Die Stimme

Die Stimme

eingetragen in: Borderline Akzente, Nachdenkliches | 6

Hitze, Sonne, Sonnenbad am See.. Genuss pur.

Wärme erfüllt mich, Licht dringt zu mir durch… und dann kommt da, trotz wolkenlosem Himmel, trotz gleissend hellem Tag und trotz wunderschöner Atmosphäre um mich herum, einfach wieder einmal mehr die Wehmut, das Vermissen, die fiese Leere, die nicht anklopft, sondern mit der Tür ins Haus fällt, alles nieder reisst und mein sorgsam aufgebautes, wenn auch labiles Leben im Nu wieder in Schutt und Asche vor mir liegt.

Von Hilflosigkeit und Trauer erfüllt, schwermütig und leer, zermürbt und am Boden zerstört sehe ich mein Leben wieder in Frage gestellt, wo es vor kurzem noch so viel Sinn zu ergeben schien. War ich doch für jemanden wichtig, konnte ich doch für ihn da sein… und dann kam die Stimme, die mir einmal mehr aufzeigte, wie sehr ich mich da in etwas verfransen würde: „Du bist ihm nichts wert kleines Fräulein, du kannst ihm niemals geben was er braucht! Schau dich an, was bist du schon? Ein Nichts!“ zu argumentieren bringt nichts, die Stimme lässt sich nicht in die Enge treiben. Argumente lassen sie bloss zur Hochform auflaufen. Ich distanziere mich in meinem Raum, ziehe mich zurück, lasse ihre vernichtenden Worte auf mich nieder prasseln. „Er braucht dich bloss, um die Zeit zu füllen, die er gerade über hat, um einwenig Spass zu haben, aber auch da bist du nicht eigentlich genügend. Was bringst du ihm da schon? Langeweile kann kein Mann brauchen in dem Bereich, das hält ihn nicht bei Laune. Zumal, schau dich an: Imperfektion in Person; ein Aussehen, das schlimmer ist als das deiner Mutter! Du bist ein Versager in allen Belangen. Und daran wird sich nichts ändern. Und darum wirst du auch nie genug sein für ihn.“

Ich schreie, ich weine, ich will, dass die Stimme falsch liegt, doch ich betrachte mich im Spiegel und sehe all die Ähnlichkeiten zu meiner Mutter, hasse mich für sie. Mein ewig währender Kampf, bloss möglichst wenig so wie sie auszusehen hat wohl keine Frucht getragen bisher. Nicht einmal das kann ich. Trotz Sport, trotz Schminke, trotz noch so viel Einsatz… Ein Ebenbild meiner Mutter schaut mir entgegen, die Stimme hat recht. Das hat sie immer.

Diese Stimme existiert nicht wirklich, aber so ähnlich fühlt es sich an, wenn ich übermannt werde von dieser Dunkelheit, von diesen, absolut tief schwarzen Momenten, die mir jeden Boden unter den Füssen weg ziehen. Ich sehe mich dann wertlos und kann nichts dagegen tun, ausser warten und hoffen, dass sich das alles wieder verzieht und ich vielleicht wieder Hoffnung sehen kann, es alles eventuell nicht ganz so schlimm ist, wie es gerade scheint. Aber solche Gedanken haben in Zeiten der Dunkelheit gar keinen Platz. Abwarten, atmen, abwarten, weinen, abwarten…bis irgendwann von selbst wieder Hoffnung aufkommt, oder auch nicht, wer weiss.

6 Antworten

  1. Sólveig
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    Es geht vorbei… das sind immer die Zeiten wo ich versuche logisch zu denken und meine Gefühle auszublenden. Unsere Wahrnehmung ist total verzerrt in so Momenten. Ich kenn das aber. 🙁

    • lyrenorva
      | Antworten

      Ich weiss bloss nicht wie? Es scheint alles so unglaublich real, wahr, und die Argumente, die mir da auffallen (die Stimme) das sind oft Dinge, an denen ich in dem Moment nichts sehe, was nicht stimmt. Danke dennoch 🙂

      • Sólveig
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        Aber es gibt auch Zeiten wo du dich nicht so wahr nimmst oder? Wenn sich dir jemand zuwendet zum Beispiel?

        • lyrenorva
          | Antworten

          Ja sicher, wenn genau die Person plötzlich Zeit hat, sich mir zuwendet, für mich da ist… Nur, Umstände machen da nen Strich durch die Rechnung.

          • Sólveig
            |

            Kannst du dir irgendwie klar machen, wenn auch nur auf rational-logischer Ebene, dass diese Zuwendung nichts wirklich verändert und dass du immer schön und liebenswert bist? Auch ohne äussere Faktoren. Emotional geht das erst mal nicht, das ist mir klar. Bist du eigentlich (noch) in Therapie? Wenn ja, habt ihr da Strategien für den Umgang mit solchen Momenten überlegt? Würde mich sehr interessieren was für Ansätze in Bezug auf persönliche Ressourcen es da so gibt.

          • lyrenorva
            |

            Leider ist genau das der Knackpunkt. So richtig eine Strategie, die wirklich klappt, haben wir bisher nicht. Ich versuche, mich wieder in meinem Glauben zu festigen, da dies früher mal Halt gab (aber auch der ist sehr störungsanfällig und leider noch kein Anker)… Daneben weiss ich einfach, dass es Momente geben wird, in denen ich mich wieder als halbwegs akzeptabel sehe, und dass ich dann auch wieder Freude haben werde (aber das weiss ich echt nur rational). Ich weiss, dass ich mich ablenken sollte in solchen Momenten (und sei es durch Hartz4 TV…) und dass ich warten sollte, bis es mir besser geht, bevor ich mit den Personen in Kontakt trete, von denen ich zur Zeit überzeugt bin, dass ich ihnen nichts wert bin, sie mich nur benutzen oder was auch immer. Leider gibt es Tage wie heute, wo ich das nur schlecht schaffe.

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