Glück im Unglück

Glück im Unglück

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Also es ist ja schon ein Phänomen das mich zur Zeit etwas verfolgt: Glück im Unglück… Oder zumindest heute zum zweiten Mal, und hoffentlich auch noch zum dritten Mal.

Aufgestanden, wollte ich nichts ahnend den Laptop einschalten um einen weiteren Beitrag zu verfassen, eigentlich über gestern Abend. Statt dass der Laptop allerdings wie gewohnt aufblinkte und mich anstrahlte, als ich den Schalter drückte, passierte gar nichts. Ganz klarer Fall: entweder war der Laptop oder das Netzteil tot. So oder so – wir brauchten nen Doktor und Glück im Unglück: Shanghai ist DER Ort, wenn es um technische Geräte, deren Vertrieb oder deren Reparatur geht (schliesslich ist ja alles made in China, also genau hier). Es ist bloss ein wenig schwierig, heraus zu finden, WO man da am besten hin geht, denn nicht überall ist klar, dass man es mit original Teilen zu tun hat. ^^

Zum Glück wusste mein Vater mindestens 3 Adressen (quer durch Shanghai verteilt und jeweils ca 30 Minuten mit der U Bahn auseinander liegend), wo es Hilfe geben könnte – mein Doktor war also irgendwo zu finden. Vorbei an zahlreichen Handy-Anbietern, kleinen Kabäuschen die gar nicht erst wirkten als wären sie ein Shop und an Bergen von technischen Utensilien vorüber, kamen wir zum Schluss bereits bei Adresse Nummer 2 zu einem Doktoren für mein Problem, der sich diesem gewissenhaft annahm, mein „Baby“ mit Vorsicht behandelte und zum Schluss nach 20 Minuten erkannte, dass es sich wohl um einen Schaden im Akku handelte, denn das Netzgerät war in Ordnung, die Buchse ebenfalls und somit musste es fast daran liegen. Ein Telefonat zu Kumpel X von Firma Y führte dazu, dass wir 4 Stunden später den Laptop wieder in funktionstüchtigem Zustand abholen konnten. Meine Erleichterung war beinahe grenzenlos. Nicht auszudenken, was wäre, wenn das Malheur in 2 Tagen, zuhause passiert wäre!

Nun ja, zum Glück ging da ja alles wieder einigermassen gut. Weniger bei meinen Kleidern, die ich mir gestern bestellt habe, die eigentlich Replikate werden sollten von einem Kleid, das ich seit 14 Jahren besitze, und das leider bald in Bestandteile zerfallen wird. Diese sollten heute eigentlich hier ins Hotel geliefert werden und siegessicher habe ich somit auf dem Rückweg ins Hotel, bei der Rezeption nachgefragt, und ging mit leeren Händen aus. Ich hoffe schwer, dass die Kleider noch ankommen, denn in nunmehr 12 Stunden gehts bereits wieder zurück zum Flughafen und da hier bereits 18 Uhr ist, könnte es durchaus etwas eng werden zeitlich ^^

Mal sehen, wie das nun ausgeht – aber irgendwie scheinen mich diese Momente zur Zeit eeeetwas zu verfolgen – aber nur ein kleines, kleines bisschen.

Dennoch sind die Erfahrungen hier grossartig. Es ist für mich eine riesige Horizonterweiterung, die Kultur der Shanghaianer (ich wurde aufgeklärt darüber, dass weder die Bewohner von Shanghai, noch die Chinesen, die Shanghaianer als Chinesen sehen) zu sehen und deren Lebensstil. Da gibt es nicht nur die verrücktesten WCs – wenn diese den Namen überhaupt verdienen, denn es handelt sich dabei um nach hinten abfallende Böden mit Gulli zum Schluss, wo jeder sich einfach hin stellt und sein Geschäft verrichtet (charmanter Weise hat es sogar seitliche Abtrennwände) – auch sind sie Meister im Überfahren von roten Ampeln, fahren Fussgänger um, wenn diese nicht sehr zielstrebig und bestimmt laufen, ohne dabei zu rennen, und sie lieben es, Handel zu treiben und zu feilschen. Dabei können die Wenigsten mehr als „hello, „good price!“, „try, try, try“ oder „oh no, no, your price too low“.. die Erkenntnis, dass man hier handeln muss, ist mir aber erst gekommen, als es bereits zu spät war: meine beiden Kleider habe ich in Auftrag gegeben für einen Preis, der sicher einen Drittel zu hoch war, wenn nicht sogar die Hälfte. Sehr frustrierend, aber ich hatte auch zu dem Zeitpunkt überhaupt keine Ahnung, wie viel ein ¥ (yuan) wert ist. Sehr böser Fehler, sehr kostspielig, da ich hätte 100.- sparen können… aber gut. Lehrgeld, wie man so schön sagt.

Den Rest meiner Einkäufe habe ich dann im Beisein meines Vaters getätigt und somit die Preise meist so gegen 40-50% gesenkt. Leider nicht den, für meinen Laptop, der war echt nicht runter zu handeln, aber den musste ich halt einfach haben und somit blieb mir keine Wahl. Da ich zuhause sicher das Doppelte gezahlt hätte, war das dann letzten Endes auch ok.

