Fehl am Platz

Fehl am Platz

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Vorsicht: luxus Problem 😉

Ich bin eine jener glücklichen, deren Vater als Pilot arbeitet und der manchmal das Glück zu Teil wird, mit ihm mit zu reisen, was mir einige Vorteile bringt, vor allen Dingen, da ich dann weniger bezahlen muss für den Flug. Manchmal geht es einem besonders gut, da die Besatzung beschliesst, einem einen besseren Platz zukommen zu lassen.
Anlässlich meines Geburtstages habe ich nun tatsächlich das Glück, dass ich in diesen Genuss kam. Im Flugzeug wurde ich gebeten, kurz zu warten, und mich noch nicht auf den Sitz zu setzen, wo ich eigentlich hin gehöre (also in eine Ecke verkrümeln und so tun als wäre ich garnicht da, während die letzten Passagiere mit irritiertem Blick an mir vorbei schreiten) – mein Geburtstagsgeschenk war ein Sitz in der Business klasse. Ich fühlte mich enorm geehrt und freute mich wirklich sehr. Nur da ist dieses Gefühl, dass ich diesen Service weder bezahlt habe, noch verdient habe, denn ich bin doch nicht anders als alle anderen Gäste…?

Kurz nach dem ich mich gesetzt habe, wurde ich abgeholt, denn ich durfte meinen Vater besuchen zum Start im Cockpit. Für mich ist dies immer ein Highlight, weil da so viel läuft und ich immer fasziniert bin, wie ein Tonnen schweres Monstrum mit einer Spannweite von 60Metern, sich durch ein wenig Wind in die Luft begibt und an Wolkentürmen vorbei weit nach oben driftet. Alles dank ominösen Gerätschaften wie Hebel, Knöpfen und Drehschalter, die mich entfernt an meinen Backofen erinnern.
Start überlebt, war nun die Mission, durch s Flugzeug wieder an meinen Platz zu gelangen ohne andere Passagiere oder die Flightattendants zu belästigen. Wo allerdings ein Fettnapf ist, da suhle ich mich gerade zu drin: so wollte ich einfach auf schnellstem Wege zurück, weil mir das unangenehm ist, wenn andere sehen, dass ich wohl eine Sonderbehandlung kriege, und machte dabei alles falsch, was es wohl gibt:
Ich trampelte doch schnurstracks richtung Firstclass (da muss ich leider durch, anders geht es nicht) und sah nicht, dass gerade eine Person das Mittagessen servierte und somit einmal ein Trolley mit Leckerbissen und Getränken da stand und zum anderen eine Flight Atendant, die eigentlich für ihre anspruchsvollen Gäste da sein sollte und nicht dafür, mich vorbei zu lassen. Hoch roten  Kopfes drehte ich mich um (natürlich kennt mich nun die ganze Firstclass zumindest optisch) und wollte am liebsten im Erdboden versinken, denn eigentlich möchte ich niemanden stören, und das Image der Firma auch nicht in Frage stellen. Eine andere Flight Attendant nahm mich dann mehr oder weniger an der Hand und wollte mit mir den anderen Gang herunter laufen, wurde dort aber blockiert durch die Trolleys der Business, sie gerade ebenfalls anfingen mit dem Mittagsservice… Nur halt auf der anderen Seite… Super, nochmals zurück und versuchen, in der Küche der ersten Klasse niemandem auf den Füssen herum zu stehen, bis ich von einer Dame abgeholt wurde. Mir war das so unglaublich unangenehm. Zum Glück empfanden die Flight Attendants das wohl nicht als tragisch, oder sie lächelten ihre Irritiertheit einfach weg… (So genau weiss man das glaube ich leider nie…)

Bei meinem Sitz angekommen war es echt ein schönes Gefühl, so viel Platz zu haben und ein Menu serviert zu kriegen, von welchem man die Hälfte garnicht versteht und erst das „aha – Erlebnis“ hat, wenn man es serviert kriegt. Manches war aber sogar dann noch unklar: so waren da kleine, dunkelbraune Perlen auf meinem Teller und mein Gedanke war: oh Gott Kaviar! (Ich mag keinen Fisch und ob ich Kaviar mögen würde, wage ich zu bezweifeln…) Es stellte sich dann aber heraus, dass mein Kaviar Balsamicoperlen sind! Coole Erfindung, die die Welt bestimmt nicht braucht, aber eine Bereicherung darstellen 🙂

Papp satt und ein weiteres Fettnäpfchen später (unangenehmer weise darf ich keine alten Käse essen und habe die Käse Platte mehr oder weniger unangetastet zurück geben müssen…) liege ich nun in meinem Sessel und geniesse die Ruhe.

Jedenfalls bis ein Kleinkind in der Business für Furore sorgt und ich somit halb lachend und halb genervt Zeuge des Schauspiels werde, wie die Mutter des Kleinen verzweifelt versucht, dieses zu beruhigen und dabei wohl ihre Nervosität sich auch auf das Kind auswirkt, welches plötzlich anfängt lauter zu schreien… Bis es dann endlich total abrupt ruhig ist und vermutlich schläft. Faszinierend ist für mich da dran die Frage, wie man auf die Idee kommt, das kleine Baby mit zu nehmen auf einen 8 stündigen Flug und das oben drein in der Business class, wo sehr viele Firmenvertreter sind, deren Arbeitgeber die Angestellten in die Business bucht, damit diese die Möglichkeit haben, ausgeruht am Zielort anzukommen und direkt anzufangen zu arbeiten. Ok, zugegeben, ich bin echt kein Kinderfreund und zu besorgt um das Wohlergehen der grossen Masse 😉

Nachdem ich mich nun nebst dem Verfassen dieses Posts auch gleich vertraut machte mit dem Board entertainment, mich durch die ganze Filmbibliothek geackert habe und feststellte, dass ich nach wie vor ein Film Banause bin, habe ich nun wohl die heilige Pflicht, dies zu ändern und mich filmtechnisch weiter zu bilden ^^

2 Antworten

  1. Patrick H.
    | Antworten

    Happy Birthday nachträglich.
    Jeder hat seinen Platz und fühlt sich mal mehr und mal weniger wohl auf ihn.
    Schreiende Kinder können schon anstrengen. Wollen wir mal hoffen, dass die abrupte Stille eine natürliche Ursache hatte 🙂

    • lyrenorva
      | Antworten

      Hihi ja da hast du recht. Naja das habe ich mich auch mal kurz gefragt, dann aber gehofft, dass das Kind entweder durch „natürliche“ Zufuhr von etwas Alkohol oder durch Schlaf ruhig wurde. Als ich es dann später in der Kabine rumspringen sah, war auch ich ehrlichgesagt etwas erleichtert 🙂

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