr über ihn, als wir aus der Bar heraus liefen, als bevor wir uns trafen.

Es regnete noch immer in Strömen. So trotteten wir also mit unseren Schirmen nebeneinander her, schwiegen oder hatten kurze Gespräche, bis er mich plötzlich in den Arm nahm. Ich war in dem Moment so enorm perplex, dass ich gar nicht wusste, was ich tun sollte oder wie mir geschah. Also liess ich es einfach zu, war aber wenig berührt durch die Geste… Reden würde helfen, ich weiss. Ohne, dass ich sage, dass es mir nicht passt, kann man es auch nicht verändern… aber ich war einfach zu perplex, stand irgendwie neben mir und da war auch wieder die tolle Stimme, mein verhasster Freund: „Tja, wenn du dich auf Dates einlässt, dann musst du damit rechnen, dass genau das passiert! Selbst schuld Mädel, nun lass ihm wenigstens den Spass, er hats verdient, nachdem er dich nen Abend lang ausgehalten hat.“ Es kam mir garnicht in den Sinn, dass ich das Recht hätte, mich zu wehren oder zu sagen, dass ich das nicht möchte, mir das zu schnell ging oder so… Mir war in meiner verdrehten Logik in dem Moment klar, dass es unausweichlich sein Recht und meine Pflicht war, ihm zu geben was er wollte. Da kam dann auch schon der erste Kuss – noch während ich in meinen ganzen Gedankenkonstrukten gefangen war und noch immer total neben mir stand. Der anfänglich noch sanfte und fast schon einfühlsame Kuss entwickelte sich zu einem „hey ich beweise dir wie lange meine Zunge ist und stecke sie dir mal in den Rachen“ Kuss der Extraklasse. Somit war ich die nächsten paar Minuten damit beschäftigt, seine Zunge aus meinem Mund zu kriegen und wieder in seinen zurück zu pferchen, um dann meine Zähne zusammen zu beissen, damit er nicht nochmals bis in meinen Rachen vorrückte. (Offenbar liess ich mir doch nicht alles gefallen…) Verzweifelt versuchte ich, mich aus der Situation irgendwie heraus zu reissen, nur um zu hören von ihm, dass er mich nun am liebsten in seinem Auto mitnehmen und zuhause vernaschen würde… „Siehst du, das hast du davon: Dates geht man einfach nicht ein. Abgesehen davon: wer bist du schon? Glaubst du echt du hast was anderes verdient? Und überhaupt, was ist dein Körper schon wert? Gib ihm was er verdient, dann gibt er Ruhe. Und wenn nicht, dann musst du da halt nun durch, denn das ist alles deine Schuld!“ Es mag absurd klingen, aber ich hatte nicht die Weitsicht in dem Moment zu erkennen, wie schräg und falsch die Aussagen der fiesen, inneren Stimme waren. Ich schenkte ihr Glauben und hätte der Typ nun ernsthaft die Forderung gestellt, statt sie im Konjunktiv stehen zu lassen, wäre ich mit, hätte mich der Situation ergeben und gehofft, dass sie bald vorbei wäre.

Zu meinem Glück musste er am nächsten Morgen arbeiten und hatte eine wichtige Prüfung und musste somit nachhause. Ich war befreit, konnte heim, musste keine Möglichkeiten und Wege finden, mich zur Wehr zu setzen und musste nicht weitere unangenehme Situationen über mich ergehen lassen. Immernoch total neben mir stehend, trottete ich zu meinem Auto. Mir war kalt. Ich hatte Kopfschmerzen und doch fühlte ich mich erstaunlich weit entfernt von meinem Körper, war also einmal mehr dissoziiert. Es fühlt sich dann an, als würde ich mich nur noch waage daran erinnern, wie es ist, einen Körper zu haben, aber eigentlich keinen mehr zu besitzen. Eine Mischung aus Leichtigkeit, Leere, Gefühllosigkeit und unbewusster Verkrampfung vom ganzen Körper.

Eine Antwort

  1. LyrenOrva
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    Thank you for your response! Maybe you could just follow my tag „telenovela“? that way you could see all posts related to this one…?

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