Eifersucht

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Eifersucht ist etwas echt seltsames. Man kann jemanden lange mögen und begleiten und ihm viel Erfolg wünschen. Es kann sogar sein, dass man sich stark dafür einsetzt, dass jemand anderes sein Ziel erreicht, Erfolg hat und vielleicht sogar berühmt wird.
Nur was, wenn die Person das Ziel erreicht hat, Erfolg hat? Plötzlich kommt in mir dann der Wunsch auf, genau so erfolgreich zu sein, wie die Person, der ich half. Ja und plötzlich geht es mir nicht mehr darum, jemanden zu unterstützen darin, sein/ihr Potential auszuschöpfen, sondern es geht mir darum, diese Person zu übertrumpfen. Was eigentlich ja total lächerlich ist, denn die Begabung dieser Person ist mit aller gröster Wahrscheinlichkeit nicht meine. Also müsste ich mich komplett verbiegen, nur um zu erreichen jemanden zu übertrumpfen, von dem ich wollte, dass er Erfolg hat.
Wenn ich dies realisiert habe, dauert es leider immer noch einige Zeit, bevor ich das Verhalten aufgeben kann, denn da liegt mein Problem vermutlich teilweise begraben: wenn ich mich darauf konzentriere, jemandem nach zu eifern und ihn in seiner Stärke zu übertreffen, habe ich eine Art Identität. Ich bin dann Radprofi, Autorin, Innendekorateurin, Konditorin… wenn ich nun dieses Verhalten aufgebe, akzeptiere, dass die Person wohl etwas kann, was nicht meine Stärke ist, bin ich unweigerlich wieder dem Problem ausgeliefert, heraus zu finden, wer ICH denn bin und was MICH denn ausmacht. Da ich darauf leider keine Antwort habe, oder zumindest noch keine, ist es für mich schwer, solche Verhaltensmuster aufzugeben.

3 Antworten

  1. Sólveig
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    Dafür habe ich auch noch keine Lösung gefunden. Ich habe lange gebraucht bis ich mir eingestanden habe wie groß mein Suchen nach Identität eigentlich ist. Ich konnte es aber auch gut kaschieren. Dauernd sah ich wen, dessen Lebensentwurf mir gefiel, meiner hätte sein könnte… nur um dann festzustellen, dass er eben gar nicht meiner weil, weil ich gnadenlos darin versagte (super sportlich, Umweltaktivist, bla bla bla).
    Im Moment versuche ich meinen Blick nicht mehr zu lange auf anderen ruhen zu lassen und mich nur noch darauf zu konzentrieren was ICH mag. Bzw…. auf die kleinen Dinge… die Konstanten, die so schwer zu sehen sind weil leise und unscheinbar. Mir hat das am Anfang Angst gemacht… kein vergleichen mehr, kein sich einordnen in ein Gefüge das einen definiert oder wenigstens einen Platz vorgibt. Ich habe mich haltlos gefühlt und tue es immer noch.

    Diese Räume „dazwischen“ sind die, die einem wirklich gehören. Ich weiß nicht… wenn du auf dein bisheriges Leben zurück blickst… gibt es etwas das immer wieder kam? Vielleicht induziert durch andere Menschen aber dennoch als Wiederholung? Ein Thema? Z.B. ein Hobby oder eine Weltsicht? Für mich war das die Kunst oder Themen wie historische Küche. Die bringen mich mir selbst näher. Ich neige oft dazu sofort mit anderen in Konkurrenz zu treten… also das was du als Eifersucht bezeichnest tritt ein.

    • lyrenorva
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      Ja so ähnlich gehts mir auch. Ich bin sehr gut gewesen im Schreiben. Nie Tagebücher, aber immer irgendwie Kurzgeschichten zu X beliebigen Themen. Das hat mir auch grosse Freude bereitet. Daneben gibt Tanzen mir grosse Kraft (darum habe ich das wieder aufgenommen) und Fotobearbeitung ist auch eine meiner eigenen Qualitäten und Interessen. Daneben bin ich jemand der gerne hilft und das, solange es um Gespräche geht, auch gern tut ohne Gegenleistung oder das Leistungsdenken. Soweit kam ich diesbezüglich mal ^^ und die Aspekte versuche ich nun mal zu kultivieren 🙂

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