Leo

Leo

eingetragen in: Telenovela | 0

So viele Telefonate, unglaublich viel Aufmerksamkeit, endlich kann ich mich fallen lassen, einfach ich sein, einfach atmen. Er hat zwar wenig Zeit, jedoch schafft ers dennoch fast jeden Abend mit mir zu telefonieren und verzichtet dadurch auf Schlaf… seine Stimme tut gut, es ist schön, das Gefühl zu kriegen, dass man jemandem wirklich wichtig ist.

Wochen vergehen, in denen mein Highlight immer mehr die Abendstunden wurden, ein Auge auf das Handy gerichtet, im wissen, dass er sich melden würde. Und es war immer verlass auf ihn. Er meldete sich, egal wie viel er um die Ohren hatte. Es tat gut, sich so sehr darauf verlassen zu können, mal nicht im Ungewissen zu leben, sondern fest damit rechnen zu dürfen.
Immer wieder kam dabei ein Gesprächsthema auf: eine Tauchmesse, die bald statt fand, und für die er sich Zeit nehmen wollte (wobei zwischen den Zeilen immer klarer wurde, dass er primär wegen mir den ganzen Weg auf sich nahm – um mich wieder zu sehen). Es war ein seltsames, aber schönes Gefühl, so im Zentrum zu stehen.

Und da kam dann auch schon wieder die Realität angerannt: hey, er hat eine Freundin, was bildest du dir da darauf ein!? Und selbst wenn er sie jetzt nicht mehr haben sollte – was sagt das über einen Mann aus, wenn er sich bereits einen Plan B aufbaut, bevor er Plan A gehen lässt? – Ok, andererseits bin ich ja auch selber nicht besser. Also kann ich das nicht gegen ihn verwenden. Aber nochmals: wer sagt denn bitteschön, dass er wirklich etwas von mir will, ausser Freundschaft?

Die Verwirrung nahm stetig zu. Die Sehnsucht nach einer Beziehung, nach einem Mann, der mir Beachtung schenkt, mich nicht vergisst und Berge versetzt, um Zeit zu haben… Und dann zum einen die nagende Frage, was den mit Etienne nun ist, denn er hat ja noch immer nichts gesagt, nicht geantwortet, lässt mich im Dunkeln. Und da waren ja noch so viele andere ungünstige Gegebenheiten: Er lebte ewig weit von mir entfernt, arbeitete noch ein ganzes Stück weiter weg und hatte so gut wie keine Zeit. Es wäre also eine Fernbeziehung auf Wochenendbasis mit beinahe keiner Zeit.

Und dennoch: jedes Mal, wenn ich von ihm las, war da Herzklopfen, jedes Mal, wenn er sich meldete und ich ihn bei Videogesprächen vor mir sah, stockte mir der Atem, und ich fühlte mich wohl, geborgen, beachtet…

Bitte hinterlasse eine Antwort