Ersatznerven gesucht

Ersatznerven gesucht

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Gestern war ich so richtig k.o. am Ende vom Tag. Denn ganz abgesehen von Herrn e, dessen Geschichte mich noch lange verfolgte, merkte ich, dass es Leute gibt,bei denen ich echt null Fehlertoleranz oder Geduld an den Tag legen kann.. 😉

Mein Sitznachbar zum Beispiel: Ich mag ihn eigentlich sehr, aaaber… jede Lösung, die er fand, muss laut kommentiert werden. Zu erst mit „oh man, ich bin ja so blöd“ gefolgt von „wenn man s weiss, ist es ja so logisch“ und darauf folgt die Erklärung, egal ob man drum bat oder nicht, denn oftmals ist er an ner völlig anderen Aufgabe als ich. Mal davon ab, dass ich da halt einfach nicke und tue, als würd mir das nun helfen, wirds richtig übel, wenn er anfängt Dinge zu erklären: Die Erklärung beginnt in jedem Satz mit „Okay, du musst nun einfach…“ (was mich irgendwie jedes Mal zum Lied „ich muss garnix“ von Grossstadt Geflüster bringt „…ich muss garnix ausser schlafen, trinken, atmen und f***… und gelegentlich um 4Uhr früh nen Burger verdrücken…“ jaja, die Jugend… 😉 )

Somit ist dann eher die Musik in meinen Ohren als seine Erklärung beginnt: „Okay,du musst einfach nur….“ *summ* *musik in meinen Ohren* oh, ups, er bewegt seinen Mund nicht mehr. Ich glaube er ist fertig „…soweit klar?“ Ich setze mein Pokerface auf, schaue ihn an und hoffe, er merkt es nicht. „Ähm, ja, klar, natürlich. Wenn mans weiss ist es echt logisch.“

Dennoch, ich mag meinen Nachbarn, denn er ist geduldig, hört gut zu und ist echt unterhaltsam 🙂

Naja, nach einigen weiteren Diskussionen mit irgendwelchen Termen (wer bitteschön will eigentlich mit ner Kurve diskutieren? Die hat einfach so zu werden wie ich es gerne hätte und damit basta 😉 ) musste ich mich auf machen, zu meiner Tanzschule. Zugfahren und dabei lernen ist was, das ich echt gern mach. Nur leider mag ich Kinder wirklich nicht. So schaffte ich es in der mir eigenen Treffsicherheit natürlich, den Waggon zu finden, in dem sich gleich zwei befreundete Familien befanden, deren Kinder die ganze Fahrt über (30 lange Minuten) lauthals „Schiffli uf äm Züüriseeee…“ (also ein Kinderlied über Schiffe auf dem Zürichsee) sangen. Selbstverständlich vermochten die Goldkehlchen, dieses Lied einwandfrei zu trällern, so dass es ein Wohlgefallen war, ihren jungen und unverbrauchten Stimmen zu lauschen…

Nun also das Dilemma: Musik in die Ohren und dafür Gefahr laufen, andere zu belästigen? Denn ich müsste ja echt laut aufdrehen, damit meine Kopfhörer mich lauter beschallen als die Kinder.. oder doch eher einfach versuchen zu lernen?

Aaalso, dann kommt hier nun die Potenz runter (erm, ja die Potenz meines Terms ist so eben erschlafft, quasi sogar ner Wurzel gewichen, also… erm.. ich kann das erklären… oder auch nicht… ich glaub aus der Nummer komm ich nicht mehr raus ^^) „Schiiiffli uf em Züriseeee..“ dann die 4te Wurzel hiervon und da nen Term „…häsch du für mich keis Plätzeli meeeeh…?“ Was? Ehm… nein ich habe keinen Platz für euch! Ach man, okay, die Kinder haben mein schlechtes Gewissen besiegt und damit wurde schnellst möglich in meiner Handtasche gegraben, um die Kopfhörer zu finden, die sich selbstverständlich ganz unten in der hintersten Ecke verbargen. Wo denn auch sonst?

Da kann man eine noch so kleine Handtasche haben, das Phänomen ist immer das gleiche: sucht man was, findet man alles, bloss das nicht. Vielleicht sollte ich pro Gegenstand eine Tasche besitzen, wobei ich dann wohl etwas aussähe wie Hexen in entsprechenden Hollywood Filmen 😉

Herrlich, laute Musik, die für mich als Hintergrundgeräusch echt gut zur Konzentration beiträgt, und keine Goldkehlchen mehr.

Dafür böse Blicke meiner Nachbarn.. sorry!

