Eierlegende Wollmilchsau gesucht

Eierlegende Wollmilchsau gesucht

eingetragen in: Nachdenkliches, Schönes | 1

In meinem Freundeskreis gibt es einige, die noch auf der Partnersuche sind. Viele davon gehen aber immer wieder aufs Neue den Idioten auf den Leim. Es ist echt total frustrierend, ihnen zu zu schauen, wie sie immer wieder jemanden finden, von dem sie überzeugt sind, dass es der richtige ist, oder aber die Traumfrau.  Meist sehe ich aber schon bald, dass das eher nicht gut kommt und leider habe ich in vielen Fällen recht. Aber wie das halt so ist, man selbst, will es natürlich erst glauben, wenn man lange genug gelitten hat und merkt, dass es nicht besser wird, auch über längere Zeit der Beziehung hinweg. Erst dann lässt man die Hoffnung, dass sich das alles noch irgendwann einrenkt, langsam los und schafft es, den Partner gehen zu lassen und sich auf etwas neues einzulassen. Bis dahin gilt es für Aussenstehende immer, einfach Geduld zu haben, und in meinem Falle, ich wünsche mir immer, selbst falsch zu liegen und hoffe für meine Freundinnen, dass sie glücklich werden mit den Partnern, die sie sich ausgesucht haben.

Natürlich ist das aber bei mir ganz anders 😉 Bei mir sind sicherlich nie meine Instinkte falsch oder so – das ist natürlich alles voll berechnend: ich will ja etwas zu schreiben haben in diesem Blog, also muss ich ja immer Idioten treffen, sonst ginge ja der Gesprächsstoff aus 😉 Nein, mein Instinkt wäre natürlich sicherlich total in Ordnung. Ich erkenne Betrüger auf kilometerweite Entfernung, ich fühle Untreue in den ersten Sekunden, ich spüre, wenn mich jemand bloss flach legen will und bin natürlich sofort weg, wenn ich merke, dass wir nicht total harmonieren in allen Lebensbereichen 😛 Nein, sowas törichtes, wie an den falschen Mann zu geraten passiert mir nie. Könnt ihr euch also vorstellen, wie anstrengend es ist, die Instinkte zu übertölpeln und dennoch mit solchen Leuten was anzufangen, damit ich euch unterhalten kann? XD

Spass bei Seite, ich frage mich einfach wirklich, woher es kommt, dass sowohl Mann als auch Frau dazu neigt, Partner zu suchen, die ihnen irgendwie nicht gut tun? Es ist für mich wirklich Wahnsinn, zu sehen, wie viele Menschen in meinem Umfeld unglücklich sind in ihren Beziehungen oder sich, genau wie ich, von einer Beziehung in die nächste retten, nur um sicher zu gehen, dass sie den vorherigen Partner ganz sicher hinter sich lassen (und auch in schwachen Sekunden nicht rückfällig werden) und um nicht allein zu sein. Ich wünsche mir so sehr, dass wir es endlich schaffen, das „Beuteschema“ so zu verändern, dass wir endlich die Person an unserer Seite finden, die uns unterstützt, aber auch bereit ist, Unterstützung an zu nehmen, die uns zeigt, dass sie uns liebt, aber auch annehmen kann und glauben kann, wenn man ihr sagt, was man für sie empfindet. Die akzeptiert wie der Partner ist, gerne zuhört oder aber auch gerne einmal selbst von sich erzählt, statt immer nur zu schweigen. Ja, wo bleibt diese Person? Wie findet man die Person? Angeblich werden solche Menschen nicht gesucht, sondern irgendwann durch Zufall gefunden.

