Studieren im Schlaf

Studieren im Schlaf

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Eine schlaflose Nacht, mit viel Tränen, Angst und Befürchtungen war mein Start in den ersten Studientag. Ein Wunder, dass ich überhaupt zu meinen Augen heraus sah, denn gefühlt waren die eigentlich den ganzen Tag geschlossen. Ich schaffte es aber, rechtzeitig die Schwerkraft und Anziehungskraft des Bettes zu verlassen, mich durchs Bad zu kämpfen und sogar angezogen und mit zwei gleichen Schuhen an den Füssen das Haus zu verlassen. Selbst die zahlreichen Züge, die ich erwischen musste, erreichte ich alle rechtzeitig und nervte mich einmal mehr über die Nöte des ÖV fahrers: der Zug war völlig überfüllt, stehen war aber dadurch nicht ganz so anstrengend, denn man stand im Gedränge ja beinahe von selbst. Tortur war es trotzdem, fühlte ich mich doch immernoch wie ein Zombie. Erschöpft durchs Zug fahren (wohl gemerkt, ich wählte eigentlich den Zug weil es mir zu anstrengend schien, Auto zu fahren…aber da hätte ich wenigstens sitzen können. Was denn nun also anstrengender ist??) kam ich dann endlich in der Schule an, fand den Empfang und ausgerüstet mir allen Habseligkeiten fand ich asbald auch mein Zimmer.

Ich erhielt ein Studienstarteroaket ausgehändigt, direkt an der Tür, bestehend aus nem typischen Willkommensbrief, der klassisch trocken, und irgendwie desinteressiert daher kommt. „Wir freuen uns, Sie hier zu begrüssen, und wünschen Ihnen zu Ihrem Start viel Erfolg und hoffen, Sie können ihre Begeisterung für die Materie weiter ausbauen“…. wtf? Nur zum Start? Und welche Motivation und Begeisterung?? Naja, wer die Motivation an dem Tag gefunden hatte, hätte sie mir gern schicken können 😉 Highlight war ein USB stick und ein Batch, der mir per sofort voll den VIP Eintritt gewährt in die Gebäude, zu jeder Uhrzeit. Voll toll 🙂

 Völlig übermüdet nahm ich irgendwie einfach mal an nem Randplatz (nicht ganz am Rand, man will ja nicht gleich zeigen, dass man sich als totales Opfer sieht) platz, der nicht zu weit hinten ist, denn das symbolisiert ja Desinteresse und Angst… Jaja, lang lebe die Studie über Gruppendynamik und so. Aber es half mir, mich einigermassen so zu platzieren, dass ich zumindest glaubte, dass ich gute Chancen hatte, nicht gleich von Anfang an gemobbt zu werden. Eine Urangst, die ich vermutlich nie ganz los werde. Sofort füllten sich die Plätze um mich herum und ich kam auch schnell ins Gespräch mit den Nachbarn. Der Anfang lief also mehr als gut, zumindest sozial gesehen. Stofflich war das etwas anders. Ich musste feststellen, dass ich schnell den Überblick verlor, denn es ging um Dinge, die ich in der Mathe noch nie gut konnte: Umwandeln. Umwandeln von binär zu dezimal zu hexadezimal und wieder zurück, berechnen von prozentualem Überschuss… ich musste mir da irgendwie überall Hilfe holen, wobei ich erstaunt war, wie hilfsbereit mein Umfeld war. Dennoch nagte immer mehr das Gefühl an mir, dass ich schwach bin, und den anderen zur Last falle. Ja, wieder so ein Opferverhalten. Ich stelle mich schnell als schlecht und minderwertig dar.
Erschlagen von all dem Input war ich froh, zuhause kurz einen Spaziergang zu machen (okay, was haben die mit mir gemacht? Ich hasse Spaziergänge!) und dann gleich ins Bett zu fallen.

Heute war ein besserer Tag, denn ich hatte deutlich mehr Schlaf, kam somit besser mit und irgendwie konnte ich mir sogar die Gesichter und manchen Namen meiner Mitstudenten merken. Also schon ein grosser Erfolg 😉

Nun sitze ich aber da, vor meinen Heften und meinem Laptop und versuche, irgendwie Ordnung ins Chaos meines Kopfes zu bringen. Trotz mehr Schlaf, sonnach nem halben Tag woölte einfach kein Input mehr in meinen Kopf: error, error, Kopf voll, keine Kapazität mehr! Nun gut, wenigstens gehts mir besser als gestern. Da gingen selbst die einfachsten Infos nicht mehr rein, einfach, weil ich so keine Kapazität hatte, mich mit dem „zeug“ zu befassen, was an mich ran getragen wurde. Der grösste Kampf war der gegen die Schwerkraft. Ich bin fast sicher, die Tischplatte war magnetisch – so sehr kann ein Kopf sonst nicht angezogen werden durch nen harten, uneinladenden und unnachgibigen Tisch. 😉

Heute also aufholen, was ich gestern verpasste und anschliessendes Essengehen mit ner Freundin. Aus der Überlegung heraus, dass ich gestern nach Schema X heim kam, machte ich mich asbaöd genau gleich auf den Heimweg und strandete beim ersten Umstiegsort. Stellt sich raus, mein Zug der fährt um die Uhrzeit nicht mehr!! Wie jetzt? Es ist doch erst 21Uhr!! Verflixt noch eins, nun sitze ich also mitten in der Pampas, warte auf den nächsten Zug irgendwo hin und schreibe meine Erlebnisse nieder. Was soll man auch anderes tun…? Panisch schaue ich nun immer wieder meinen Fahrplan an und prüfe, ob ich alles richtig mache, denn ich werde jetzt schon enorm spät erst ankommen (22:40, statt wie geplant kurz vor 22Uhr) da will ich nicht riskieren, noch mehr Schlaf zu verlieren durch sinnloses Umherirren in Zügen und an Bahnhöfen. Denn, irgendwie gibt es angenehmere Orte, um sich zu verweilen… 😉

Nunja, Erkenntnisse der letzten Tage: Zugfahren ist nicht mein Ding, Mathe ist ein Arsch, Schlaf ist heilig und die Aussicht von meiner Hochschule ist grandios 🙂

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