Yeyy Geburtstag – Ah, nein, moment…

Yeyy Geburtstag – Ah, nein, moment…

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Durch Krisen zu gehen hat mich immer wieder dazu gebracht, mir bei gewissen Anlässen Hoffnung zu machen, dass dann plötzlich alles besser wird, anders wird, ein Wunder geschieht und ich endlich zum Beispiel ein ganz „normaler“ Mensch sein kann. So kann ich mir also zum Beispiel Hoffnung machen im Stile von: hey, bald sind Ostern, na, da ist doch die Wahrscheinlichkeit gross, dass da endlich alles besser kommt, ich endlich schaffe, mein Leben in den Griff zu kriegen.. Ok, vielleicht ist das zu hoch gegriffen, aber vielleicht könnte es ja sein, dass ich wenigstens für einen Tag etwas unvergessliches erleben werde, oder es mir einfach besser geht…? So fange ich dann an, mit dem Schicksal und der Welt Deals zu machen: ok, vielleicht ist das ja auch etwas, was man nicht geschenkt erhält, also muss ich mich vielleicht eine Woche vorher speziell doll anstrengen, eine gute Person zu sein, die anderen Hilft und so, dann habe ich das vielleicht verdient?
Ja, so geht das dann hin und her und immer wieder ist die erkenntnis: ich müsste es doch langsam wissen, dass an einem solchen Tag, nur weil Ostern ist, oder Pfingsten, heute ein Vogel vom Dach sprang als ich aufwachte oder mir für 3 Sekunden kein Regentropfen auf den Kopf fiel als ich raus ging, kein spezieller Tag ist, an dem alles anders wird…
Aber die Hoffnung… ja das ist ein lästiger Zeitgenosse ab und an… da Fange ich nun also an meinem Geburtstag wieder an damit, dass ich glaube, hoffe, mich danach sehne, dass nun ales anders wird. Und werde enttäuscht, da ich feststellen muss, dass es ein Tag ist wie jeder andere. Ich stehe auf, bin ko wie immer, habe wenig geschlafen und die Augenringe scheinen bald so gross, als dass sie ihre eigenen Namen und Persönlichkeiten verdient hätten. Nun gut, also ist dann, wie immer, der nächste Griff der zum Make-Up – ich geb nicht auf – die doofen Augenringe siegen nicht! Schön geschminkt fällt plötzlich auf, dass man wohl vorher hätte duschen sollen, nicht nachher – jeden Morgen das selbe. Also folgt der vermutlich minimal komisch anmutende Tanz unter der Dusche, im Versuch alles zu waschen ausser meinem Gesicht, nur um fest zu stellen, dass die Schminke nun irgendwie doch nochmals erneuert werden sollte, wenn man nicht als Panda unter Artenschutz gestellt werden möchte. Wobei, hey, dann wäre ich vielleicht plötzlich etwas Besonderes? ^^

Weiter gehts mit dem obligaten Blick auf die Uhr, und dem Schock, dass ich schon wieder zu lang getrödelt habe. Stress, Hektik, und Freude, wenn ich s denn doch noch geschafft habe. Aber dann kommt der Teil, der schlimm ist: Zeit, nachzudenken. Da nagen sie dann also wieder, die Fieslinge, die Gefühle. Sie klopfen nicht an, nein, manchmal habe ich eher deas Gefühl, die nehmen nen Rammbock und kämpfen ihren Weg durch, mit Gewalt und ohne Lust, Rücksicht zu nehmen. (Gefühle sind wohl nicht in der Schweiz geboren, sonst würden die sich eher entschuldigen dafür, überhaupt zu existieren und einen ab und an doch belästigen zu wollen, wenn es denn vielleicht, unter Umständen gerade nicht allzu schlimm wäre und so…)

Da sitze ich also im Zug und hoffe, dass der innere Krieg, die sich nach vorne bahnenden Gefühle für niemanden anderen sichtbar sind und ich die Privatsphäre der Masse geniessen kann, in der keiner den anderen wirklich beachtet. Sturm kommt auf in mir, Sehnsucht, Trauer… dann Leere. In dem Moment echt ein Segen, denn die Leere führt dazu, dass ich wenigstens nicht in Tränen ausbreche in aller Öffentlichkeit – zumal ich ja dann schon wieder in die Fassaden Renovation gehen müsste, was dann ja erst das dritte Mal in Folge wäre. Dankbar um die Leere, die mich erfüllt, schaffe ich es, mich auf meinen Tag zu konzentrieren. Allerdings wird in mir die Stimme immer lauter, die sich fragt, wie es sein kann, dass ich an meinem Geburtstag froh sein muss um Leere, statt dass ich mich freuen könnte und jubeln. Ok, jubeln vielleicht nicht, das tun Erwachsene wohl weniger, wie sähe das auch aus? ^^ Wobei eigentlich wäre das doch toll: wenn plötzlich die ach so bläsierten und coolen Erwachsenen alle in Jubel ausbrechen würden und hüpfen und tanzen würden.. ach ja, Kopfkino ^^

Wartend auf den Moment, wo ich nun meinen Flug antreten kann, sitze ich nun vor dem Flugzeug und schaue zu, wie dieses beladen wird, und muss durchaus manchmal schmunzeln über manch einen Passagier… Typisch ist ja, dass man, sobald das Wort „boarding“ fällt, direkt beobachten kann, wie die Hektik ausbricht, und das Gerangel um den ersten Platz in der Schlange, um ins Flugzeug zu gelangen, nur um dann fest zu stellen, dass ja in der Economy weniger Platz für einen ist, als im Warteraum vorher und dass man da ja nun 9 Stunden fest sitzt und somit eigentlich noch lange kein Ende in Sicht ist. Zudem regt man sich ja dann pässlich drüber auf, dass nun alle, die weiter hinten sitzen, über einen drüber stolpernd zu ihrem Sitz schleichen, und man nervt sich, dass man insgesamt sicher von 20 Knien, 50 Ellbogen und 10 Taschen attackiert wird. Ja, aber es ist wichtig, sofort, wenn das Wort „boarding“ fällt, auf zu springen, als ginge es um s nackte Überleben. ^^

Wenigstens in sofern ist mein Tag heute speziell: ich werde für einen Tag verreisen, weg von hier, einfach einen Tag Tapetenwechsel und vielleicht, ja vielleicht sieht ja morgen die Welt doch anders aus? wer weiss… ich würde gerne eine lila Welt haben… einfach für einen Tag ^^ wer weiss… 😉

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