Eingetaucht

Eingetaucht

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Frohen Mutes unterwegs zur Tauchbasis, musste ich mich gerade schwer zusammenreissen, als ich da ein Gesicht sah, das gestern noch nicht da war – was für ein schöner Mann…

Ich fühlte mich in seinen Bann gezogen, von der ersten Sekunde an. Es kostete mich viel, da zu versuchen, cool zu bleiben, denn irgendwie kam da mein innerer Teenie zum Vorschein, der gerade grell und hysterisch lachend herum hüpfen, und sich alles andere als angemessen verhalten wollte. Unsicher, wie ich mich verhalten sollte, versuchte ich, irgendwie Smalltalk vom Zaun zu brechen, der sich als enorm dämlich herausstellte. Wenigstens besass er die Höflichkeit, sich nicht anmerken zu lassen, dass es einfach bloss Stuss war, was ich da von mir gab.

Stellte sich raus: der gute Herr wollte wohl auf das selbe Boot wie ich, und würde da auch gemeinsam mit Carmen und mir unter Wasser gehen. Langsam bekam ich Panik: ich war schon so ewig nicht mehr getaucht, habe erst gerade zwei Tauchgänge hinter mich gebracht am vorangehenden Tag und fühlte mich alles andere als bereit, mir die Blösse zu geben, anderen Tauchern gegenüber, dass ich einfach nichts mehr kann. Und dann auch ausgerechnet DIESEM Mann gegenüber, na toll.

Auch die Hoffnung, dass er vielleicht noch nicht viel Erfahrung hätte, war relativ schnell begraben, denn: er scheint wohl in seinem Leben nichts anderes getan zu haben als zu tauchen, oder zumindest fast nicht. Na super. Half aber alles nichts – er wurde mir als Buddy zugewiesen, war also für meine Sicherheit verantwortlich und – Witz komm raus du bist umzingelt – ich wäre für die Seine verantwotlich. Tja, also, zum einen gut für mich: er konnte für seine Sicherheit alleine sorgen. Zum anderen war es mir erst recht peinlich, denn nun war ich unweigerlich das kleine Küken ohne Erfahrung umgeben von Profis.

Um dies noch zu toppen, lief mir an eben diesem Tag noch dauernd die Maske voll mit Wasser, was darin endete, dass ich zum einen nichts sah und zum anderen knall rote Augen hatte nach dem Tauchgang, und mich erst recht schämte.

Ich versuchte mir allerdings davon mal nichts anmerken zu lassen, lachte, versuchte kompetent genug zu wirken als dass ich nicht komplett zur Lachnummer des Tages werden würde, und stellte zu meinem Erstaunen fest, dass er mich nicht so behandelte, wie ich mich fühlte, denn von seiner Seite aus kamen zwar dumme Sprüche aber nie etwas Abwertendes oder so. Er begegnete mir auf Augenhöhe trotz grosser Erfahrungsdiferenzen.

Unterwasser war er stets zur Seite, wenn ich Hilfe brauchte, war besorgt, und irgendwie war mir das zwar zum einen enorm peinlich, denn so kam ich mir erst recht wieder klein und zerbrechlich und unzulänglich vor, aber andererseits rührte mich dies auch total. Er schien mich irgendwie zu mögen. Oder das war einfach Wunschdenken…

Überwasser war er zwar stets der, der Witze riss, oftmals auf meine Kosten, aber er steckte mich mit seiner positiven Art so an, dass ich für eine Weile vergessen konnte, woher ich kam und womit ich mich so herumschlage.

Es war ein wundervoller, und dennoch so verwirrender Tag. Was tat ich denn da? Etienne sollte mein Ziel sein. Ihn sollte ich vermissen, nicht diesen fremden Typen anhimmeln und mich verhalten wie ein Teenie. Es war ein schreckliches Gefühl an diesem Abend zurück an Land zu gehen: meine Emotionen fuhren Achterbahn und selbstverständlich meldete sich Etienne mal wieder seit Tagen nicht. Es war frustrierend, beängstigend und irgendwie schwierig.

Selbstzweifel, Selbsthass und Selbstzerfleischung waren diese Nacht meine ständigen Begleiter.

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