Murphy’s Law

Murphy’s Law

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Wenns mal läuft… Da stehe ich heute früh nichtsahnend auf, Koffer gepackt und lediglich noch Blumen giessen bei der Nachbarin, mich etwas aufhübschen und den Schlüssel meiner Wohnung bei nem Freund hinterlegen. Danach auf zum Flughafen und ab nach Shanghai mit meinem Vater. Lang ersehnt, endlich da – total nervös und voller Vorfreude.

Tja, da schreibe ich gerade noch eine SMS, bzw. heute ja eher eine WhatsApp Nachricht, gehe aus dem Haus (glaube, mein Handy noch in der Hand zu haben) und stelle 2 Minuten darauf fest, dass ich mein Handy NICHT in der Hand halte. Lediglich andere Dinge wie meinen Schlüssel finden sich da vor. Überzeugt, dass mein Handy dann wohl doch noch zu Hause ist, erledige ich kurz meine Pendenzen um dann wieder zurück zu kehren und mein Handy, zu meinem Erstaunen und grossen Schreck, nirgens zu finden! Habt ihr auch schon diese Frage im Kopf gehabt, was wäre, wenn ihr euer Handy nun eben nicht hättet? Es gibt doch diese Geschichten, wo etwas absolut Kleines passiert, allerdings über kurz oder lang hohe Wellen schlägt. So ähnlich ging es mir gerade, denn ich bin quasi ein Handy-Junkie, kann ohne dieses eckige Ding mit den bunten Bildern und Pixeln, quasi ohne „das Tor zur Welt“ nicht leben. Heute aber war das besonders ungut: Ich war mehr oder weniger auf dem Weg, eine Reise anzutreten und somit waren sowohl die Zugfahrkarte wie auch mein Flugticket bereits heruntergeladen, Apps für die Verständigung am Zielort installiert sowie die Adresse des Hotels gespeichert.

Also nicht aufgeben, tief durchatmen, den Weg nochmals zurückgehen und schauen, ob ich mein Handy irgendwo unterwegs noch finde, denn davon hing, so fühlte es sich zumindest an, mein Leben ab. (Das Klappern eines zu Boden fallenden Handys dürfte allerdings eigentlich nicht zu überhören sein…) Selbstverständlich war es allerdings auch nach mehrfachem Ablaufen des Weges nirgens zu finden. Wäre ja auch zu schön gewesen. Vertieft in meine Suche muss ich die Zeit völlig vergessen haben, was dazu führte, dass ich meinen Zug verpasste! Fluchwörter, die wir hier mal nicht weiter ausführen schossen mir durch den Kopf. Soll das nun wirklich deren Ernst sein? Ich verpasse meinen Flug, weil ich 5 Minuten vor Abfahrt mein Handy verlegt habe?? Ich kam mir vor wie in einem schlechten Scherz, einer Art versteckter Kamera oder ähnlichem.

Da fiel mir ein, dass ich ja ein altes Handy in Betrieb nehmen könnte (denn ich benötigte für die Reise wirklich dringend ein Handy, damit ich mit den Leuten vor Ort überhaupt kommunizieren konnte, Treffen vereinbaren ect..) also nochmals heim, ein Handy, das ich gottseidank noch habe, aus den Untiefen meines Kellers hervor klauben und hoffen, dass es noch ein wenig Restladung hat. Auch das ist leider nicht wirklich der Fall. Nun ja, ich hatte ja einen externen Akku, also nochmals tief durchatmen, keine Panik aufkommen lassen und einfach weiter im Text. Gepäck fassen, Handtasche nochmals nach meinem eigentlichen Handy durchforsten (vielleicht hatte ich es ja bloss nicht gesehen?) und zu guter Letzt mit altem Handy, einer Pre-Payed Sim (die ich zum Glück noch hatte von einem ehemaligen Freund…) und viel Angst und Nervosität auf den nächsten Zug hetzen. Neue Fahrkarte lösen, Fahrplan heraussuchen (zum Glück konnte ich die Verbindung herauskriegen, da es auf der Sim noch Restguthaben hatte) und völlig zitternd vor Aufregung in den Zug einsteigen…

Nur um bei der Abfahrt zu merken, dass ich in meiner Hektik den Zug in die falsche Richtung erwischt habe! Denn statt in meine Richtung zu beschleunigen, fiel ich fast vorn über, weil der Zug «verkehrt rum» fuhr. Das durfte nun echt nicht wahr sein! Aus meinen sicheren 2 Stunden, die ich ursprünglich gehabt hätte für den ganzen Check-in Prozess am Flughafen, blieben mir so noch genau 55 Minuten! Es brauchte echt viele Nerven, da nicht die Fassung zu verlieren, aufzugeben und sich dem Schicksal zu ergeben. Überprüfung des Fahrplanes ergab, dass ich es noch schaffen konnte, denn ich musste gottseidank ja nicht von Anfang an beim Bording schon am Gate sein, das gab mir also zusätzliche 15 Minuten Zeit, die ich nutzen konnte, irgendwie durch den Flughafen, Sicherheitskontrollen ect. zu kommen. Es würde knapp werden, das war klar, aber es würde noch aufgehen, wenn ich mir nun keine weiteren Fehler mehr erlaubte. Ich überprüfte also nun alles immer zweimal.

