Klappe die erste

Klappe die erste

eingetragen in: Telenovela | 0

Hauptrolle: Ich
Nebenrollen: „Ladylover“ „Martin“ „Peter“

Badoo installiert, habe ich als erstes selbst verständlich mal schauen wollen, was da alles auf dem Markt so zu haben ist. Echt interessant, wie sich Menschen in so Datingplattformen geben: da gibts die Gorillas, die ihren mit Muskelbergen bepackten Bodies zur Schau stellen, am besten gleich im Fitnesscenter, wo sie ohne hin die ganze Zeit sind und total verschwitzt (was mich immer wieder daran erinnert, wie es jeweils im Fitnesscenter so abgeht in der Muskelabteilung: stöhnende Männer, die ächzen und umso lauter werden, wenn eine Frau den Raum betritt. Wenn sie dann ihre 5 Wiederholungen geschafft haben, schauen sie sich um, ob sich jemand auf sie achtet und wenn ja, werden weitere 5 Wiederholungen mit lauteren Geräuschen gemacht…) Dann gibt es da die Macker mit ihren geilen Karren, die alle blitz blank poliert sind, selbst verständlich teuer und aller Wahrscheinlichkeit nach geleased (Freundchen ich hoff du hast nen sicheren Job sonst hast n Problem…), dann die Duckface-lovers, die lasziv in die Kamera schauen und so tun als würden sie dich grad knutschen (habe ich noch nie verstanden, was daran toll sein soll für ne Frau…), die „ich-stell-mal-50-Bilder-von-mir-hoch“ Typen, bei denen 49 Mal einfach das Gesicht zu sehen ist, aus immer der gleichen Perspektive, dem selben Gesichtsausdruck und den selben 5 Locations, oder das Gegenteil: Männer die lauter Bilder von ihnen und ihren Kumpels beim Saufen, abhängen, Chillen, mit Joint, Drink, Bier, Kippe… in der Hand online stellen…

Ja und dann gibt es noch einige wenige, die einfach Fotos von sich haben, bei denen man sieht, was sie in ihrer Freizeit tun, was sie mögen… (wie man sicherlich merkt, die Sorte Mann gefällt mir)

Nun ja am ersten Abend dann aber auch schon der erste Schock: Badoo beherrbergt voll viele Analphabeten. Ich mein, nichts gegen Analphabeten, die ärmsten tun mir leid und ich mag denen gönnen, wenn sie ein gutes Leben führen können und so… aber warum meldet man sich dann auf einer Plattform an, bei der man schreiben und noch viel schlimmer: LESEN muss?? Jedenfalls kann ich mir eigentlich so manch eine Reaktion nur dadurch erklären, dass die Person echt nicht lesen kann… Da schreibt man in seinem Profil, dass man Unterhaltungen sucht, dass man zwar Single ist aber nicht auf One Night Stands steht… Und die erste Anfrage/Nachricht die ich erhielt, beinhaltete genau vier Zeichen: „Sex?“ – erm, nein, eigentlich nicht….!?
So ging es den Abend über auch weiter „hey würd dich gern mal verwöhnen“ (ach ja, also verwöhnen tut man mich am besten oral: in dem man mit mir spricht, sich mit mir unterhält und mir die Ehre erweist, mich kennen zu lernen im absolut platonischen Sinne ^^) oder auch „hey, was suchst hier?“ (lies mein Profil, weist, da steht das so, iwie, ein wenig… ).

Selbst verständlich gabs auch ein paar nette Typen mit denen ich mich unterhielt. Unter anderem war da Peter, mit dem ich mich echt super unterhielt, der aber recht schnell zeigte, dass er wohl nicht so der einfühlsamste ist. Somit genoss und geniesse ich immernoch die Unterhaltungen mit ihm, aber eine Beziehung könnte daraus nie entstehen (Ausser es gibt in der Apotheke „Einfühlsamkeit“ zu kaufen (und mit etwas Glück irgendwann auch bei nem Discounter im Vorteilspack) dann würd ich das der ganzen Menschheit fast schon intravenös verschreiben…)

