Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

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Das Boot schaukelte im blauen, klaren Wasser, die Sonne brannte auf mich herunter und ich genoss jeden Sonnenstrahl, der mich wärmte und seinen Weg ins Innerste zu finden schien.

Da sass er: auf dem Sonnendeck, und schien genau wie ich, den Wellen zu zu schauen, wie sie hinter unserem Boot das Wasser aufwirbelten und liess die Sonne auf seinen braungebrannten Rücken brennen.

Ich war gerade recht fertig, ein Tauchgang, der so nicht hätte laufen sollen, tränende Augen vor Schmerzen und blöde Sprüche auf dem Boot, die heute so garnicht an mir abzuprallen schienen. (Zumal ich glaube ich die Medikamente vergass zu nehmen und noch ein etwas unüberlegtes Kräftemessen mit einer Treppe im Hotel vollzog am Vorabend, das mein Knie nun leider büssen musste – alles nur wegen zu vielen unnützen Gedanken und Flipflops, die kurz darauf im Müll landeten) Es belastete mich, dass jeder mich gleich mit ihm in Beziehung sah und die neue Hollywoodromanze vom Zaun brach. Vermutlich beschäftigte mich das primär so sehr, weil ich selbst hin und her gerissen war, was ich denn eigentlich wollte.

Beinahe schlaflos, weil mir so viele Gedanken durch den Kopf jagten, und in richtig schlechter Verfassung, weil ich mich hasste, für meine Gedankenwelt betrat ich an dem Morgen das Boot und hasste mich gleich noch ein bisschen mehr, weil die blosse Präsenz von ihm mich direkt wieder zum Lachen brachte, ich mich gut fühlte und vieles vergass.

Ich setzte mich neben ihn, und irgendwie schien er zu merken, dass ich nicht nur tränende Augen hatte wegen der Schmerzen vom letzten Tauchgang. So brach aus mir heraus, was mich belastet, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Es war ruhig bevor er Luft holte und mich beruhigte, dass er eine Freundin hätte und dass ich mir also keine Sorgen machen müsste, was das ganze Boot denkt, denn wir wüssten ja, was ist und was nicht.

Irgendwie tat dies weh und irgendwie war ich gleichzeitig so erleichtert. Ich konnte mich also wieder auf Etienne konzentrieren, diesen Mann ad-acta legen und aufatmen. Die Entscheidung wurde mir genommen.

So genoss ich den Tauchgang am Nachmittag, verliess das Boot, umarmte den Mann ein letztes Mal und verliess die Tauchbasis. Den Kopf voller Gedanken, aber beruhigt, denn ich wusste, wo meine Gedanken nun also lang gehen sollten.

Snap – da war die Realität – Blick aufs Handy, wieder keine Nachricht von Etienne. So gerne hätte ich mit ihm die Erfahrungen von meinen Tauchgängen geteilt, ihm von den Fischschwärmen erzählt, von meiner blöden Maske, die lieber Wasser durch liess als es auszuschliessen, von meinem ach so tollen Versuch, mich mit einer Steintreppe an zu legen, was dazu führte, dass mein Knie leider verlor und seit dem Tag total ramponiert ist… Aber er war nicht da, schrieb nicht, hüllte sich in Schweigen.

Leere breitete sich in mir aus, tiefe Traurigkeit ergriff mich. Ich schien in einem Loch zu versinken, wieder mal war da die Dunkelheit, hielt mich fest im griff und zog mich immer weiter zu sich, an den mir so bekannten Boden, die unendliche Leere. Alles wurde schwer.

Ich beschloss, mein Handy hervor zu kramen, dem Sog zu trotzen, Ihm zu schreiben, die Hoffnung nicht auf zu geben. Es schrieb nur leider jeder mit mir ausser Etienne. Allen voran mein Vater, der mir offenbarte, dass mein Flug am nächsten Morgen vermutlich nicht statt finden würde, ich also festsitzen würde in diesem Land, das mir langsam Fluch und Segen zu gleich war. Dies wiederum brachte vor allen dingen meine Freundin total in Panik, denn wenn ich vielleicht nicht mitkommen würde mit dem Flug, war es beinahe klar, dass sie es ganz sicher nicht schaffen würde, denn wir hatten etwas spezielle Tickets, die zwar günstig waren, aber uns nur Zutritt zum Flugzeug gewährten, wenn es noch Platz haben sollte, weil zuwenige reguläre Passagiere boarden würden. Wenigstens lenkte mich diese Misere von Anderem ab – wir prüften Flüge, suchten Hotels, entwarfen Notfallpläne…

…und mitten drin meldete sich ausgerechnet der Typ vom Boot (ich nenne ihn mal Leo). Ich war überrascht, denn ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, von ihm überhaupt nochmals zu hören, ganz zu schweigen von quasi „sofort“ nach dem Tauchen. So wurde der Abend umso hektischer in meiner Gefühlswelt. Eine weitere, beinahe schlaflose Nacht – noch mehr Selbstzerfleischung und Enttäuschung, da Etienne weiter stumm blieb.

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