Die Uhr in mir begann zu ticken, sobald ich einen Fuss auf das Perron beim Flughafen setzte. Zum Check-in Schalter ging es einmal quer durch den Flughafen aber der Weg war mir bestens bekannt und ich erstaunte mich selbst, wie schnell ich von A nach B kam, wenn ich bloss musste. ^^ Einchecken, tick tack, Koffer aufgeben (danke an die absolut herzensliebe Dame, die mich durch die ganze Schlange nach vorne zerrte und direkt zum ersten freien Schalter brachte), tick tack, Sicherheitskontrolle – immer ein enorm langwieriger Prozess, da ja jeder seine Flüssigkeiten separieren muss, die elektronischen Geräte aus der Tasche zu kramen hat, Schuhe ausziehen, Gürtel weg… tick tack, Wenigstens hats nicht gepiept bei mir (alles auch schon vor gekommen «Routine Untersuchung» – da war ich wohl einfach Nummer 100 und wurde darum auserkoren, überprüft zu werden – hatte damals aber zum Glück nichts prekäres dabei^^) nun war aber wenigstens da Ruhe, Ordnung und alles lief nach Plan.

In unserem Flughafen ist es so, dass die Fernflüge von Gates aus gehen, die man nur erreicht, indem man per U-Bahn fährt. Nächster Schritt also: anstellen in der irre langen Schlange für die U-Bahn (hatte ich noch nie, bisher ging das immer reibungslos und absolut ohne «Stau»). Das «Gedudel» der U-Bahn (sie wollten wohl «Swissness» vermitteln mit Kuh-Muhen, Glocken, Jodel und Alphörnern… ich schäme mich jedes Mal ins Bodenlose) über mich ergehen lassend, stehe ich dann in der völlig überfüllten U-Bahn und hoffe, dass ich nicht etwas vergessen habe. Nein, zum Glück nicht, Tasche da, Handy da, Pass da, Bordingkarte auch… Alles gut. Bei einem Tag, der so anfängt, macht mich das allerdings fast schon etwas stutzig. ^^

Irgendwann musste es jedoch auch wieder aufwärtsgehen: ich war gerade noch rechtzeitig am Gate und bis die anderen Passagiere alle eingestiegen waren, hatte ich auch meinen Pass an der entsprechenden Stelle überprüfen lassen darauf, dass ich ein Visum habe, und kriegte meinen tollen blauen Stempel auf die Bordingkarte. (Das ist fast so, wie wenn man früher von der Primarlehrerin einen kleinen Stempel gekriegt hat auf das Arbeitsblatt mit «Super!» oder «weiter so!» – voll der Glücksmoment, ich hatte also tatsächlich alle Dokumente zusammen, um nach Shanghai zu reisen)

Im Flugzeug dann mal wieder der ganz normale Wahnsinn: zu viele Leute, ich musste natürlich ganz nach hinten in die vorletzte Reihe, also vorbei an allen, die versuchen, ihre sich erstandenen Schätze in den viel zu kleinen Overhead-Bins zu verstauen (zumal die ganzen Taschen auch irre schwer zu sein schienen, vermutlich prall gefüllt mit Schokolade, mehreren Uhren und Käse… Who knows ^^ ) hin zu meinem Platz, der von meinem Sitznachbarn erst wieder frei geschaufelt werden musste, da er dachte, er hätte das grosse Glück, dass neben ihm niemand sitzen würde und er quasi zwei Sitze zum Preis von einem gehabt hätte. (Was sich dann später sogar noch bewahrheitete)

