Selbstwert

eingetragen in: Dies und Das, Nachdenkliches | 0

Was ist es bloss mit unserem Selbstwert? Ich habe gerade heute wieder mehrfach beobachtet, wie ich Leute belächelt habe, die eindeutig eine hohe Selbsteinschätzung hatten, und diese nicht ganz zusammenpasste mit dem, wie sie dann wirklich waren. „Grosse Klappe und nichts dahinter“ oder ähnliche Sprüche kommen uns da sehr schnell über die Lippen.

Manchmal frage ich mich, warum wir uns schon fast freuen, wenn jemand anderes schlechter ist als er oder sie angekündigt hat? Fühlen wir uns dadurch einfach besser, da wir sehen, dass Person X auch nicht alles kann? Ist es Schadenfreude? Aufpolieren des eigenen Egos?

Allzuoft würde ich gerne von mir behaupten, dass ich etwas gut kann, oder dass ich mir heute gefalle, wenn ich in den Spiegel schaue… aber da ist immer wieder die Angst, dass ich mich mit solchen Aussagen lächerlich machen würde und ich somit besser meinen Mund halte. Noch besser sind die klassisch weiblichen Aussagen wie „ach ich glaube, ich kann das nicht so gut“ oder „ich bin da echt schlecht drin“ wobei sich Frau dann insgeheim erhofft, dass sie besser ist, als dass sie sich darstellt und somit Lob einfängt. Dies stärkt das Selbstvertrauen und Frau fühlt sich bestätigt drin, dass der Weg, an Lob zu kommen wohl der ist, sich im Vornherein schlechter darzustellen als dass man eigentlich ist. Denn so kommt sie mit einem guten Gefühl nachhause und glaubt kurzzeitig an sich.

Wenn sie ehrlich gewesen wäre und gesagt hätte, dass sie glaube, durchaus gut zu sein, hätte sie sich statt dessen bei jedem Patzer anhören müssen, dass sie ja wohl doch nicht ganz sooo gut sei. Es wird also der Fokus genau auf das Negative gelenkt. Frau geht dann somit geknickt nachhause und fühlt sich schwach und schlecht. (Anmerkung: ich schrieb hier von Frauen, weil ich dieses Phänomen in meinem Umfeld nur bei Frauen beobachte)

Ist es nicht schade, dass wir uns immer schlechter darstellen müssen als wir glauben zu sein, wenn wir ein Fünklein Lob haben möchten?

Es gibt ja dann noch die Art von Mensch, die andere gezielt schlecht macht, um besser da zu stehen. Oftmals trifft es dabei Leute, die ein Defizit haben, genau da wo die Person gut ist, die dann darauf herum hackt. Wenn der/die Erniedrigte in einigermassen guter Verfassung ist, kann er/sie vermutlich relativ gut umgehen mit solchen Erfahrungen, zuckt vielleicht bloss mit den Schultern oder gibt einen kessen Kommentar zurück. Ist aber die Person gerade nicht gut drauf und hat vielleicht an dem Tag schon mehrere „Rüffel“ abbekommen, so kann dies durchaus schlimme Folgen haben. Die Person kann zu aggressivem Verhalten neigen, oder aber sich gänzlich zurück ziehen und vielleicht immer weniger an sich glauben je mehr die andere Person so weiter macht. Es gibt also dem/der Einen sehr wohl Selbstvertrauen, nimmt es aber unter Umständen der anderen Person. Fair wäre anders, aber wenn wir uns umschauen, so kennen wir vermutlich alle solche Erlebnisse und Menschen, die dazu neigen, ihren Selbstwert auf Kosten Anderer aufzubauen.

Weil mir dies in letzter Zeit allzu oft auffiel und ich mich einfach immer mehr genervt habe über Menschen, die mich erniedrigen, um selbst gut dazustehen, habe ich gelernt, endlich für mich einzustehen. Nicht dadurch, dass ich selbst anfange, andere zu erniedrigen, sondern indem ich den Personen Einhalt gebiete, die zu weit gingen. Zudem habe ich in letzter Zeit angefangen, Menschen zu loben, wenn sie meiner Meinung nach toll aussahen oder etwas gut gemacht haben oder sie mich mit etwas beeindruckt haben. Dies waren des öftern auch wildfremde Leute auf der Strasse, im Kaffee oder auf der Piste. Die von mir gelobten Personen wiederum reagierten häufig überrascht, aber als sie sich erholt haben vom Schock, dass sie ein Lob von jemand Wildfremden erhielten, waren sie gerührt und einfach für einen Moment happy. Dies wiederum machte auch mich glücklich und vielerorts entstanden so richtig nette kurze Gespräche, welche ich sonst nie erlebt hätte.

Es ist doch echt schön, jemand anderem eine Freude zu machen (und vielleicht kriegt man ja ein Lob zurück…?) Also hier der Aufruf: geht doch einmal auf jemanden zu und lobt ihn/sie, statt sich über all die hochnässigen Leute aufzuregen, die sonst noch so auf diesem Planeten existieren. 😉