Lebensrad

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Ein eher dunkler Tag nimmt sein Ende. Angefangen hatte der Tag eigentlich nicht übel, aber je länger er andauerte, umso mehr konnte ich der schwarzen Wolke beinahe zusehen, wie sie sich über mir zusammenbraute. Dennoch war ich geschockt, als sie über mir zusammenbrach und mich mit ihrer unglaublichen Wucht in die Tiefe drückte, mich in die Knie zwang und den Anblick meiner Hilflosigkeit und Verzweiflung genoss. Über Stunden kam ich nur sehr schwer wieder hinaus und auch als der Effekt dieser Wolke langsam nach liess, so richtig wollte das alles einfach nicht mehr werden. 

Ein Gespräch mit einem meiner Männerbekanntschaften, war dann beinahe skurril: er schrieb mir, wie unglaublich glücklich er gerade sei, wie er durch seine Wohnung tanze seit einigen Tagen, da er so freudig erregt sei… Ich konnte mich dazu durch ringen, ihm gegenüber wenigstens so zu tun, als würd ich mich mitfreuen… Aber die Vorstellung eines Mannes, der zwei Tage freudig erregt durch die Wohnung tanzte war mir gelinde gesagt suspekt. Als ich ihm auf seine Frage, wie es mir ginge, wahrheirsgetreu antwortete mit „nicht so gut“ und ihm etwas skizzierte, was los war, kriegte ich lange Nachrichten, was doch alles toll sei an meinem Leben,wie privilegiert ich sei ect. Ich weiss, er wollte mir helfen und meinte es bestimmt nur gut. Es war allerdings ein Moment indem ich mich so richtig absolut misverstanden fühlte, denn mit positivem Denken konnte ich mal so überhaupt garnichts anfangen in dem Moment. Auf mich wirkten seine Aussagen beinahe schon hämisch, als wollte er sich über mich lustig machen…

Da fiel mir etwas ein, was mir im Laufe meines Studiums beigebracht wurde: das Rad des Lebens im Buddhismus: dass es beide Pole braucht, die Momente, in denen es einem schlecht geht und die, in denen es einem gut geht. Wenn es einem selbst gerade gut geht, dann ist es schwierig, sich in Menschen hinein zu fühlen, die es gerade nicht gut haben, denn ungern geht man, um nachfühlen zu können, auch nur kurzzeitig in die traurige Emotion des Gegenübers. Verständlich, eigentlich. Ich habe umgekehrt das Problem, dass es mir fast unmöglich ist, in meinem Tief, sein Hoch zu verstehen, denn ichbkann mich zu dem Zeitpunkt nicht mehr daran erinnern wie es ist, glücklich zu sein.

Das alles ist sicherlich stark abgewandelt und nicht originalgetreuer Buddhismus, also möchte ich mich entschuldigen bei Gläubigen, die sich vielleicht gerade angegriffen fühlen durch meine Zwecksentfremdung :-/
Jedenfalls fiel mir auf, dass dieses Misverständnis und die für mich äusserst skurrile Situation eigentlich primär daher rührten, dass unsere Lebensräder gerade absolut versetzt waren. Nun, da ich das erkannte, kann ich wenigstens aufhören, ihm übel zu nehmen, so unglaublich uneinfühlsam gewesen zu sein 😉 …und kann hoffendlich bald schlafen, da meine Kopfschmerzen sich endlich auch wieder legen 🙂 …guute Nacht

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