Wenn die Nacht zum Tag wird

Wenn die Nacht zum Tag wird

eingetragen in: Nachdenkliches | 2

Ich bin ein Nachtmensch. Eine Eule. Ein Mensch, der tagsüber schläft, lethargisch ist und unproduktiv aber nachts zur Höchstform auflebt und kreativ wird. Ich habe kein Problem damit, bis morgens um 5 wach zu sein, und dabei auch aufmerksam zu bleiben und aufnahmefähig, jedoch nachmittags Dinge zu erledigen, Telefonate zu führen oder Mails zu schreiben, das kriege ich einfach nicht auf die Reihe, da bin ich einfach nicht wach, antriebslos und oft depressiv.

Nachtmenschen sind aber gesellschaftlich gesehen die, die entweder bedauernswert sind, weil sie vom Job her nicht anders können, oder die, die ihr Leben nicht im Griff haben, denn sonst wären sie tagsüber wach. Nachts wach sein ist abnormal.

Ich möchte aber nicht abnormal sein. Ich möchte mich einfügen in die Gesellschaft, konform sein, „normal“ sein. Entsprechend habe ich bereits versucht, mich wieder dem Rhythmus anzupassen und früh zu Bett zu gehen, mich um 8 zu wecken, in der Hoffnung, dass ich dann abends früh müde sein werde und sich alles erholt. Das endet drin, dass ich den ganzen Tag lethargisch bin, mich beim besten Willen nicht aufraffen kann dazu, irgendwas zu machen, und am Schluss gegen Abend hin plötzlich total wach werde, Sport treibe, und danach ethliche Stunden am Rechner verbringe und kreativ bin. Das Ende vom Lied: ich komm nicht vor 5 ins Bett und wecke mich wieder um 8. Auch nach mehreren Wochen ändert sich an diesem Problem leider nichts. Ich bin wohl oder übel einfach ein Nachtmensch, eine Eule, die tagsüber einfach echt nicht produktiv ist.

Warum ich das hier breit trete? Weil ich mich langsam nerve über die Folgen davon: Ich bin es leid, vom Umfeld unterstellt zu kriegen, dass ich mein Leben nicht mehr im Griff hätte, weil ich nachts statt tagsüber wach sei. Ja, ich habe mein Leben ganz offensichtlich nicht im Griff, schönen Dank, das sieht man daran, dass ich krankgeschrieben bin und Rente beziehe. Allerdings hat der Fakt, dass ich mein Leben nicht im Griff habe, nichts damit zu tun, ob ich nachts oder tagsüber wach bin. Und genau das stört mich. Dass sich einige Menschen das Leben so einfach machen und mich mal schlicht in die Schublade schmeissen, dass ich mein Leben im Griff hätte, wäre ich bloss endlich tagsüber statt nachts wach.
Manchmal frage ich mich zudem, ob es mir, wenn ich es mir einfach erlauben würde, völlig am Rhythmus vorbei zu leben, besser gehen würde, ich erholt sein könnte und dann eben auch schon nachmittags einige Dinge erledigen könnte, die ich so ja nicht erledigen kann, weil ich schlicht langsam ausgelaugt bin durch den Schlafmangel der sich ergibt durch das monatelange Ankämpfen gegen den eigenen Rhythmus.

2 Antworten

  1. Weena
    | Antworten

    Jeder muss seinen ureigenen Lebensrhytmus finden, auch wenn es nicht „gesellschaftskonform“ ist. Du bist eben ein Nachtmensch. Na und? Gib deinem Leben die Struktur, die DIR gut tut, nicht den anderen. Du wirst es niemals allen recht machen. Es gibt immer Meckerköppe, die alles besser wissen.
    Liebe Grüße
    Weena

    • LyrenOrva
      | Antworten

      Vielen lieben Dank für deine lieben Worte! Es tut so gut, mal zu hören, dass man nicht immer gleich das Leben auf den Kopf stellen muss und dass ich nicht komplett falsch bin. Ja, ich bin dran, das zu lernen, denn alles andere geht ja, wie Beispiel zeigt, eh schief 😉

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