Daneben gab es dann auch noch Martin. Ein echt lieber, äusserst einfühlsamer Mann, mit dem ich einige Nächte durch gechattet habe, mich mit ihm super verstand und den ich nach 3 tägigem Schreiben dann auch tatsächlich einmal traf. Wir hatten eine echt romantische Zeit zu zweit, hatten uns super unterhalten, und ab der Minute als er im Bus sass um heim zu fahren gingen die Gespräche in schriftlicher Form weiter. Das ganze nahm nach 7 äusserst gesprächigen Tagen und ewiglangen Chatverläufen, 4 sehr intensiven Dates und einer hoffnungslos verliebten Lyren Orva ein jähes Ende. Es waren 7 äusserst intensive Tage, in denen ich regelmässig Selfies erhielt und Schatz genannt wurde, davon gesprochen wurde, wie sehr er in mich verliebt wäre… und dann „pluff“, wars aus – er wolle sich nicht an mich binden, er könne nicht – bla bla bla… Ab dem Moment fing ein echt fieses Spiel von ihm an, in dem er mir immer wieder Hoffnungen machte, sich mit mir treffen wollte, und das dann doch nicht tat. Nun ja, eines Abends hatte ich dann die glorreiche Idee, seine Arbeit aufzusuchen, denn ich wollte ihn dort abpassen und auf einen Kaffee einladen. Er arbeitete in der Pflege auf einer Demenz-Station und ich dachte, die hätten bestimmt eine Rezeption, an der ich mich melden könnte. Ich fuhr da also hin, und war schon überfordert dabei, zu parken: wo denn? Da waren zwei Möglichkeiten, aber an beiden standen wenig oder keine Autos. Verwirrt stellte ich mein Auto da hin, wo ich dachte, dass es sich für Besucher ziemt, stieg aus und lief zur Tür, die sich zum Glück öffnete. Drei Schritte durch die Tür fiel mir allerdings schnell auf, dass da kein Empfangstresen steht. Völlig überfordert schlich ich somit wieder raus, weil ich mich irgendwie fehl am Platz fühlte und vermutete, dass der Eingang an einem anderen Ort sei. Ich entschloss mich somit dazu, eine Runde um die Station zu machen, in der Hoffnung, nen offiziellen Eingang zu finden. Naja das Resultat war, dass ich von einer Pflegerin entdeckt wurde, wie ich um das Gebäude schlich und sie mich ansprach, was ich denn suche. Ohne zu überlegen meinte ich, dass ich „Martin“ suche, was darin endete, dass die in der ganzen Station herum telefonierte, ob der denn da überhaupt arbeite, ob der noch arbeite, wo der sei… ich hätte im Erdboden versinken können, denn ich wollte ja bloss vor dem Eingang auf ihn warten und ihn abpassen. Immer wieder betonte ich, dass das alles nicht so wichtig sei, ich doch auch einfach wieder gehen könne  und dass sie sich doch keine Umstände zu machen brauche. Leider vergebens. Letzten Endes wurde ich zur Stationsleitung gebeten und von einer übereifrigen Köchin da hin begleitet, die immer wieder betonte, dass wir Frauen zusammenhalten müssten und sie wolle, dass ich meinen „Mann“ finde und ihn zur Rede stellen könne (wie auch immer sie darauf kam, leider hatte sie ja nicht ganz unrecht und ich fühlte mich ertappt und durchschaut..) Immer mehr fühlte ich mich wie eine Stalkerin und wollte eigentlich nur noch weit weg. Allerdings liess sich die Köchin nicht beirren und man sah ihr an, dass ihr ihre Mission sichtlich gefiel: Botschafterin der Herzen… Ich kam im Zimmer der Stationsleitung an, und wurde durch 4 neugierige weibliche Augenpaare begrüsst, die sich auf mich richteten und sofort begannen, mich abzuchecken: was will die hier? Warum tut man sowas? Wer ist das?… Ich war sowas von überfordert mit der Situation und wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte (die Köchin stand hinter mir) ich wäre geflohen. So musste ich dann versuchen zu erklären, was da geschehen ist und hoffte, dass die mich nun nicht als die Stalkerin schlecht hin sahen, mich irgendwie verstanden und wollte aber eigentlich auch nicht meine ganze Geschichte darlegen, denn er sollte ja nicht in einem schlechten Licht da stehen bei seiner Arbeit. Irgendwie versuchte ich also diesen Drahtseilakt zu meistern und erfuhr dann, dass der von mir gesuchte „Martin“ zwar da arbeiten würde, aber heute einige Stunden früher gegangen sei. Unverrichteter Dinge und hoch roten Kopfes verliess ich also die Demenzstation wieder (wobei ich die Blicke aller vier Frauen in meinem Nacken spürte), und erhielt, am Ausgang angekommen, direkt ein Telefon von „Martin“ der empört über meine Aktion war (die Damen mussten ihn wohl informiert haben). Das Ende vom Lied: er war schockiert über meine Tat, wollte so den kompletten Kontaktabbruch und ich schäme mich immernoch, wenn ich an diese Situation zurück denke und sie euch hier schreibe. Ja, thats life: manchmal hat man echt garkeine bösen Absichten, aber endet als absoluter Stalker ^^

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