Wahrheit

Wahrheit

eingetragen in: Nachdenkliches, Telenovela | 2

Die Wahrheit sagen. Das klingt so einfach. Ich sage nur, was wirklich ist, was ich wirklich denke, empfinde…

Jap. Und dann wird man gefragt: warum musst du heute Nachmittag früher los? Antwort: ich habe nen Termin. Wahrheit: ich musste zur Therapie. Ich log nicht. Aber war meine Antwort echt die Wahrheit?

Bereits an so kleinen Orten ist wohl die Wahrheit nicht ganz so einfach zu definieren. Zwischen Nicht-Lügen und Wahrheit liegen oft Welten. Vor allen dingen wird dies aber übel, sobald es nicht nur drum geht zu erklären, ob man zu nem Termin muss, (oder dieser Termin klassisch dem anderen Geschlecht entspricht und der zu behandelnde Stoff darin besteht, keinen Stoff mehr an zu haben…) sondern man eigentlich keine Gefühle hat für eine Person, jedoch nicht abgeneigt ist, dennoch Nähe zu bekommen und nicht allein zu sein.

Für mich fühlt sich dies doppelt schlecht an. Nicht nur, dass ich ausgerechnet an eine Person geriet, die ausgerechnet für EINMAL nicht mit mir spielt, mich nicht vor hat auszunutzen oder auf die lange Bank zu schieben, sondern sich ehrlich in mich verliebt hat, auch ist es ein Verrat an mir selbst. Ich merke, wie ich in ein Muster falle, das ich eigentlich hinter mir lassen wollte. Ich bin ihm, was immer er von mir will, damit er bei Laune gehalten wird. Gleichzeitig verliere ich mich selbst und meine Selbstachtung, weil ich ihn in Bereiche meines Lebens lasse, die ihm eigentlich nicht zustehen, jedenfalls nicht, wenn ich ehrlich wäre zu mir selbst.

Lügen – hier ist es wohl richtig ausgedehntes, echtes Lügen – fühlt sich schlecht an. Aber ich habe mich da bereits in ein riesen Konstrukt hinein geritten, aus dem auszusteigen jemanden enorm verletzen wird.

Das Schlimmste daran ist, dass ich eigentlich nicht nur ein Problem habe damit, ihn zu verletzen, sondern vor allem damit, dass er mich nachher hassen würde. Ja sicher, es wäre die natürlichste Reaktion und er hätte das Recht dazu, denn ich habe mich alles andere als korrekt verhalten ihm gegenüber. Dennoch, es gibt mir das Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein. Es macht mich verzweifelt, lässt mich mit mir ringen, gibt mir das Gefühl, versagt zu haben, nichts wert zu sein und nicht besser zu sein, als jeder Typ, der mich jemals verletzt hat.

Die Schuldgefühle fressen mich auf, auch wenn die ganze „Sache“ eigentlich erst 2 Wochen läuft. Bei beinahe allen, die ich bisher gedatet habe, wären die 2 Wochen absolut nicht verfänglich gewesen. Der Raum wäre da gewesen, zuzugeben, dass es einfach nicht funktioniert. Offiziell läuft auch diese „Beziehung“ unter dem Agreement, mal zu schauen, was daraus wird. Aber wie oft hörte ich bereits „ich liebe dich“ von ihm? Und wie oft hörte ich es von Verflossenen? Und wohin brachte mich damals diese „Liebe“?

Ich glaube, er liebt aufrichtig. Aber es macht alles so viel komplizierter, so unglaublich hart. Und so oft lenke ich ein und gehe den leichten Weg: ich treffe mich weiter mit ihm, erdulde, nehme, was ich brauche und akzeptiere den Rest als notwendiges Übel. Auf Dauer ist das aber weder für ihn noch für mich eine Lösung. Ich weiss, ich muss den Mut aufbringen, ihn zu verletzen, ihm zu sagen, dass das alles zwar „nett“ war, aber eben nicht mehr. Dass ich ihn mag, aber nie lieben würde.

2 Antworten

  1. Julia
    | Antworten

    Hallo 🙂

    Ich kann so gut nachvollziehen, was gerade in dir vorgeht. Ich bin gerade in dem Prozess, zu mir selbst zu stehen und jeden Tag so gut es geht, meine Bedürfnisse zu erspüren und für mich selbst einzustehen. Es geht von Tag zu Tag besser und ich fühle mich größtenteils auch besser.

    Versuche, dir selbst treu zu sein. Mache dir bewusst, welche Gedanken von dir Annahmen sind, die nicht stimmen bzw. zutreffen müssen. Ehrlichkeit mit sich selbst und so dann auch mit dem Außen bringen dir langfristig mehr Stabilität – auch in Beziehungen.

    Jeden Tag ein kleiner Schritt und eine kleine Ehrlichkeit mehr – probiers aus 🙂

    Alles Liebe & Gute,
    Julia

    • LyrenOrva
      | Antworten

      Liebe Julia

      Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich deine liebe Nachricht zwar gelesen aber nie kommentiert habe! Tut mir schrecklich leid. Ich bin nicht sicher, ob ich nun sagen darf, dass es mich freut, dass du einen Weg gefunden hast, für dich einzustehen und deine Bedürfnisse wahr zu nehmen, oder ob es mir eher leid tut, dass du überhaupt erkämpfen musst, für dich einzustehen.

      Ich versuche das, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Was leider gerade eher der Fall ist. Ich kann in vielen Bereichen gut für mich einstehen (so ich nicht grad krank bin oder so..) aber Beziehungen sind da eine Sache für sich. Ich glaube ich wurde selbst einfach so oft verletzt dass ich immer total das schlechte Gewissen habe, wenn ich jemanden verletzen muss. Aber es wird nichts bringen, davor weg zu laufen – holt einen ja eh wieder ein… 😉

      Ich arbeite aber dran, wirklich ehrlich zu sein, auch in diesem Bereich. Danke dir nochmals für deine Liebe Meldung 🙂

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