Erst grad so richtig angekommen, erlebte ich, wie vor mir eine chinesisch sprechende Dame aus dem Flugzeug komplimentiert wurde. Dazu benötigte es gleich zwei Flightattendants: den Kabinenchef und eine, die chinesisch sprechen konnte, um der Dame irgendwie klar zu machen, dass es «no discussion, tell her, she MUST go!» sei, und kurz darauf 3 Plätze geräumt waren: der der Dame, der ihres Mannes und der ihres Sohnes. Die wildesten Fantasien kamen mir, denn man will sich ja solche Phänomene immer irgendwie erklären können. Vielleicht war sie illegal im Flugzeug? Vielleicht war sie eine terrorverdächtige? Man weiss ja nie…? Angeblich kommen die ja immer sehr unauffällig daher… Andererseits, bei so vielen Sicherheitsschleusen wie man heute durchläuft, würde es mich dennoch wundern, wie man das schaffen sollte. Aber Beispiele zeigen ja, dass es anscheinend machbar ist. Beinahe unspektakulär schien mir dann die Erklärung, die kurze Zeit später gebracht wurde: Die Familie wurde ausgeladen, da die Frau ein gesundheitliches Problem hatte, sich kein Arzt an Bord befand und der Kabinenchef die Verantwortung nicht übernehmen wollte. Nun ging das grosse Raunen durch das Flugzeug, denn weil die Koffer dieser Familie ausgeladen werden mussten, und das ganz schön dauern kann, hatten wir zum Schluss beinahe 60 Minuten Verspätung (da hätte ich ja noch enorm gemütlich zu Hause noch eine weitere Stunde mein Handy suchen können…) aber na gut, zu meinem Erstaunen war nicht ich Schuld an unserer Verspätung, denn wie durch ein Wunder habe ich es trotz allen misslichen Umständen geschafft, nun im Flugzeug, an meinem Platz, mit eingechecktem Koffer und Handy in der Hand zu sitzen und mich einmal mehr mit dem on-bord-entertainment auseinander zu setzen.

Heute: Big-Bang Theory, denn irgendwie habe ich keine Lust, gleich zu Anfang einen Spielfilm zu schauen, wo ja ohnehin dauernd wieder irgendwas ist: Nachbar, der aufs Klo muss, Flightattendant, die gerne wissen möchte, was ich trinken möchte, Nachbar, der vom Klo zurück kommt… Und dann plötzlich der Kabinenchef, der sich mir unerwartet zeigt und sich entschuldigt, mich nicht gleich von Anfang an «nach Vorne» gewunken zu haben (warum sollte er auch? Nur weil ich die Tochter eines Piloten bin habe ich keine Sonderrechte, sondern wenn überhaupt, dann liegt es im Ermessen von eben diesem Kabinenchef, zu entscheiden, ob er mir etwas anderes bieten will oder nicht. Aber gut, wir leben wohl in einer Gesellschaft, in der man das Gefühl hat, den Leuten mit Status und deren Sprösslingen müsse man besondere Leistungen zukommen lassen… traurig, dass es sogar andere Pilotenkinder gibt, die tatsächlich total eingebildet sind und eine Spezialbehandlung fordern…) – ich solle bitte all mein Hab und Gut packen und mitkommen. Normal wird man eigentlich, einmal platziert, nicht mehr umgesetzt, denn die Verstörung der anderen Passagiere ist nicht gerade klein, wenn da plötzlich eine Person aufsteht und im bereits sich in der Luft befindlichen Flugzeug beschliesst, zu gehen. (Wo hin denn??) Nun denn, so hatte ich dann also die Blicke der gesamten Economy auf mir als ich da so meine sieben Sachen packte und hinter dem Kabinenchef her trotte(l)te. So fand ich mich als bald in einem geräumigen Businesssitz wieder und hatte erst einmal Mühe, mein Glück zu fassen, nach einem solchen Start in den Tag, war das ein enormer Segen für mich.

So etwas in der Art wird sich mein ehemaliger Nachbar, in seinem Sitz ganz hinten, auch denken, der sicher bald feststellt, dass ich nicht mehr kommen werde und somit den Sitz wieder als Ablagefläche nutzt. Ich mag es ihm gönnen, schliesslich ist der Flug echt lang – da kann ein wenig mehr Abstellfläche viel ausmachen.

Ja, wenn man sich jeweils mal so ganz im Geheimen frägt, was wäre, wenn man sein Handy vergisst, verliert oder mal ein paar Stunden nicht nutzen kann… käme man dann echt auf eine solche Story? Verblüffend und etwas schockierend, wie angewiesen wir heute darauf sind, dass Handys funktionieren, existieren und man sie nicht verliert oder vergisst oder sie im schlimmsten Moment kaputtgehen wie es meiner Freundin letzthin passiert ist, als sie in New York war. Murphys Law gilt wohl einfach immer – der Beweis wurde mir gerade einmal mehr sehr blumig und deutlich erbracht. Vielen Dank, manchmal glaube ich Dinge auch, ohne dass man sie mir erst einmal demonstriert. ^^

Nun freue ich mich auf meinen gedeckten Tisch, das Essen (was auch immer es sein wird, da es nach all der Aufregung heute meine erste Mahlzeit sein wird, (wer mich kennt weiss, dass das für mich eine Katastrophe ist, 5 Stunden unterwegs zu sein und noch nichts gegessen zu haben) wird es so wie so sicher lecker sein J ) und einen hoffentlich richtig schönen Aufenthalt.

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