Diagnosen und ihre Auswirkungen

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Ich habe oft immense Kopfschmerzen. Ärzte haben diese noch nicht ergründet aber Migräne wurde ausgeschlossen. Wenn ich also Kopfschmerzen habe, diese mich beinahe in die Knie zwingen und ich mir wünschte, den Kopf abschrauben, und einen Neuen drauf schrauben zu können, so kann ich den Mitmenschen trotzdem bloss sagen: „Ich habe Kopfschmerzen.“ Diese wiederum reagieren dann, wie ich vermutlich anderen gegenüber auch reagieren würde; sie zucken mit den Schultern und sagen: „Ach das geht sicher bald wieder vorbei.“ Im besten Falle stellen sie mir noch eine Flasche Wasser hin.

In ihrem Kopf ruft das Wort „Kopfschmerz“ vermutlich Erinnerungen wach an schwache Kopfschmerzen, die man durchaus aushalten kann, indem man viel trinkt, sich etwas ausruht oder ablenkt. So sehr ich dies ja verstehe, so ist es bei mir echt nicht ein aushaltbarer Schmerz und folglich muss ich mich oft genug zusammen reissen, meine Mitmenschen nicht anzubrüllen, dass ich verdammt nochmals auf die neunmalklugen Kommentare verzichten kann, sie mir besser eine Schmerztablette geben sollten und die Rolläden runter lassen würden. Ich habe eines Tages dann angefangen zu sagen, dass ich „Migräne“ hätte, auch wenn ich weiss, dass dies nicht stimmt. Verblüffender weise reagieren die Mitmenschen dann sofort total verständnisvoll und fragen, ob ich nach Hause gehen möchte, ob ich bereits etwas eingenommen hätte gegen die Schmerzen und so weiter. Ich fühle mich schlecht allen Menschen gegenüber, die wirklich Migräne haben, aber ich weiss mir wirklich nicht anders zu helfen, um Mitmenschen klar zu machen, dass mein Schmerz nicht mit einem Glas Wasser abgetan ist.

Genau so verhält es sich mit vielen Diagnosen. Bin ich „depressiv“, so ist das nicht schlimm, denn: „das sind doch alle mal“. Aber habe ich Krebs oder bin ich diagnostiziert mit „multipler Persönlichkeitsstörung“ so gelte ich als schwer krank, gar unheilbar und plötzlich wird man von vielen fast wieder zu sanft angefasst.

Statt in solchen Mustern und Schubladen zu denken… wäre es nicht besser, die Person zu fragen, wie stark denn die Kopfschmerzen sind oder was man meint mit einer Depression? So könnte sich eine Person ernst genommen fühlen und könnte, statt zu lügen, mit der Wahrheit ans Ziel kommen… Naja, nur so ein Gedanke, der einem halt durch den Kopf huscht, wenn man einmal mehr mit Kopfschmerzen im Bett liegt und weder schlafen, noch liegen noch stehen kann und um die Uhrzeit sowieso keiner mehr wach ist zur Unterhaltung ausser der eigene Kopf. 😉 In diesem Sinne wünschen mein Kopf und ich allen eine gute Nacht ^.^

2 Antworten

  1. Patrick H.
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    Interesse und Mitgefühl sind kein Mittel um sich zu profilieren.
    Ich habe selbst das Gefühl, dass diese halbseidenen Tipps eher dazu dienen, dass Dein Gegenüber sich später selbst auf die Schulter klopfen kann, weil er oder sie Es waren, der Dir geholfen hat.
    Anmaßend finde ich es, wenn man bereit diverse Ärzte und Wunderheiler kontaktiert hat und dann jemand, der gar nicht genau un das Krankheits-oder Schnerzbild weiss, glaubt mehr oder weniger im Vorbeigehen das Allheilmittel zu wissen.
    Ein simples „Aha“ reicht ja in der Regel damit sie selbstgefällig und zufrieden weiterziehen 🙂
    Ich habe aber den ultimativen Kopfschmerztipp für Dich: (war n Scherz).

    Ich wünsche dir, dass diese Schmerzen dich nicht mehr allzu oft heimsuchen und du vorher genug kraft sammeln konntest, sie auszuhalten. Mit Deiner Bekannten hat es ja auch geklappt 🙂
    Liebe Grüße aus Hamburg
    Patrick

  2. lyrenorva
    | Antworten

    Ja damit hast du vermutlich total ins Schwarze getroffen. Viele Menschen wünschen sich ja, in ihrem Leben mehr zu erreichen als „nur“ einer unter 5000 Mitarbeiter einer Firma zu sein, der seinen Job mittelmässig erledigt und zuhause ein mittelmässiger Ehemann/eine mittelmässige Ehefrau ist, durchschnittlich gut für Kinder sorgt, und ein durchschnittlich guter Kumpel ist.
    Gerade bei Männern beobachte ich zudem oft, wie sie einen eine Lösung präsentieren wollen, und es als eigenes Versagen sehen, wenn sie das nicht tun können. Darum besser das Problem runter spielen und tun als wäre es nicht so schlimm, als sich einzugestehen, dass man keine Ahnung hat, wie man es lösen könnte?
    Andererseits ist das Verhalten von Frauen, alles minutiös durch zu besprechen und sich immer und immer wieder im Kreis um ein Problem zu drehen, vielleicht genau so kontraproduktiv, da meine Kopfschmerzen von der Unterhaltung darüber sicherlich nicht weniger werden ^^ Und meine Depression vermutlich auch nicht, allerdings tut es dort gut, nicht unter den Tisch gekehrt zu werden, sondern ernst genommen zu sein. 😉

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