Druck

Druck

Unser System ist eigentlich gewaltig. Ich kann meinen Beruf nicht länger ausüben und somit wird mir (mit vielen Hürden und nach langen Avwarten) nun tatsächlich eine neue Ausbildung finanziert. Ich darf also nochmals studieren und eigentlich freue ich mich sehr darüber und fühle mich gleichzeitig schlecht, dass ich auf Staatskosten lebe… aber ohne die neue Ausbildung wird sich das nie ändern, also muss ich das so einfach akzeptieren. Ein grosser Teil von mir glaubt aber, sowas niemals verdient zu haben und nicht genug wert zu haben für eine so immense Unterstützung. Inneren Frieden damit fand ich, als ich mir vornahm, das Beste zu geben und stets fleissig zu sein.

Und nun liege ich seit einer Woche mit einer Grippe im Bett, oder sollte ich zumindest. Kann ich aber irgendwie nicht, weil ich mir schuldig vorkomme, wenn ich nicht lerne, nicht am Ball bleibe und alles gebe. Denn ich werde ja bezahlt dafür, zu studieren, nicht im Bett zu liegen und die Füsse hoch zu lagern. So schleppte ich mich also nun eine Woche in die Schule, trotz mieserablem Zustand durch wenig Schlaf (Erkältung eben…) und einem schnarchenden Partner.

Am Wochenende fing mein Körper edgültig an, seinen Tribut zu fordern. Noch immer konnte ich fast nicht schlafen und schleppte mich trotzdem durch den Tag, was am Samstag dazu führte, dass ich eine ausgeprägte Panikattacke erlitt (von der ich stolz bin, sie selber aufgelöst zu haben). Ich konnte eine halbe Stunde nur reglos dastehen und atmen, denn ich spürte mich nicht mehr und war innerlich zerrissen: ein Teil von mir wollte weg, so schnell wie möglich, aber mein Körper rührte sich nicht von der Stelle. Zum Glück kenne ich solche Zustände noch aus der Vergangenheit und konnte mich irgedwan aus der Erstarrung lösen. Dennoch war ich geschockt, dass ich wieder eine Panikattacke erlitt, denn eigentlich hatte ich das schon lange nicht mehr.

Ich lebte durch den Sonntag und zog mein Programm durch, egal wie s mir dabei geht, denn ich wollte nicht schwach sein, schlecht sein, der Grippe zu viel Raum geben. Ich büßte dies nun endgültig heute Morgen: 2 Stunden Schlaf war alles, was ich kriegte diese Nacht und als ich aufstehen wollte, schaffte ich gerade mal 5 Schritte, bis mir schwarz wurde vor Augen, meine Ohren klingelten und mir nichts anderes übrig blieb, als mich an Ort und Stelle zu setzen. So war klar, dass ich zuhause bleiben muss, egal wie dringend und wichtig mir die Präsenz im Unterricht war. Ich brauchte einen halben Tag, um wieder halbwegs in der Wohnung herum gehen zu können und nahm mir fest vor, besser auf meinen Körper zu achten in Zukunft, denn dieses Erlebnis war und ist gruselig.

Nun stehe ich aber vor der Entscheidung, morgen noch einmal blau zu machen und mich wirklich sauber aus zu kurieren, oder morgen wieder einzusteigen in die Routine. Ich habe Angst, morgen nicht zu gehen, da ich fürchte, dann nie mehr den Mut zu finden, da wieder hin zu gehen, versagt zu haben, denn der Rückstand wird immer schlimmer und ich fürchte, das Semester eventuell nicht zu bestehen, und schon garnicht mit den guten Noten, die ich mir eigentlich erwünsche. Andererseits ist es gefährlich, morgen bereits wieder in meine Routine zurück zu gehen, denn dann werde ich vermutlich schnell wieder am gleichen Punkt sein wie jetzt.
Ich weiss, was ich tun sollte. Aber den Mut aufzubringen, wirklich für mich ein zu stehen und noch einen Tag zuhause zu bleiben, fällt mir unglaublich schwer.

2 Antworten

  1. Nelia
    | Antworten

    Liebe Lyren,

    ach Mensch, es tut mir leid, dass du dich gerade so fühlst! Ich schicke eine Umarmung, wenn du magst ♥
    Ich kenne das Gefühl, bestimmte Formen der Hilfe nicht verdient zu haben und sich Druck zu machen, dann allen und sich beweisen zu wollen, dass man es auch verdient aht … So macht man sich selbst aber dann leider nur noch mehr Kummer. Kannst du dich irgendwie davon überzeugen, dich richtig auszukurieren? Es klingt so, als wäre das trotz allem wichtig für dich und deinen Körper gerade…

    • LyrenOrva
      | Antworten

      Liebe nelia
      Danke für deine worte… naja ich habe gerade meinen beiden kumpels geschrieben und es war echt erleichternd, dass sie überhaupt nicht negativ reagiert haben sondern dringend rieten, zuhause zu bleiben heute. Ich sitze auf dem sofa und ruhe mich nun aus, so gut es geht…

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