Wann ist ein Problem eigentlich ein Problem?

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Probleme sind für jeden Menschen irgendwie ein Begriff. Jeder weiss, was ein Problem ist und wir unterscheiden sogar zwischen „schlimmen“ Problemen und „kleinen“ Problemen. Doch wann ist eigentlich ein Problem ein Problem?

Sicher ist es jedem von uns schon einmal so ergangen, dass wir von einem Problem erzählt haben, dies versucht haben zu umreissen und dabei auf Unverständnis gestossen sind bei unserem Gegenüber: er oder sie stellte erstaut die Frage: „Ja und wo ist denn da das Problem?“

Offenbar ist jeder Mensch unterschiedlich. Was für den einen Menschen der ganz normale Alltag ist, wäre für eine andere Person ein unzumutbarer Zustand. Die zweite Person würde unter den Umständen zu Grunde gehen, an die sich die erste Person ihr Leben lang gewohnt war.

Von einem Therapeuten habe ich einmal gehört, dass vor 50 Jahren noch viel weniger psychische Krankheiten existiert hätten als heute. Ob dies so ist oder nicht, das möchte ich hier nicht weiter erläutern. Seine Erklärung jedenfalls war, dass man früher existenzielle Probleme gehabt hätte und diese sich im Laufe der Zeit für einen grossteil der Gesellschaft der westlichen Welt auf ein Minimum begrenzt hätten.
Viele Menschen haben heute wirklich den Luxus, dass sie sich nicht darum Sorgen machen müssen, ob sie morgen noch leben und wie sie den Lebensunterhalt der Familie sichern können. Wir überlegen uns eher, wie wir das Geld für den nächsten Urlaub zusammen bringen können und der Teenie-Tochter die neusten Klamotten finanzieren.

Der Mensch fängt an, sich immer mehr am Wohlstand der anderen zu messen. Dies führt unweigerlich dazu, dass wir immer jemanden finden, der mehr hat als wir, der etwas besser kann und so weiter. Vermutlich geraten wir gerade dadurch in den Strudel der Habgier, der uns immer mehr einnimmt. Alles, was wir uns leisten können gibt uns das Gefühl, besser zu sein als vorher oder vielleicht sogar besser zu sein als andere. Alles was wir von anderen vorgelebt bekommen, durch Werbung oder Freunde, Arbeitskollegen oder Familie, wollen wir auch haben. Dies bringt uns zwangsläufig zum Problem, dass wir nicht alles haben können, was wir wollen. So kommt es dann in unserer wunderschönen Gesellschaft, die eigentlich alles hat was sie braucht, dazu, dass man Probleme hat und an denen auch psychisch oder physisch erkrankt.

Ich bewundere die Menschen, die in unserer Konsumgesellschaft leben können ohne sich von diesem Sog und Zwang beeinflussen zu lassen. Wie auch immer sie es schaffen, objektiv zu bleiben, ich sehe es als eine art Gabe, die ich sehr bewundere und von der ich hoffe, sie eines Tages zu erlernen.

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