Sooo und nun genüsslich, in den 20Minuten bis zum Kursbeginn, noch einigen eurer Posts ne Antwort tippen, und generell geniessen, von euch zu lesen. Mitten in meiner Antwort jedoch schreibt mir mein Tanzpartner ne Nachricht (die bei mir ja dann aufpoppt) nur um gleich darauf anzurufen. Meine Nerven, die ja eh schon arg strapaziert scheinen, sind nun an ihre Grenze gebracht. Nachricht besagte: „ich komm ca 5 Minuten zu spät“ Weg geclickt, zur Kenntnis genommen, und wieder den Blick auf meinen Antworttext gerichtet, sehe ich diesen gleich schon wieder nicht, weil der Typ mich ja darauf hin anrufen muss, da ich es ja vielleicht nicht gelesen haben könnte… (wozu gibt es denn die vermalledeihte Erfindung der blauen Haken bei Whatsapp??) Man, lass mich doch, ich hab noch 20 Minuten der Wonne, bis du mir eh schon wieder ein Ohr abkaust. Muss das wirklich jetzt schon beginnen?

Ich überlege hin und her, ob ich nun so ungehobelt sein darf und den roten Hörer drücken soll. Zum Glück wird mir die Entscheidung abgenommen. Nun folgt dafür ein Live-Ticker darüber, wo er sich gerade befindet, warum, dass es ihm leid tut… ICH WILL DOCH EINFACH RUHE UND EEEENDLICH NE ANTWORT TIPPEN!!!

Na gut. Ruhe kehrt ein,als ich einlenke, kurzzeitig WordPress zu verlassen, dem Tanzpartner ne zweite Antwort zu schreiben und ihm zu versichern, dass ich a) eh kein Problem habe damit, wenn er zu spät ist und b) bestimmt bescheid geben werde. Nun endlich die Antwort an Nelia fertig geschrieben, die aber deutlich kürzer und weniger einfühlsam heraus kam als eigentlich beabsichtigt (ein grosses Sorry an dieser Stelle) und da sind meine 20 Minuten der „Ruhe“ auch schon wieder dahin.

Mein Tanzpartner ist redseelig wie immer und kaut mir schon beide Ohren ab bevor überhaupt Pause ist, und zudem bin ich nun wirklich kurz vorm Bersten, denn ist es wirklich so schwer, das zu tun, was die Instruktoren anleiten und nicht x-beliebig anderes?? Es würde mich ja nicht per se stören, wenn es nicht bedingte, dass ich auch nicht tun kann, was die wollen, da ich ja seine Partnerin bin. Will er also was üben, bin ich nunmal involviert. Bah, ich hätt ihn am liebsten angeschrien, er solle ENDLICH mal seinen Grips dafür aufwenden, das zu beobachten und umzusetzen, was die tun, statt das, was er grad will. Zudem muss er mir ja dann auch immer wieder genau dann, wenn die Tanzlehrer etwas zeigen wollen, zeigen, was ich falsch mache. Man, fang mal bei dir selbst an! Und schau endlich den Instruktoren zu, dann klappts auch mit den Schritten! So wird nun langsam selbst das Tanzen, das mir eigentlich so viel gibt, zur Tortur und ich war froh, als ich endlich gehen konnte.

Auf dem Heimweg dann noch ein paar vollpubertäre Jungs, die sich über Autos ihrer Eltern unterhielten und taten als hätten sie voll die Ahnung, und zum Schluss noch die Verpflichtung, mich bei der Person zu melden, die ich mir leider letzthin „geangelt“ hatte, aber mich nicht traue, ihm zu sagen, dass das, auf deutsch gesagt, ein Ausrutscher war. Auch da wird mir nun nochmals ein Ohr abgekaut mit detailgetreuem Livebericht seines Tages und neunmalklugen Äusserungen… und immer wieder der Aussage „dann lass ich dich mal wieder…“ so als würd er drüber bestimmen dürfen, wann ich auflegen dürfe, wann mir das Recht eingeräumt würde, zu schweigen, zu reden oder zu lernen… ach man.

Wenigstens erheitert mich der Spruch im Zug, den ihr im Beitragsbild sehen könnt.

Ja, ich bin das Verständnis in Person zur Zeit. Im speziellen wohl Personen gegenüber, die ich nicht, oder nur teilweise mag, mich aber nicht traue, mich von ihnen abzunabeln, da ich sie verletzen könnte damit. Viel zu lernen also,und bis dahin hoffendlich noch ein paar Kilogramm Ersatznerven… 😉

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