Therapie

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eingetragen in: Borderline Akzente, Nachdenkliches | 4

Was unterscheidet gute, von schlechter Therapie? Wann ist eine Therapie gut? Woran merke ich, dass eine Therapie mir nicht gut tut?

Ich befasse mich gerade sehr intensiv mit diesem Thema und frage mich oft, ob mein Umfeld recht hat, wenn es sagt, dass meine Therapeuten “schuld“ sind daran, dass es mir noch nicht besser geht, weil sie einfach nicht das richtige tun… 

Ich verstehe die Haltung meines Umfeldes, denn es muss schwer sein zu sehen, wie jemand seit mehreren Jahren immer heftige Aufs und Abs hat, noch immer nicht stabil genug ist um zu arbeiten, und aus dieser Haltung der Hilflosigkeit und des Helfenwollens heraus den Therapeuten die Schuld gibt. Denn vielerorts ist die Meinubg verbreitet, dass es bei psychischen Krankheiten ist, wie bei physischen: findet man die richtige Therapie, ist es nur eine Frage der Zeit (der sehr kurzen Zeit wohl gemerkt) und dem Patienten geht es wieder blendend.

Ich frage mich nun, ob ich wirklich die Fähigkeit meiner Therapeuten in Frage stellen muss, oder ob es einfach wirklich nur so ist, dass mein Umfeld aus Hilflosigkeit heraus zu diesem Schluss kommt…?

Wie wisst ihr jeweils, dass eure Therapeuten wirklich gut sind und ihre Sache richtig machen?

4 Antworten

  1. Anonymous
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    Das klingt für mich nach einem Umfeld in Zugzwang. Ich meine, sie denken, deine therapie sei nicht wirksam, weil du nicht schnell wieder normal und nett und lieb bist. Das bringt deine Freunde in Zugzwang. Sie müssen jetzt entweder sich selbst damit befassen, wie sie dir helfen könnten, aus diesem „Loch“(so sieht es für außenstehende aus) herauszukommen, oder sie sagen einfach, dass deine therapeuten murks sind und du dir neue suchen musst. Möglichkeit 1 ist zeit-und nervenaufwendig, benötigt Feingefühl und den willen, sich in deine lage hineinzuversetzen, möglichkeit 2 ist einfach.

    Damit will ich nicht sagen, dass deine freunde scheiße sind. Ich spreche aus erfahrung. Ich war selbst lange eine scheiß-freundin, weil ich keine ahnung hatte, wie man möglichkeit 1 umsetzen kann.

    • LyrenOrva
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      Irgendwie hat das was, was du schreibst. Es scheint wirklich so, als wäre es schwer, sich in meine Lage hinein zu versetzen (ok, kann ich verstehen). Es machts dennoch nicht einfach, genau damit umzugehen, dass viele mich nicht verstehen können und dann die Belastung für mich gleich doppelt wird: selber mit meinen Handycaps leben und gleichzeitig anderen erklären, so gut es geht, wie ich ticke und warum eben ein „normales“ Leben nicht geht…

