Macht der Worte

Macht der Worte

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Ich bin eine Quasselstrippe, das dürfte allen bekannt sein mitlerweile 😉

Gestern jedoch wurde mir einiges sehr bewusst: während eines Telefonates mit einer Freundin ging es letzten Endes unter anderem um Etienne und meine Unfähigkeit, von ihm abzulassen. Ich merkte, wie ich es überhaupt nicht vertragen konnte, dass meine Freundin mir erklären wollte, dass er nur mit mir spielt und ich endlich von ihm ablassen solle. Das kann und will ich zur Zeit noch nicht glauben und entsprechend will ich es natürlich auch nicht hören. Am Telefon wurde ich dann richtig agressiv, wies sie in die Schranken und liess sie fühlen, dass ich überhaupt nicht gleicher Meinung bin wie sie. Ich glaube nach wie vor dran, dass da noch Hoffnung ist, alles bloss ne Frage der Zeit und so. Ja, als Freundin von mir, würd ich schon lang hoffen, dass ich es anders sehen würde und von ihm abliesse. Aber ja, ich bin halt ich, und nicht die Freundin von mir. Und somit konnte ich das einfach nicht wahrhaben. Sobald ich mich in die Enge gedrängt fühle, fange ich an, zu unkontrollierten Rundumschlägen auszuholen und mich in Rage zu reden. Genau so fange ich auch an, mich immer mehr in die Situation hinein zu steigern und ich sehe genau, wie ich mich immer mehr in eine Sackgasse verrenne und dort dann keinen Schritt mehr zurück machen kann, weil das würde dann ja bedeuten, dass ich einlenke und dem Gegenüber einräume, dass es recht haben könnte, nicht ganz falsch liegt oder so. So schaukelte sich die Situation dann richtig schön hoch als ich plötzlich endlich realisierte, was ich da eigentlich tat.

Der Schock über mein eigenes Verhalten war gross und es bedurfte viel Kraft und Mut, die Situation wieder zu entschärfen, ihr irgendwie aufzuzeigen, dass ich gerade einfach nicht in der Lage bin, es anders zu sehen als so, wie ich es gerade geschildert habe, dies aber nicht bedeute, dass sie nicht unter Umständen recht behalten könnte. Zum Glück lenkte sie schnell ein, was dazu führte, dass sich unser Gespräch wieder etwas auflockerte. Dennoch tut es mir leid, dass es überhaupt soweit kam.

Gerade danach habe ich jemandem eine liebe Nachricht geschrieben, konnte dann aber nicht damit umgehen, dass die Person glaubte, dass es mir nun gut ginge und mir entsprechend wünschte, dass ich weiterhin eine gute Zeit haben solle. Ich konnte nicht verstehen, wie man auf die Idee kommen könnte, dass es mir gerade gut ginge und fühlte mich im falschen Film. Was zum Geier führt eine Person dazu, so unsensibel zu reagieren? Erst als ich ihr einen Roman geschrieben habe, wie schlecht es mir geht und wie überhaupt und sowieso nie etwas toll sein könne in meinem Leben, und das heute nochmals las, fiel mir auf, wie schrecklich negativ mein Kommentar war und wie er die Stimmung ganz schön vergiftet hat.

Die Zwei Erlebnisse zeigen mir drastisch auf, wie enorm die Wirkung von Worten eine Stimmung und letzten Endes auch eine Freundschaft beeinflussen kann. Ich glaube nicht, dass ich das nun von eins auf zwei ändern kann, und ich glaube auch, dass eine Freundschaft aushalten muss, dass es einer Person einmal nicht gut geht und somit nicht immer eitel Sonnenschein herrscht. Aber dennoch: ich möchte nicht mehr mit Worten die Stimmung runter ziehen, andere dazu bringen, dass es ihnen am Schluss genau so schlecht geht wie mir in dem Moment.

In dem Sinne wünsche ich allen einen schönen Tag, ob es ihnen gerade gut geht oder schlecht, ich hoffe, dass sie einen Tag erleben können, der ihnen mindestens einmal ein kurzes Lächeln auf die Lippen zaubert 🙂

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