Meine Droge

Meine Droge

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Manchmal fühle ich mich wirklich, wie ein Junkie: wenn ich meinen Stoff nicht habe, so bin ich einfach ein absolut anderer Mensch. Ich leide unter Kopfschmerzen, bin zur Zeit total labil, kann nicht für mich einstehen, fühle mich wie ein Spielball, der einfach herum geworfen wird, wo auch immer es dem Umfeld gerade so gefällt… Das Leben scheint einfach zu machen mit mir, nicht ich habe das Leben im Griff, sondern das Leben oder die Umstände haben mich im Griff. Fest. Bestimmt. Unnachgiebig.

Ich versuche mich loszureissen, doch leider scheine ich mich, wie eine Fliege im Spinnennetz, nur immer noch schlimmer zu verheddern, je mehr ich mich versuche zu wehren. So harre ich nun also einfach aus. Warte.

Ich musste mein Medikament absetzen, denn es hatte einfach zu viele Nebenwirkungen. Da dieses Mistvieh aber blöderweise sehr eigen war, musste ich nun zwei Wochen komplett ohne Medikament verbringen. Es war einmal mehr die Hölle. Tiefe Täler, unendliche Abgründe und eine Dünnhäutigkeit, die mich in die Knie zwang. Tage absoluter Emotionslosigkeit, lustloses Dahinvegetieren… Einzige kurze Blitzlichter: die Momente mit Leo. Seine Stimme, seine Worte… und die zahlreichen Treffen mit Freunden, Spaziergänge die mich kurz etwas aufheiterten, Klettern, das mich etwas ablenkte, tanzen, das mir neue Kraft gab.

Heute hätte es nun soweit sein sollen – ich hätte mein neues Medikament erhalten sollen – endlich Hoffnung in Sicht. Wie tragisch ist das eigentlich, dass man einfach nur unter Einfluss eines Medikamentes überhaupt das Gefühl hat, zu leben? Jedenfalls kam ich da an, wollte mein Medikament beziehen und erfuhr, dass mein Arzt wohl vergass, die Dosierung zu vermerken, sich aber gerade im Urlaub befand. Die Dame am Empfang konnte mir somit das Medikament nicht aushändigen und vertröstete mich um eine Woche. Mir war garnicht bewusst, wie sehr ich mich an diesen Gedanken gekrallt habe, dass ich bald endlich wieder aufatmen könnte dank dem Medikament. Als nun eine weitere Woche des Wartens anbrach, riss mich das endgültig in die Tiefe. Wie konnte es sein, dass mein Arzt sowas vergass zu vermerken? Wie kann es sein, dass ich nun noch länger leiden muss, nur wegen dieser Schlamperei, für die ich nichts konnte? Warum muss ich nun nochmals eine Woche ausharren? Wie soll ich das schaffen?

Langsam spiele ich mit dem Gedanken, mich einweisen zu lassen, einfach für diese Woche. Aber ich weiss, dass das so schnell garnicht gehen würde, weil ich noch nie in stationärer Behandlung war, weil mein Arzt mir ja keine Überweisung aussprach, weil ich also allein bin. Es nützt also nichts, irgendwie muss ich die Woche überleben. Irgendwie. Medikamente sind ein Müll – aber ohne sie ist das ganze Leben eine Katastrophe.

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