  2. cariloveslife.wordpress.com
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    Ich als „Umfeld“ kann das mal von der anderen Seite beschreiben. Man sieht diese Person(wir nennen sie jetzt P., weil das einfach ist) jede Woche mehrmals dahin gehen. Sieht, wie P teils voller Tränen in den Augen und Sorgen im Herzen nach Hause kommt. Man will P helfen, kann aber nicht, weil a) man dem Therapeuten nicht dazwischenpfuschen will und b) weil man keinen Plan hat, wie man helfen könnte. P sagt nämlich nicht, was helfen könnte, sondern weiert sich, darüber zu reden. Naja, denkt man dann, der Therapeut wird das egeln. Dann zieht sich das Ganze. Wochen, Monate, Jahre. Ostern, Geburtstag, Weihnachten, Silvester, und jedes Mal und an allen Tagen dazwischen muss man auf Ausbrüche jededer Art gefasst sein. Sei es Schreien, weglaufen, überhaupt nicht mehr reden, Sachen werfen, weinen…Und man weiß nie, womit man rechnen muss. Dazu kommt, dass P auch in Situationen, die mit dem Therapeuten angegangen werden, keinerlei Verbesserung zeigt, was das Handling angeht. Man selbst kommt also ziemlich sicher an seine Grenzen bei dem Versuch, P irgendwie zu helfen. Man hat inzwischen versucht, zu reden, zusammen zu schweigen, P zu motivieren, P in Ruhe zu lassen, P integrieren zu wollen, P lieber nur zuschauen lassen, man war geduldig, streng, wütend, traurig, frustriert und ist letzten Endes verbittert aufgrund der eigenen Hilflosigkeit. Und weil sich ja mehr oder weniger offensichtlich „Nichts“ tut/verbessert/verändert, zweifelt man, nach einer Reihe von Selbstzweifeln, den Therapeuten an. So kommt das.

    • LyrenOrva
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      Liebe Cari, danke dir für deine sehr ausführliche Antwort 🙂
      Ich glaube, ich kann gut nachvollziehen, wie frustrierend es sein muss, einen Menschen im Umfeld und in seinem Herzen zu wissen, der leider leidet, dem es nicht gut geht und wo man so gerne helfen wollen würde, bloss nicht weiss, wie.
      Ich versuche mein Bestes, den Menschen in meinem Umfeld zu helfen, mich zu verstehen, ihnen aufzuzeigen, was in mir vorgeht, warum ich was wie sehe und warum ich was wie tue ect. Ich versuche zu zeigen, woran in der Therapie gearbeitet wird, aber das ist schwer, denn oft findet Therapie bei mir nicht ganz konventionell statt und es funktioniert ganz selten so, wie man sich das vorstellt: dass ich da hin gehe, mir Tipps abhole und die dann umsetze. Das ist schwer für mein Umfeld zu begreifen und ich verstehe das auch. Ich muss da aber noch anfügen, ich bin kein impulsiver Mensch, zumindest nicht was Aggressivität angeht. Wenn, dann neige ich zu selbstverletzendem Verhalten aber niemals würde ich laut werden, andere attackieren oder so. Vielleicht macht aber gerade das, dass ich nicht zu Wutausbrüchen neige, es noch viel schwieriger für mein Umfeld, da sie sehen, dass ich leide, ohne dass sie etwas unternehmen könnten oder nur schon wütend sein könnten auf mich…?

      Leider habe ich viele Menschen in meinem Umfeld, die eher rational ticken und meine ganze Familie ist eine einzige Ansammlung an Workoholics. Da kommen dann oft Fragen, wie „wann fängst du wieder an zu arbeiten?“ „warum schaffst du es nicht zu arbeiten?“ „warum bist du nicht normal?“ … und wenn ich die dann mit so viel Rationalität wie möglich, versuche zu beantworten, kommt meist „das macht doch garkeinen Sinn“.
      So langsam zermürbt das und mit meinen Therapeuten zusammen habe ich beschlossen, zu einzelnen dieser Personen vorübergehend den Kontakt sehr oberflächlich zu halten oder ihn gar abzubrechen… weil manchmal ist es einfach ein überwältigender Kraftakt, sich seinen Mitmenschen gegenüber dauernd rechtfertigen zu müssen (das ist nun schon seit 3 Jahren so) und dabei nicht den Glauben daran zu verlieren, dass man da irgendwann auch wieder raus kommen wird, dass man das Richtige tut, dass man auf einem guten Weg ist..
      Ich glaube, wenn ich mehr Verständnis von meinen Leuten erhielte, dann würde ich deine Fragerunde, die du vorschlägst, auch sehr viel lieber durchführen. Leider scheint dies in meinem Fall echt etwas schwierig. Dennoch, die Idee finde ich eigentlich toll 🙂

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