Ich ging davon aus, dass es hier einfach sein müsste, da es ja eine Weltstadt ist, an WiFi zu geraten, was auch grundsätzlich stimmt, bloss gibt es da jeweils die auch uns bekannten Log-in Screens, auf denen Man Angaben machen muss, nur stehen die Angaben nur auf Chinesisch da, was es schwer macht zu erahnen, was man da hin schreiben sollte. Also beschränkte sich WiFi auf Hotel und Restaurants, in denen man zumindest auf Anfrage dann das Internet nutzen konnte. WordPress ist aber schwer zu öffnen da, scheint zensiert zu sein und ich kann meine ganzen Posts hier nur mit Überlistung des Systems schreiben ^^ Auch ist hier jeder Androidaner ein armes Schwein, denn Apps aus dem Google-Store können hier nicht herunter geladen werden, da Google boikottiert wird und somit auch alles was googlebasiert ist (Google-Maps, Google Search engine (ein Hoch auf Bing und Yahoo, die bestimmt die Chinesen bestochen haben, damit sie den Suchmaschinen Riesen Google hier ausser Gefecht setzen können) App-Store, Dropbox, Skype ist Glückssache…) Faszinierend und echt schockierend diese Mediensperre und deren Willkürlichkeit.

Essen ist ein weiteres lustiges Kapitel. Ich dachte eigentlich, dass man hier günstig weg kommen würde, allerdings bedachte ich dabei nicht, dass wir die Strassenläden alle meiden müssen, wegen der Gefahr, Sachen zu erwischen, die unser europäischer Magen nicht verträgt oder schlicht hygienisch bedenklich sind. Somit mussten teure Restaurants her, um sicher zu gehen, dass Qualität und Hygienestandards den unseren entsprechen und wir haben beinahe so viel gezahlt, wie in der Schweiz. Dafür waren da dann die Menükarten auf Englisch übersetzt, es hatte Bilder zum Aussuchen der Gerichte und die Speisen waren, wenn auch sehr fremd (da wir die Speisen teilten und herum reichten hiess es dann jeweils „wer will noch… ähm, irgendwie „chicken“ mit so Nüssen?“ oder „hat jemand Lust auf Schwein mit … gute Frage, es ist lecker“) äusserst gut gemacht. Kein Fleisch war trocken, zäh oder faserig, Gemüse war zwar für meinen Gaumen interessant gewürzt aber super in der Konsistenz… Abenteuer für mich, da ich eigentlich nichts esse, was ich nicht kenne, aber da kommt man echt nicht umhin, Dinge zu kosten, die man normal nie testen würde.

Faszinierend ist auch, dass hier zwar viele Touristen sind, aber 90% davon sind Asiaten, vermutlich Chinesen. Da fällt man als Europäer einfach auf, nur schon dadurch, dass wir einfach 10 cm grösser sind und hellere Haare und Augen haben. Dann noch die Hautfarbe und die Gesichtszüge… wir sind einfach sehr anders und je nach Gebiet, wo wir uns befanden, wurden wir sogar um Fotos gebeten – als ob wir eine Attraktion wären ^^ Chinesen können auch wirklich sehr freundlich sein und hilfsbereit – wenn denn der Preis stimmt 😉

Verkehr ist auch witzig: mit dem Taxi ist es in sofern einfach, als dass man einfach eine Visitenkarte braucht von dem Ort, wo man hin will, damit der Taxifahrer die chinesische Wegbeschreibung lesen kann, nickt und dir den Preis machen kann vorab, aber der Preis kann je nach Uhrzeit stark variieren: wenig Verkehr, günstiger Preis, Rushhour, horrender Preis (meist das 3 Fache) und man muss den akzeptieren, denn nur 1 aus 10 Taxis ist zu den Zeiten interessiert, Europäer zu transportieren, die anderen fahren einfach weiter und ignorieren einen. Metro ist die kostengünstige Alternative, aber da ist man als Europäer dann echt total alleingelassen und ohne Kenntnisse der chinesischen Schriftzeichen ist es oft etwas ein Rätselraten, was nun passiert. Haltestellen sind zwar englisch beschriftet und somit irgendwie lesbar, aber die Preise, die einem abgezogen werden pro Fahrt können lustiger Weise sehr variieren und wir haben nicht verstanden warum. So oder so: viel günstiger ist es auf alle Fälle, eine eindrückliche Aktion ohnehin, Abenteuerlust und Experimentierfreudigkeit gehören aber dazu. Ich habe mich jedoch nie unsicher gefühlt, im Gegenteil, auch in noch so überfüllten Metros ging es friedlich zu und her, ausser dem völlig normalen Anarchiezustand beim Ein und Aussteigen, wo einfach JEDER der Erste sein will und die Stärke und Belastbarkeit seiner Ellbogen gerne auch demonstriert.

Wirklich süss war hingegen, dass unser Hotel unseren Nationalfeiertag geehrt hat, in dem es Ballons mit Schweizerkreuzen aufgehangen hat, Blumengestecke mit Schweizerkreuzen die Lobby zierten und die einen Angestellten eine Art Tracht trugen. Zudem wurde ein Bier serviert, das aus der Schweiz kommt, wie die Herren der Schöpfung am Abend feststellten. 🙂

Alles in Allem bin ich echt wahnsinnig positiv überrascht über dieses Land; ich hätte viel mehr Kulturschock erwartet und deutlich weniger Gastfreundlichkeit. Im Übrigen sind so eben meine beiden Kleider eingetroffen, die bestens passen und so sind, wie ich sie haben wollte. Auch wenn ich viel zu viel bezahlt habe dafür, wenigstens sehen sie klasse aus 🙂

In dem Sinne einmal mehr: Glück im Unglück.

Hier nochmals ein paar Eindrücke – hoffe, sie vermitteln euch einen kurzen Einblick in meinen Aufenthalt 🙂

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2 Antworten

  1. Patrick Helllinger
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    Schöne Einblicke! Ich wünsche Dir einen schönen Urlaub!

    • LyrenOrva
      | Antworten

      Vielen dank 🙂

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