sich überstürzende Ereignisse

sich überstürzende Ereignisse

eingetragen in: Schönes, Telenovela | 0

Spontan wie ich meistens bin, liess ich mich heute dazu hin reissen, mit einer Freundin Kaffee zu trinken, an einem wunderschönen, für Frühlingsverhältnisse wirklich heissen Tag. Besonders erfreut und irgendwie einwenig hibbelig war ich, weil sie zu mir kam. Ganz freiwillig! Ich lebe eigentlich nicht sehr ab eck, aber dennoch ist das für viele schon umständlich genug, als dass sie mich nicht besuchen kommen. Somit bin ich normalerweise die, die zu den Freunden fährt, sie irgendwo in einem Kaffee auf halbem Weg trifft oder so. Sie kam nun aber zu mir – ich war somit den ganzen Morgen über damit beschäftigt, meine Wohnung blitze blank zu putzen, aufzuräumen und mal die ganze Winterdeko verschwinden zu lassen und durch angemessene Frühlingsdeko zu ersetzen. (Pokerface aufsetzen: ja klar, Deko ist mir wichtig, die passe ich immer an *hüstel*)

Trotz massiver „Belastung“ und Ablenkung, musste ich den ganzen Morgen immer noch an die Ereignisse des Vortages denken, was mir kalte Schauer den Rücken runter laufen liess. Es ging mir aber schon deutlich besser: Gespräche sowohl mit meiner Cousine, als auch mit meiner besten Freundin, haben mir sehr geholfen. Es war halt, wie man es ganz klassisch in Lehrbüchern zu Missbrauchsfällen sieht: die ersten Reaktionen im Umfeld prägen, wie man selber mit sich und der Situation umgehen kann. Auch half mir, dass Etienne mir beistand, mich unterhielt mit witzigen Geschichten von seinen dümmsten Hundebesitzern (die bei ihm zwar ins Hundetraining kommen, jedoch nicht üben mit den Hunden und er somit auch nicht wirklich Wunder bewirken kann…) oder andere Mittrainierende im Fitnesscenter um die Ecke, die er liebevoll „Gorillas“ (im Falle der aufgepumpten, Anabolika süchtigen, selbstverliebten und mit Geltungsdrang versehenen Männern) und „Walrösser“ (im Falle der Frauen, die man bemitleiden muss, weil ihre Grösse der Sportkleidung einfach nicht mehr verfügbar war, sie somit in viel zu kleine Grössen gezwängt auf dem Laufband stehen müssen und sich die Blösse geben, wie eine Presswurst auf Beinen auszusehen) nennt.

Auch am besagten Morgen wurde ich unterhalten durch Bilder der hübschen Stadt in der er die Post austeilte, Geschichten seltsamer Passanten und wundersamen Fragen, die ihm gestellt werden. Zum Schluss führte dies zur Frage, ob ich am selben Abend zufällig lust hätte, ihn nochmals zu treffen – für einen Spaziergang mit seinem Hund. Noch immer haderte ich mit meinen Gefühlen, was ihn anbelangte: Einerseits liess rein die Vorstellung, ihn zu treffen, ein Lächeln auf meine Lippen zaubern, ich unterhielt mich so blendend mit ihm und er schien mir wirklich gut zu tun, andererseits wusste ich, dass ich mit den Umständen echt nicht klar kommen würde – oder es echt knackig würde. Sein Vorschlag war es, dass wir einfach Freunde sein würden, in der Hoffnung, dass sich seine Umstände irgendwann so veränderten, dass wir eine Chance hätten. Damit tat ich mich echt schwer, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich meine Gefühle, die immer stärker zu werden schienen, je länger ich mich mit ihm unterhielt, so dermassen abkapseln können würde, dass ich einfach eine Freundin sein konnte. Herz über Kopf: ich willigte trotzdem zum Treffen ein, denn irgendwie konnte ich das einfach nicht ausschlagen.

