Gewusel

Gewusel

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Wiesel auf Koks… Ein guter Freund von mir verwendete das immer, wenn jemand ununterbrochen leistete, aktiv war, wie wild durch die Gegend wuselt… Mir kommt da jeweils das Eichhörnchen aus „Ab durch die Hecke“ in den Sinn, das ja auch  hyperaktiv ist, und wenn es dann noch Energydrink trinkt und Kekse sieht, gehts richtig ab. Wiesel auf Koks, oder Eichhörnchen auf Energydrink… egal, jedenfalls hyperaktiv

Genau so wirkte er an diesem Wochenende.

Eigentlich fing alles sehr schön an. Ich war zwar durch ein Misverständnis und eigene Dummheit (wer denkt schon ernsthaft, dass man in 5:30 in Deutschland von A nach B kommt, nur weil das Navi das so sagt?) sehr spät erst angekommen und richtig müde, umso mehr tat es aber gut, mich an ihn zu kuscheln und mich in seinen starken Armen zu wissen. Ich fühlte mich geborgen und ich freute mich auf ein weiteres, wundervolles Wochenende.

Es war wundervoll, Zeit mit ihm zu verbringen, beim Bäcker, beim Einkauf und danach in der Therme. Leider konnte ich mich einmal mehr nie entscheiden für oder gegen irgendwas, einfach weil ich mich so garnicht spürte oder nicht traute, zu äussern, was ich dachte, aus Angst, dass er das dumm finden würde. Es flossen mal wieder Bäche von Tränen meinerseits – mitten in der Therme, unter vielen, vielen Leuten. Lief also total. Er blieb aber immer verständnisvoll.

Ich genoss die Zeit in dieser riesigen Therme, mit viel Wasser, Ruhe, stimmungsvollen Saunen, einladenden Ruheräumen und leckerem Essen. Einmal mehr befand ich mich in dieser wundervollen Blase der Verliebtheit; zwar immer mit einem halben Gedanken dabei, wie ich mich gerade anstellte, was er gerade von mir hielt und darauf bedacht nichts falsch zu machen (kennt ihr das, dass man genau dann am meisten falsch macht, wenn man ganz doll versucht alles richtig zu machen bzw nur ja NICHTS falsch zu machen… genau so gings mir grad), aber grundsätzlich war ich zufrieden, konnte etwas entspannen und es geniessen.

Und dann kam der Stress.

Ankommen, Taschen auspacken, gleich packen für den nächsten Tag, vermeintlich früh zu Bett gehen, was später wurd als der Plan eigentlich zuliess, früh raus, fertig packen, Frühstücken, hastig alles ins Auto packen… Er schien nur so vor sich hin zu surren und vor lauter Gewusel wusste ich garnicht wo mir der Kopf stand geschweige denn, wie ich helfen konnte, oder was ich tun sollte – oder wo ich mich aufhalten konnte, um ihm wenigstens nicht im Weg zu sein.

….und schon gings auf zu einer mir völlig unbekannten Situation: Kaltwassertauchen. Ich wusste überhaupt nicht, was man da wie tun muss und wo und überhaupt – und war mal wieder in der Situation, dass ich alles falsch machte, was man falsch machen konnte, nur weil ich eigentlich mal wieder alles richtig machen wollte. Nicht nur, dass ich mich irgendwann nicht mehr traute, Leo zu fragen, was ich nun eigentlich tun muss, weil ich einfach zu gehemmt war, und mir die Blösse nicht länger geben wollte, dass er merkt, dass ich keine Ahnung habe, ich war dann auch noch verantwortlich dafür, dass er nun ein Barotrauma hat (Ohrschmerzen verursacht durch zu schnelles Auftauchen). So gings also schon nach einem Tauchgang wieder nachhause, wobei ich mich schuldig fühlte, dass er nun Schmerzen hatte wegen meinem Versagen und viel Geld ausgeben musste für lediglich einen kurzen Aufenthalt. Zugleich hatte ich die Hoffnung, dass wir nun einige gemütliche Stunden der Zweisamkeit erleben könnten, da wir ja nun mehr Zeit hatten als geplant.

Aber da fings gleich wieder an: Taschen auspacken, nasse Sachen aufhängen, Wäsche waschen, in meinem Falle: duschen. Dann die ersten Entspannungssekunden, die aber auch gleich wieder Stress waren für mich: Film schauen. Tja, ich bin kein Filmmensch. Nicht nur, dass ich mich nicht auskenne und somit eh keinen Film aussuchen kann, ich mag Filme im Allgemeinen nicht so, sie dauern mir zu lang und was ich nicht kenne beäuge ich oftmals mit grosser Skepsis.

Er suchte dann letzten Endes den Film aus und kaum lief dieser an, war er in der Küche und fing an zu kochen. Ich hätte ihm gerne geholfen – und ganz bestimmt lieber als einen Film zu schauen – vor allem ganz alleine, aber ich wusste, er mag das nicht, wen man ihn nervt in der Küche. Also sass ich da. Und schaute mir einen Film an, und kam mir vor wie das Kleinkind, das man mit einem Film in die Ecke setzte, damit es beschäftigt ist.

Es folgte ein richtig leckeres Essen, das wirklich unglaublich stimmungsvoll war. Ich machte die Küche und er wuselte weiter, bis wir mehr oder weniger tot ins Bett fielen und ich am nächsten Morgen mit mörderischen Kopfschmerzen aufwachte.

Es war vermutlich ein Kopfschmerz durch den andauernden Stress. Der grösste Teil des Stresses war wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass ich keine Ahnung hatte, was ganz genau alles gemacht werden musste und wann und wie, und ich deshalb auch oft andere Vorstellungen vom Tagesablauf hatte, und seine Absenz beziehungsweise den Fakt, dass er selten neben mir sass oder sich Zeit nahm für mich darauf schob, dass er nicht bei mir sein WOLLTE.

Fazit dieses Erlebnisses: wenn ich nicht ganz genau weiss, was da alles läuft und wie, dann ist für mich ein solches Wochenende bloss Stress, der dazu führt, dass ich mehrere Tage brauche, um wieder zu mir zu finden und mich zu erholen.

Ich bin gespannt, ob ich da eine Möglichkeit finden werde, mit der Situation irgendwie umzugehen… Ich bin schlicht kein Wiesel auf Koks oder Eichhörnchen auf Energydrink… Ich bin viel mehr die, die Ruhe braucht, Entspannung, Nähe…

Aber wenigstens scheine ich ihn bisher noch nicht in die Flucht geschlagen zu haben, was ich nach diesem Wochenende schon beinahe befürchtete.

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