Unerwartetes Licht

Unerwartetes Licht

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Ich befinde mich gerade wieder einmal im Strudel unendlicher Negativität, wo alles dunkel ist, irgendwie nichts durchscheint, ich keine Perspektive mehr sehe.

Auf dem Sofa sitzend, in eine Decke gehüllt, kauere ich da. Warte. Meine Katze möchte meine Aufmerksamkeit und es kostet mich enorm viel, mich etwas aufzurichten um sie zu streicheln. Ich habe eigentlich nichts zu geben, bin leer, aber meine Therapeutin meinte einmal, dass wenn man sich eines Zustandes bewusst ist, und man diesen benennt und akzeptiert, dies schon reichen würde, damit man paradoxer Weise wieder aus dem Zustand heraus käme… so im Stile von: ich weiss, ich habe nichts zu geben, bin zu müde, aber kann mich dennoch nicht abgrenzen von den Ansprüchen anderer und gebe nun also dennoch weiter, auch wenn ich mich dabei total übergehe, weil ich nicht anders kann. Und paradoxer Weise reicht dies, damit wenigstens mein Selbst sich wahrgenommen fühlt und nicht übergangen. Ja. Muss man nicht verstehen, ist halt so.

Jedenfalls streichelte ich somit meine Katze im Wissen, dass das meine Ressourcen gerade überstrapaziert und ich nicht die Energie habe, gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Es ging mir nicht besser dabei, aber auch nicht schlechter. Tränen rollten mir über die Wangen und tropften auf das weiche Fell meiner Katze, welche sich sogleich schüttelte, aufsprang und weg rannte.

Nun fühlte ich mich wirklich vollends alleine. Wer hat denn diese beschissene These aufgestellt, dass man nur etwas geben muss, und dann tausendfach ernten würde? Blödsinn.

In dem Moment vibrierte mein Handy, das auch noch irgendwo lag. Ich habe es bereits vergessen. Ich hoffte, etwas von Leo zu hören. Aber leider nicht. Enttäuscht wollte ich schon mein Handy zur Seite legen, als ich sah, dass es eine Freundin war, die sich lange nicht gemeldet hatte. Aus dem Nichts meinte sie, ich solle nie aufhören zu fotografieren, denn sie bewundere meine Begabung und finde, dass ich da dran bleiben solle. Sie betonte, dass sie mich eine wundervolle Frau finde und ich nie aufhören solle zu kämpfen. Es rührte mich unsäglich, diese Zeilen von ihr zu lesen. 

Nun rollten erneut Tränenbäche über mein Gesicht, diesmal aber Tränen der Rührung. Ich fühlte mich so verstanden und so wahrgenommen.

Es war ein kurzer Lichtblick. Leider hielt er nicht lange an. Aber immerhin. Ich fühlte mich für ein paar kostbare Minuten einfach gut.

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