Parallel zu meinem Putzvorhaben, dem Dekorieren und dem Getippe mit Etienne, meldete sich nach wie vor auch Ben immer wieder zu Wort. Dies war wirklich sehr schwierig für mich, denn zum Einen wollte ich ihm nicht erzählen, was für ein Gefühl ich am Schluss unseres letzten Treffens hatte, denn ich wollte ihn nicht verletzen, andererseits, wenn ich ihm nicht erklärte was los war, würde er bestimmt keine Ruhe geben. Immer noch absolut nicht wieder komplett mich selbst, nach wie vor neben mir stehend, konnte ich einfach schlecht für mich einstehen. Seit zwei Tagen wollte er wissen, wann wir uns das nächste Mal treffen könnten. Er teilte mir immer wieder mit, dass er mich vermisse, spitz werde, nur schon beim Gedanken an unsere Nacht und dass er zwar am Wochenende seine Tochter bei sich hätte, aber sie am Sonntag Abend zurück bringe und somit Zeit hätte. Erst konnte ich ihn noch auf Distanz halten, Gründe finden, warum das nicht ginge, aber heute war das anders. Ehe mich versah, sagte ich dem Treffen zu, was mir Freudengesänge seiner Seits einbrachte, und mich schon da mit einem mulmigen Gefühl zurück liess. Zwei Treffen also: eines mit einem Mann, den ich auf keinen Fall sehen wollte, aber irgendwie nicht verletzen wollte und somit keinen anderen Weg sah, als das Treffen eben doch wahr zu nehmen, und eines mit einem Mann, den ich unbedingt treffen wollte, dem ich am liebsten auf der Stelle „ja“ gesagt hätte und nicht mehr von seiner Seite gewichen wäre, aber wusste, dass es nicht klug war, da ich mit den Konsequenzen vermutlich meine grossen Schwierigkeiten haben würde.

Zudem stand eigentlich auf meinem super Plan auch noch ein Blinddate mit einem Mann, den ich seit einigen Wochen kannte von einer Datingplattform und der mich ganz sympathisch dünkte. Nun wurde es mir langsam doch deutlich zu viel, denn auch wenn ich schwer allein sein konnte, haderte ich schwer mit der gesellschaftlichen Maxime, dass man einfach nur ein Date mit einem Mann zu einer Zeit hat und nicht 3 Männer zugleich datete. Ich überlegte noch über eine Formulierung, Daniel zu erklären, dass ich ihn wohl doch nicht treffen wollte, tippte, löschte die Nachricht wieder, formulierte um, verwarf alles wieder, nur um einige Minuten später wieder von Vorn zu beginnen… als er mir plötzlich schrieb, dass er nun seiner Ex noch eine Chance geben wollte und somit leider keine Zeit hätte, mich zu treffen und auch nicht wollte, dass ich mir Hoffnungen machen würde für etwas, das nicht zu Stande kommen würde… Am liebsten hätte ich geschrieben, dass er mir damit gerade den Tag gerettet hätte – aber das empfand ich dann doch etwas taktlos ^^ Ich beliess es also dabei, ihm zu danken für seine Ehrlichkeit und ihm in seiner Beziehung alles Gute zu wünschen.

Die Schilderung all dieser Ereignisse gegenüber meiner Freundin am Nachmittag, sorgte für viel Gelächter, aber auch einige ernsthafte, tiefsinnige Gespräche. Es wurde die Situation von Etienne gedreht und gewendet, wenns und abers diskutiert, überlegt wie es gehen könnte, was Voraussetzungen wären… Es wurde darüber abgelästert wie sich der Mann am Vortag verhalten hatte und wie meine „Freundin“ sich mir gegenüber geäussert hatte. Es tat gut von ihr zu hören, dass sie die Vorwürfe mir gegenüber echt nicht gerechtfertigt fand. Es tat gut, so offen und ehrlich mit jemandem über mein ganzes Disaster (für das ich absolut selbst verantwortlich bin) zu reden, zu lachen über meine Unfähigkeit, auch nur einen Tag ohne Date zu verbringen und schamlos über Männer her zu ziehen, was ich sonst echt selten tat.

Strahlender Sonnenschein und die Aussicht auf das Treffen am Abend sorgten zusätzlich für eine super Laune, die ich für einmal einfach geniessen konnte, ohne Reue, ohne Angst davor, was als nächstes kommen würde und ohne die sonst latent vorhandenen nagenden Gedanken, die mich wertlos scheinen liessen.

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