Manchmal frage ich mich aber auch, ob wir vielleicht auch zu hohe Erwartungen haben, denen ein Partner niemals gerecht werden kann? Ganz ehrlich? Wir suchen ja selten nach der Person, die es morgens nicht schafft, die Kaffeetasse weg zu räumen, bevor sie zur Arbeit fährt, oder die konsequent vergisst, Milch zu kaufen, Dinge auf dem Boden liegen lässt oder bei der sich alles etwas um sie selbst dreht. Nein, wir suchen die Eierlegende Wollmilchsau, die alles tut, was wir brauchen, uns jeden Wunsch von den Lippen abliest und so ist, wie der perfekte Mann im Film eben dargestellt wird. Zudem frage ich mich, ob es sein kann, dass wir uns alle ein wenig zu sehr um uns selbst drehen und deutlich zu wenig um andere? Kann es sein, dass wir somit jemanden suchen, um SELBST einen Mehrwert kriegen, und nicht um selbst etwas geben zu dürfen? Ich für mich glaube, dass ich zu sehr auf mich fixiert bin, zu sehr selber etwas erhalten will durch eine Beziehung, gewisse Defizite kompensiert werden sollten durch meinen Partner, als dass ich wirklich eine Beziehung führen könnte. Denn die Person müsste konstant meine Bedürfnisse befriedigen (nicht im sexuellen Sinne, sondern Bedürfnisse wie Nähe, Zeit, Zuhören, in Ruhe lassen, Freiraum geben, Zuspruch geben, Ermutigen…) und ich wäre vermutlich schnell enttäuscht, wenn die Person dies nicht täte und würde hinterfragen, ob es wirklich DER Richtige ist. Die Anforderungen wären hoch und ich glaube, denen kann keiner gerecht werden und die Beziehung geriete in eine Schieflage, da ich mehr erwarten würde als dass ich gäbe, vermute ich. Ich bin sicher ein Extrembeispiel, aber ich frage mich, ob es nicht im kleineren Rahmen auch anderen so geht? Also ist es wohl an der Zeit, an mir selbst erst einmal zu arbeiten, zu lernen, mir selbst meine Selbstbestätigung geben zu können, damit ich diesbezüglich nicht mehr auf Mr. Perfect angewiesen wäre, der mir das alles zur rechten Zeit am rechten Ort gäbe.

Nichts desto trotz, ich bin einfach die Ungeduld in Person, habe einfach keine Nerven, so lange tatenlos da zu sitzen und zu warten, bis sich meine Probleme in Luft aufgelösst haben und Mr. Right klingelt oder vorbei schneit oder mir eine Ballade singt vor dem Fenster oder was auch immer… Also werde ich wohl noch viele Frösche küssen, in der Hoffnung, dass zufällig mein Prinz darunter zu finden ist, und ich bis dahin genug gelernt habe, mich selbst zurück zu nehmen, meine Ansprüche zu mindern und mehr Möglichkeit zu haben, mich auf IHN zu konzentrieren.

Und bis dahin habe ich vermutlich noch einige Möglichkeiten, euch mit einem weiteren, minimal gefehlten Date, einer etwas schief gelaufenen Beziehung und ähnlichem Trarrah zu belustigen.

Eine Antwort

  1. Lars Gunmann
    | Antworten

    Es ist überhaupt das grundlegende Problem unserer Gesellschaft, dass viele Menschen nur auf sich selbst fixiert sind. Im Großen und Ganzen haben viele Menschen gar keine andere Wahl. Aber manchmal, wenn man genau beobachtet, zuhört und die Reaktionen sieht, erkennt man, dass zu viele Menschen nicht in der Lage sind, sich in einen anderen hineinzuversetzen.

    Dass du dir darüber Gedanken machst, zeigt, dass du anders bist. Überhaupt sind wir Kreativen oft anders.
    https://www.fastcompany.com/3016689/leadership-now/10-paradoxical-traits-of-creative-people

    Hört sich fast sogar so an, als seien wir das komplette Gegenteil eines Psychopathen.
    http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-05/psychopathen-interview-psychologe-jens-hoffmann

    Einfach sind wir aber sicher auch nicht.

    Dennoch ist die Beziehungsfrage denkbar einfach. Man muss sich gegenseitig so nehmen (können), wie man ist. Das funktioniert aber nur beidseitig. Je mehr man auf gleiche Art denkt bzw. Spielraum für andere Arten zu denken lassen kann, desto besser. Unterschiedliche Denkweise kann zu Problemen führen, denn es werden z.B. im Alltagsleben die Prioritäten unterschiedlich gesetzt, was zu Aggressionen führen kann – obwohl man sich vielleicht arrangieren könnte. Dann wird es Dinge geben, die einfach nicht funktionieren, und das müssen sich beide eingestehen.

    Einen Mehrwert allein für sich darf man nicht erwarten. Beide müssen etwas davon haben, ist doch klar. Für manche Leute, die in einer Beziehung sind, ist es manchmal sogar ein Mehrwert, mal wieder alleine zu sein.

Bitte hinterlasse eine Antwort