Fahrstunden

Fahrstunden

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Heute ist mir passiert, was schon lange nie mehr passiert ist: ich habe tatsächlich mal ein Treffen mit einer Freundin total verschwitzt. Es ging sogar soweit, dass ich mir dermassen nicht bewusst war, dass ich mich mit ihr treffen würde, dass ich mir bereits ein Alternativprogramm für diesen Tag zurecht gelegt hatte: da ich eigentlich sehr gerne nähe, habe ich beschlossen, ein paar Kleidungsstücke abzuändern, so dass sie nachher wieder tragbar sein würden, denn das ist halt der Nachteil daran, alles im Ausverkauf zu kaufen: dann sind die Klamotten halt manchmal etwas zu gross oder passen sonst nicht so ganz, aber wenn man ein paar geschickte Griffe macht und etwas hin und her experimentiert, geht’s dann plötzlich und man hat für 10 Euro ein total tolles Kleid, einen Bikini der sitzt oder ähnliches. Zudem gibt mir Nähen einfach ein gutes Gefühl und so eine gewisse Ruhe.
Die Projekte, die ich mir da allerdings aufgehalst hatte, waren ganz schön knifflig und ich habe die Arbeit etwas unterschätzt, als ich das letzte Mal daran sass. Ich kam nicht annähernd so weit wie ich wollte und da ich über keine eigene Nähmaschine verfüge, war ich darauf angewiesen, die von jemand anderem zu nutzen, darum hätte ich nun heute den Tag dafür aufgewendet, die Projekte anzugehen.
…bis dann die Nachricht eintraf: „sag mal, kommst du noch?“. Meine Freundin, auf die ich mich schon seit Wochen freute, sie heute zu sehen meldete sich zu Wort, denn eigentlich hätte ich schon vor 5 Minuten am vereinbarten Treffpunkt erscheinen sollen. Da ich immer überpünktlich bin, wurde sie zum Glück sehr schnell misstrauisch und oh man habe ich mich geschämt.  Ich hatte also tatsächlich vergessen, dass ich mich heute mit ihr treffen wollte und somit bereits meine Stiefmutter angefragt ob ich bei ihr nähen könne. Nun also eine doppelt blöde Situation: ich war nicht nur zu spät für ein Treffen auf das ich mich eigentlich schon seit Wochen freute, sondern musste meiner Stiefmutter auch noch absagen für das Treffen bei ihr. Es ist nicht so, dass ich behaupten könnte, dass mir das noch NIIIIIEEEE *unschuldsmineaufsetz* passiert wäre – aber es geschieht mir sehr sehr selten. Umso peinlicher ist es mir, wenn ich einmal ein Treffen vergesse, denn ich bin normalerweise so, dass ich mir all meine Termine (auch der Kaffee mit ner Freundin) einschreibe in meine Agenda – wenn da also nichts steht für heute, dann habe ich auch nichts vor… oder eben doch. Ich war unglaublich erleichtert, als ich dann hörte, dass sie mir nicht böse ist (denn somit hatte ich ca 40 Minuten Verspätung). Und es war echt toll, sie zu sehen, nicht zu letzt, weil wir gemeinsam einfach so gut sprechen können über meine und ihre Probleme und wir einander dabei ermutigen und nicht runter ziehen. Denn oft passiert es mir sonst, dass ich zwar tolle und tiefgründige Gespräche habe mit Menschen, die mich aber eher entmutigen oder noch mehr darin bestärken, dass die Welt nunmal einfach schlecht ist oder alles eh keinen Sinn mehr hat; anders aber bei ihr. Wir können bei heiterem Sonnenschein lachend über all das sprechen, was wir erlebten in den letzten Wochen und dann plötzlich ernst werden, Probleme ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, die zum Beispiel einer von uns in einer ähnlichen Situation geholfen haben oder die wir uns im Nachhinein einmal als möglichen Lösungsansatz zurecht gelegt hatten… Es ist einfach bei aller Ernsthaftigkeit immer konstruktiv und ehrlich. Das schätze ich so sehr an den Unterhaltungen mit ihr.

Ebenfalls total toll war dann, als wir zum Abschluss noch eine Tour mit dem Auto gemacht haben, denn sie hat demnächst ihre Fahrprüfung und ich half ihr heute, ihrem Fahrkönnen noch den letzten Schliff zu geben, damit es dann hoffentlich klappen wird. (Ja, bei uns ist das legal – da brauche ich keine Fahrschule zu sein ^^)
Für mich war es deshalb so toll, weil ich merkte, dass ich das so unglaublich gerne tue: Menschen helfen, das Fahren so in den Griff zu kriegen, dass sie ein gutes Gefühl dabei haben, sich sicher fühlen und somit auch viel sicherer unterwegs sind, Ängste zu überwinden und Ruhe zu bewahren in schwierigen Situationen. Dabei spielt es mir keine Rolle ob mein „Fahrschüler“ seine Fahrprüfung noch vor sich hat, oder längst bestanden, aber einfach keine Fahrpraxis hat, und somit geniesst, sich diese mit mir anzueignen. Ich liebe es, zu sehen, wie meine Fahrer dann anfangs sehr nervös sind und immer entspannter werden, je länger wir gemeinsam unterwegs sind. Oft höre ich, dass es total angenehm sei, mit mir zu fahren, da ich eine Ruhe ausstrahlen würde, die ihnen den Mut und die Zuversicht gibt, sich auf der Strasse zu bewegen und sie so endlich all die Knoten lösen können, die sich bei ihnen hartnäckig eingenistet hatten.
Interessant daran ist eigentlich, dass ich meine eigene Prüfung insgesamt 3 Mal machen musste und auch beim dritten Mal nur knapp bestand. Aber offenbar bin ich gut im Erklären und kann Menschen, die Angst haben, diese ganz gut nehmen. Und ganz nebenbei gibt es mir jedes Mal so unglaublich viel, wenn ich nach einer solchen Fahrstunde aussteige und das glückliche und zuversichtliche Gesicht meines Fahrschülers sehe 🙂
Vielleicht sollte ich eine Fahrschule gründen, wer weiss ^^

Ermutigt durch dieses Erlebnis fuhr ich nun nachhause und fühle mich einfach nur gut. Endlich mal das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben und wieder einmal für etwas von Nutzen gewesen zu sein.

 

Bild: Zitat von Dalai Lama, Repost von: Jenffy

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