Traum oder Realität?

Traum oder Realität?

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Ich merke, wie ich immer mehr Mühe habe, meinen Entscheid aufrecht zu erhalten, mit Etienne zusammen zu sein. Irgendwie hatte ich die Hoffnung auf das grosse Wunder: ich komme mit ihm zusammen, er ist so verliebt, dass er auf keinen Fall mehr ohne mich sein will, erzählt dem Sohn die Wahrheit und zieht mit mir zusammen. Dann Heiraten wir, es regnet Blütenblätter, weisse Tauben steigen in den Himmel und irgend ein hochphilosophosches Zitat a la “der Kampf um die Liebe ist ein lohnender Kampf“ – XY wird dem Zuschauer im Film eingeblendet, kurz bevor der Abspann unter Begleitung eines epischen Soundtracks abgespuhlt wird.

Ja, Sarkasmus ende. Bisher hat sich nicht viel getan: er hat etwas öfter Zeit zu schreiben, mehr aber auch nicht. Wann und ob sie ihrem Sohn jemals die  Wahrheit sagen, keine Ahnung. Meine Position in dem Ganzen?

Entweder wird sich bald raus stellen, dass ich die billige, leichtgläubige Affäre war, die eine Familie beinahe zum Zerbrechen brachte, oder ich werde irgendwann meine Zukunft haben können mit ihm. Bis dahin sehe ich mich im Ungewissen.

Ein Teil von mir würd so gern seine Ex ausfindig machen und anfragen, einfach um Gewissheit zu haben über die Richtigkeit der Aussage von Etienne: bin ich die Affäre? Weiss sie von mir? Stimmt die Story, die Etienne mir auftischt, so vertrackt, seltsam und beinahe Holywoodreif die auch klingt? Ein anderer Teil hofft auf eine Lösung der Situation ohne meinen Eingriff. Sein Zutun ist jedenfalls, dass er sich vorgenommen hat mit mir erst wieder zu schlafen, wenn wir zusammengezogen sind. Er will mir damit beweisen, dass ich keine Affäre sein kann, da deren Hauptbestandteil dann in unserer Beziehung fehlt: Sex. Auch erstaunt mich, dass er schon ganz selbstverständlich davon spricht, mit mir zusammen zu ziehen. Aber ich weiss auch, dass er zu Teilen ein Träumer ist. Er wünscht sich diese Zukunft, das merke ich. Er wünscht sich, glücklich zu sein mit mir in einer eigenen Wohnung und fernab von diesem Scherbenhaufen. Aber dann kommt die Realität, packt eine Stecknadel aus und bringt unter hämischem Grinsen die Blase zum Platzen.

Gerade in Zeiten wie jetzt allerdings, wo ich mich doch gerade in einem enormen Tief befinde, wünschte ich mir so sehr, er wäre da. Aber das ist er nicht. Wie ich es drehe und wende, ich werde ihn die nächste Zeit wohl nie sehen und das erschüttert mich massiv. Ich bräuchte ihn, bräuchte wen, auf den ich mich stützen könnte. Aber er kann das nicht. Ist nicht da. Lässt mich allein. Nicht mit Absicht. Aber weil wir so selten Kontakt haben, weiss er garnicht erst davon, wie schlecht es mir geht, weil ich mich ihm nicht aufdrängen will. Weil ich nicht wirken will, als würde ich einen Grund für ein Treffen heraufbeschwören wollen indem ich was vorgaukle. Also liege ich hier und versuche, alleine klar zu kommen, mich aufzurapleln, wieder einmal.

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