Sinniger Unsinn

Sinniger Unsinn

eingetragen in: Dies und Das | 1

Da wollte ich ein paar Minuten mit Freunden aus dem grossen Kanton, ich glaube, man nennt ihn Deutschland, quatschen und wurd dauernd kritisiert für mein Deutsch: “Sinn ergibt sich, den macht man nicht“. Ich merkte, wie ich mich sofort total angegriffen gefühlt habe, denn ich versuche mich eigentlich, so gut es geht der deutschen Sprache anzupassen, wenn ich kann. So ist mein Akzent fast nicht hörbar, wenn ich Hochdeutsch spreche und darauf bin ich irgendwie auch reichlich stolz.

Nach dieser echt besch…eidenen Diskussion konnte ich es nicht lassen zu recherchieren. Und tatsächlich: die hatten recht. Sinn hat man oder er ergibt sich aber er wird nicht gemacht. Zumindest wird er wohl nur umgangssprachlich gemacht laut duden. Aaaaber: lese ich auch die noch so renomiertesten Zeitungen der Schweiz oder juristische Berichte, Dissertationen oder ähnliches, die von Schweizern verfasst werden, so ist es stets “Sinn machen“.

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass wir Schweizer halt anders sind… wir parkieren ja auch, nehmen den Apéro auf dem Trottoir zu uns, im Jupes und versehentlich nioch in den Finken, die wir vergessen haben vorher abzusziehen. Nachdem wir im Brockenhaus dann mit Münz aus dem Portmonntemonnaie ein Velo kauften essen wir einen dort gratis offerierten Cervelats… ja, man hätte bestimmt mehr Sinn und mehr Helvetismen in weniger Text verpacken können, aber ich flaub ihr seht, was ich meine: wir sind einfach anders.

In unserem Schweizerdeutsch, unseren zahlreichen Dialekten, die einander ja alle gleich gestellt sind, ist mir die Form, “Sinn ergeben“ nicht bekannt, “Sinn machen“ tut uns aber allen ziemlich alles. 

Ja. Ich musste das recherchieren. Ich konnte nicht anders. Zu meiner Beruhigung haben alle Beteiligten recht. Aber nur, weil ich Schweizerin bin…

Lustig fand ich dann aber, dass es genau so verpönt ist, “nicht wirklich“ zu sagen und auch “realisieren“ ist ein anglizismus. Während letzterer und auch “Sinn machen“ es in den Duden und mit lediglich dem Zusatz (ugs) geschafft haben, ist “nicht wirklich“ zu umgangssprachlich für Duden.

Dies führte zu einem ziemlich hämischen Lächeln auf meinen Lippen, denn “nicht wirklich“ ist eine der Lieblingsaussagen der guten Person, die mich andauernd kritisiert wegen meiner umgangssprachlichen Redewendungen und der Anglizismen.

Und weil ich eben nicht damit leben kann, dass ich etwas hätte falsch gemacht haben können, beschliesse ich nun, dass ich Sinn mache. Jawohl. Nämlich.

Eine Antwort

  1. Anonymous
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    In Norddeutschland nennt man es neben quatschen eher schnacken 🙂

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